Nachbarschaft

Veröffentlicht am 22.09.2020 von André Görke

Gestatten: die Ärzte aus Berlin (und Spandau). Von links nach rechts: Farin Urlaub, Rod Gonzalez und Bela B. In einem Monat kommt nach langer Zeit das neue Album raus, weshalb erwachsene Menschen schon ganz hibbelig sind. Ihre Tour („In the Ä tonight“) wurde leider gerade um ein Jahr auf Oktober 2021 verschoben. Grund: Corona.

Haben die Ärzte auch mal in Spandau gespielt? Das fragte ich Sie neulich hier im Newsletter. Und ich bekam Lesertipps von Äxperten wie Leser Stephan Kauf, 39, früher Kladow. Er holte die Ärzte-Biografie aus dem Schrank und suchte im Ohrensessel nach Spandau-Passagen. Eine andere Leserin, Sarah, schickte mir ein Video von den Ärzten aus dem Johannesstift. Und Marvin Loßmann steuerte ein wichtiges Detail zur Zitadelle bei.

Hier meine 10 Kurz-Geschichten zu den Ärzten in Spandau.

1.) Rockstar von Schwarz-Weiß Spandau. In den 60er Jahren trat Bela B. dem Verein Schwarz-Weiß Spandau im Spektefeld bei. Der spätere Rockstar war allerdings kein guter Fußballer: Das Kind wechselte zum Judo.

2.) „Herr Segefelder“. Das war der erste Spitzname in der Band, weil Bela B. dort wohnte. Sein Kumpel Farin Urlaub wurde „Herr Senheimer“ genannt – das war dessen Adresse in Frohnau. Das erzählten die beiden mir mal beim Interview.

3.) Spandau-Tattoo. 2003 wollte Bela B. sich mal die Buchstaben „Spandau“ auf den Bauch tätowieren, beließ es aber bei der Idee.

4.) Oberschule. Bela B. besuchte die Carlo-Schmid-Schule an der Lutoner Straße – da war irgendwo auch sein Proberaum.

5.) Plattenladen. Natürlich „Musicland“ in der Klosterstraße. „Der Laden war gut mit Punk und Avantgarde bestückt“, sagte Bela B. mal über den Laden, den jeder in Spandau kennt. „Der Verkäufer wurde zu einem väterlichen Freund für mich.“ Dieser Verkäufer führt den Laden noch immer: Ralf Rachner, 69 („Bela wohnte um die Ecke, war ein sympathischer Typ“). Hier mein Interview im Newsletter.

6.) Das Spandau der 70er: „Spandau war eine Stadt für sich“, hat Bela B. mal erzählt. „In Haselhorst war die Gastarbeiterdichte so stark wie im Wedding. Gleichzeitig war Spandau hochgradig überaltert, was erklärt, warum es so wenig Zerstreuung für jüngere Leute gab. Die Straßen waren voll mit alten Leuten, die uns Teenager ständig Nazisprüche hinterher riefen. Ich war als Punker eine Zielscheibe. Aus meiner Ecke kam eine Gruppe Hertha-Fans, die sich Zyklon B nannte. Denen bin ich lieber aus dem Weg gegangen.“

7.) Hertie in der Altstadt. Bela fing im Kaufhaus (heute Karstadt) eine Ausbildung zum Schaufensterdekorateur an.

8.) Ihre Disko. Es gab zwei Adressen in der Wilhelmstadt: die Disko mit der Rolltreppe („Jet Power“ an der Klosterstraße) und die Disko ohne Rolltreppe („Ballhaus“ in Tiefwerder). Die Ärzte wählten B und tanzten lieber in der Dorfstraße 5 zu Rockmusik.

9.) Das erstes Spandau-Konzert. Die Ärzte haben mal in Spandau gespielt – unter dem Namen der Vorgängerband „Soilent Grün“. Es war der erste gemeinsame Auftritt mit Farin Urlaub. Das Konzert fand im Johannesstift im Mai 1981 statt. Hier das Youtube-Video von Samuel L. Bronkowitz mit alten Aufnahmen – absolut super! Heute gibt Pfarrerin Anne Hanhörster den Takt im Johannesstift vor.

10.) Und gab’s noch ein zweites Spandau-Konzert? Ja. Und zwar bei einem Punk-Festival im Herbst 1981 in der Freilichtbühne neben der Zitadelle. Heute ein eher bürgerlicher Ort der Rebellion. Vielleicht findet Chefin Britta Richter ja noch Fotos im Festungsarchiv. – Text: André Görke

  • Mein Lesetipp: Viele Angaben und Infos stammen aus dem Buch „Die Ärzte. Ein überdimensionales Meerschwein frisst die Erde auf“, 2008, Schwarzkopf & Schwarzkopf. Die Biografie stammt von Markus Karg. Das Foto oben machte Jörg Steinmetz/bademeister.com.

+++
Dieser Text erschien zuerst im Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau. Die Tagesspiegel-Newsletter für die 12 Berliner Bezirke gibt es kostenlos und in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de.
+++
Hier meine Top-Themen im aktuellen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau – eine kleine Auswahl

  • BVG-Fähre von der Altstadt nach Tegel? Das steckt hinter der Idee
  • Schwarz-Weiss Spandau, Zitadelle, Musicland: 10 schnelle Fakten zu den Ärzten (aus Spandau)
  • Motorboote, Technokrach: Jetzt antwortet der Verkehrsminister zur Lärm-Debatte auf der Havel
  • Klassenfahrten von Spandauer Jugendlichen: Was wollen eigentlich alle in „Gnewikow“?
  • Ärger in der SPD: Bettina Domer will nicht mehr
  • Neue S-Bahnstrecke: Bagger auf der Siemensbahn (mit Überraschungsgast)
  • In Hakenfelde wird ein ganzer See trockengelegt – was ist da los?
  • Stadtrat über leere Immobilie in Kladow: „Die Jugend langweilt sich“
  • Hertha BSC, Mallorca – und die irre Geschichte um den Hotelier von der Havel
  • Hammerlos für den SC Gatow: Der BFC Dynamo kommt
  • Feuerwehrmann übernimmt die Sportfreunde Kladow
  • Liegt Hollywood in Spandau? Die Film-Statistik
  • So alt sind Spandaus Polizisten – und so schnell am Einsatzort
  • 15-Mio-Baustelle: Zeitplan für Gutspark Neukladow
  • „75 Jahre Kriegsende in Spandau“: Neue Ausstellung im Luftwaffenmuseum
  • Jubel bei BMW in Haselhorst: Motorrad Days kommen nach Berlin
  • …und noch viel mehr konkrete Bezirksnachrichten, Termine, viele persönliche Tipps. Die Tagesspiegel-Newsletter für alle 12 Berliner Bezirke gibt es kostenlos und in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de