Nachbarschaft

Veröffentlicht am 27.10.2020 von André Görke

Die Bewohner der Insel Eiswerder wollen nicht vertrieben werden. Links tausende Wohnungen, rechts tausende Wohnungen – und mittendrin Spandaus berühmte Insel. Hier wurden Filme gedreht, hier leben Künstler, arbeiten Youtuber. Droht jetzt der Rauschmiss? Dort plant der Senat einen Freizeitpark („öffentliches Grün, Sport, Kultur“). Hier hatte ich über die Pläne im Newsletter berichtet. Die Nutzer der Insel haben sich deshalb zusammengetan und einen Verein gegründet: den „Natur- und Freizeitverein Inselgärten Eiswerder“. Hier redet Martin Malaczek, 36, Lehrer aus Staaken, über die Sorgen, den Verein – und dessen Ideen:

Herr Malaczek, der schönste Ort in Spandau… „das sind die Gärten auf der Insel Eiswerder.“

Sie vertreten die Interessen der Gartenbesitzer dort. Wie viele sind das? „Wir haben mittlerweile 40 Mitglieder, darunter auch Jugendliche und Senioren. Wir wachsen fast täglich. Meine Eltern haben dort einen Garten gekauft, ich selbst bin auf der Insel groß geworden und habe die Kleingärten als Naherholungsort schätzen gelernt. Nun habe ich zwei kleine Töchter, die zum Beispiel die Inselgärten und ihre familiäre Gemeinschaft als selbstverständlich erachten. Nicht nur in Corona-Zeiten sind die Inselgärten für ihre Pächter ein wichtiger Rückzugsort. Nun will die Stadt das Grundstück als Ausgleichsfläche kaufen. In der Presse werden wir Kleingärtner nicht mehr erwähnt. Daher die Vereinsgründung. Es heißt, dass alle Vereine bleiben dürfen. Und unser Natur- und Freizeitverein Inselgärten Eiswerder ist mit seinen gemeinnützigen Aktionen, wie zum Beispiel unser Müllsammelaktion bei der wir über 100 Kilo Plastik und Schrott aus der Havel gefischt haben, ein Verein, auf den Spandau nicht verzichten kann.“

Von der Sammelaktion haben Sie mir ein Foto geschickt – das ist ganz oben zu sehen. Wer lebt denn noch so auf Eiswerder? „Zu unserer Interessengemeinschaft zählen die Angelvereine Carpe diem und Blei Oberhavel 1930. Die Kanusportvereinigung Havelbrüder (Fotos) ist ebenso ein wichtiger Teil unseres Interessenverbandes, wie auch die Künstlerwerkstatt und Galerie der Inselspinnen.“

Wann ist es besonders schön auf der Insel? „Natürlich ist der Sommer die Jahreszeit, in der ein Garten direkt an der Havel ein 24-Stunden-Urlaubsgefühl verursacht. Aber auch der Winter hat seine schönen Seiten. Ich erinnere mich an eine Situation, als die Havel komplett zugefroren war und ganz Spandau auf Schlittschuhen an der Insel vorbeiglitt. Traditionell wird jedes Jahr mit Lagerfeuer, Glühwein und Kartoffelsuppe – wir müssen an unsere Veganer denken – verabschiedet.“

Ihre Ideen für die Insel? „Die Insel Eiswerder ist für jedermann zugänglich. Da wir uns für Biodiversität und Umweltschutz einsetzen, möchten wir insbesondere unsere Erlebnisse mit Biber, Waschbär, Fuchs und Co teilen. Wir streben eine Kooperation mit dem Land beziehungsweise mit dem Bezirk an und möchten von uns betreute Begegnungsstätten für Jung und Alt schaffen. Hierbei sind kleine Flächen für körperliche Ertüchtigung oder gepflegte Yogawiesen am Wasser denkbar. Frei nach dem Motto: ‚Leben und leben lassen‘. Wir sind voller Ideen und stehen in Kontakt mit fast allen Parteien.“

Und wenn Sie mal nicht auf der Insel sind, machen Sie was? „Ich bin Vollzeit-Vollblutpädagoge und arbeite als stellvertretender Schulleiter an einer sehr guten Grundschule in Staaken.“

Spandau-Quiz zum eisigen Winter: Woher kommt der Name „Eiswerder“? Viel Spaß bei der Lektüre. – Text: André Görke
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Dieser Text erschien zuerst im Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau. Den gibt es kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de
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