Intro

von Boris Buchholz

Veröffentlicht am 03.05.2018

die beiden Männer in Schwarz und mit einem Knopf im Ohr fielen mir beim Hinausgehen sofort auf. Die Informationsveranstaltung zu Kreisel, Autobahnbrücke und U-Bahnhöfen war vor einer Woche gerade zu Ende gegangen, die Besucherinnen und Besucher strömten aus dem alten BVV-Saal im Steglitzer Rathaus, hinaus in den Abend. Ich fragte die beiden starken Herren, wer sie seien: Sicherheitsdienst, sie seien von der CG Gruppe engagiert worden, war die Antwort. Zur Erinnerung: Die CG Gruppe ist der Bauherr des Kreisels, die Veranstaltung, an der die CG-Vorstände Jürgen Kutz und Christoph Gröner eben teilgenommen hatten, hatte das Bezirksamt ausgerichtet. Als ich auf die Straße trat, stand da noch ein Sicherheitsmann. „Wie viele sind Sie denn“, fragte ich. „Vier“, war die Antwort, der eine Kollege sei im Rathaus-Treppenhaus unterwegs. Immer mit Knopf im Ohr.

Was macht ein privater Sicherheitsdienst beauftragt von einer privaten Firma bei einer Veranstaltung des Bezirksamts im bezirklichen Rathaus? „Ich habe das nicht gewusst, der private Sicherheitsdienst war nicht mit uns abgesprochen“, erklärte die Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU). Sie ist sichtlich emotional: „Es ist meine Veranstaltung, ich habe eingeladen, es ist ‚mein‘ Rathaus, ich übe das Hausrecht aus, und niemand anderes.“ Die CG Gruppe habe die Veranstaltung zu ihrer machen wollen, zu einer Werbeveranstaltung. Aber: „Ich bin nicht Bürgermeisterin der CG Gruppe“, sagte die Rathauschefin. „Ich habe die Dominanz der CG Gruppe für diese Veranstaltung zurückgedrängt“, sagt sie weiter, das sei nicht leicht gewesen – aber sie glaubt, dass die Botschaft bei dem privaten Bauherrn angekommen ist. Der Kaperversuch sei abgewettert worden.

Kaperversuch – ich kann es mir bildlich vorstellen: Vom 150-Meter-Kran schwingen die Schwarzen-Männer-mit-dem-Knopf-im-Ohr zum alten, roten Rathausbau hinüber, Verkaufsbroschüren zwischen den Zähnen. Der CG-Vorstand steht auf dem Kreisel-Dach und überwacht den Vorstoß vom werdenden Turmdrehkran aus. Vor der Tür des Rathauses steht der Pförtner und reckt drohend die Hausordnung in die Höhe. Und aus den Rathausfenstern blicken ehrfurchtsgebietend die Stadträtinnen und Stadträte und rufen: „Ihr kommt nicht – vorbei!“ Und wir Bürgerinnen und Bürger? Wir schütteln (hoffentlich) den Kopf über einen Bauherrn, der glaubt, nur weil er die halbe Schloßstraße sperren könne, dass das Rathaus ihm gehöre. Dem ist nicht so.

Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer – von Kindesbeinen an lief er in Steglitz und Zehlendorf umher. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@extern.tagesspiegel.de.

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