Nachbarschaft

Veröffentlicht am 10.05.2021 von André Görke

Die Grünen haben am Wochenende gewählt. Und zwar in der Belgienhalle auf der Insel Gartenfeld – da sollen in zehn Jahren 10.000 Leute wohnen, unten gibt es dazu aktuellen Lesestoff. Gab’s Überraschungen? Nö. Das Spitzenpersonal für Berlin-Spandau wurde bestätigt: Fraktionschefin Gollaleh Ahmadi zieht’s rüber ins Abgeordnetenhaus, Fraktionschef Oliver Gellert will Stadtrat im Rathaus Spandau werden. Die BVV-Liste führt Elmas Wieczorek-Hahn aus Kladow an (sie ist auch Direktkandidatin in ihrem Wahlkreis fürs AGH). Hier gibt’s ein Gruppenfoto.

Allerdings steht vorn auf der Liste auch ein Mann namens Norbert Kopytziok. Wer das ist? Ein Umweltfachmann aus der Wasserstadt. Er möchte sein Wissen im Rathaus einbringen, also in der BVV. Er lebt in der „Havelperle“, diesem 50 Meter hohen Haus auf der Landzunge der Wasserstadt.

Herr Kopytziok, wo stecken Sie gerade? „In der Havelperle. Die ist seit einem Jahr mein Zuhause. Ich habe hier eine kleine Wohnung mit 50 Quadratmetern und mit einem sensationellen Ausblick.“ (Hier ein Foto)

Was hat Sie in die Wasserstadt gelockt? „Ich bin hergezogen, weil ein guter Freund sich in Spandau mit seiner Familie sehr wohlfühlt und mir empfohlen hatte, den Bezirk mal genauer anzuschauen.“

Was machen Sie beruflich? „Ich bin Umweltwissenschaftler und habe in den 80er Jahren das Institut für ökologisches Recycling in Berlin gegründet. Nach den ersten Berufsjahren wurde ich Umweltdezernent des Landes Schleswig-Holstein, führte das Umweltmanagementsystem an den Universitäten in Cottbus und Kiel ein. Hat alles wunderbar geklappt. Die Universitätsleitung in Kiel hatte dann den Anspruch, bis 2030 klimaneutral zu werden – und ich durfte die Arbeiten koordinieren. Das Ergebnis war, dass an der Kieler Universität über 75 % der energiebedingten CO2-Emissionen gegenüber 1995 reduziert wurden. Auch das Abfallaufkommen sank binnen weniger Jahre um 40 %. Das alles blieb der Stadtverwaltung Kiel nicht verborgen, so dass ich mich auch auf kommunaler Ebene für den Kieler Klimaschutz und die Erstellung des bundesweit ersten Zero-Waste-Konzeptes einer deutschen Großstadt einbringen durfte. Vor einem Jahr endete mein Berufsleben und ich zog nach Spandau.“

Die Politik liest mit. Ihre 3 Wünsche für die Wasserstadt? „Erstens: Es ist wertvoll, dass hier so viele und meist schöne bezahlbare Wohnungen gebaut werden. Ich wünsche mir aber ein Nachbarschaftszentrum in der Wasserstadt, quasi als Treffpunkt mit Beratungs- und Kulturangeboten.“

Zweitens? „Damit die schöne Lage der Wasserstadt auch wirklich erlebt werden kann, wünsche ich mir, dass die vorhandenen Grünflächen ausgebaut und gepflegt werden. Ein kleiner zusätzlicher, richtiger Park wäre aus meiner Sicht angebracht.“

Ihr dritter Wunsch? „Die Verkehrsanbindung muss verbessert werden. Das ist der Politik ja bekannt. Aber sowohl der Straßen- und Bahnanschluss, als auch kulturelle und gastronomische Einrichtungen sowie öffentliche Plätze für Kinder und Jugendliche hinken sehr deutlich hinterher.“

… und was vermissen Sie persönlich? „Ich wünsche mir einen Bio-Laden, Altglascontainer und eine richtige Poststelle in der Wasserstadt.“

Ihr Lieblingsort? „Mein Lieblingsort ist direkt vor meiner Haustür: der Steg an der Havelspitze – wie Urlaub.“

Und fernab der Wasserstadt: Ihr Herz schlägt für… „Seit meinem Studium war ich immer irgendwo ehrenamtlich aktiv. Einfach um mitzuhelfen, wo es Sinn macht. Hier in Spandau scheint es mir sinnvoll zu sein, dass ich meine Berufserfahrungen in die Bezirksverordnetenversammlung einbringen kann, damit sich in Spandau beim Umwelt- und Klimaschutz noch mehr tut. Die Klimawerkstatt in der Altstadt habe ich schon kennengelernt und erfahren, dass das Krankenhaus Havelhöhe klimaneutral werden will. Das sind geeignete Ansätze, um ganz Spandau auf den Weg zur Klimaneutralität zu bringen.“

Tagesspiegel-Tipp: Hier die Tagesspiegel-Fotostrecke zur Entstehung der Wasserstadt. – Text: André Görke
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