Intro

von Boris Buchholz

Veröffentlicht am 12.07.2018

wenn ich zur Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung auf die Presse-Tri-Bühne (wir sind wahrlich auf einer Bühne im Mehrzweck-Bürger-Parlamentssaal platziert) steige, dann sage ich erst einmal „Guten Tag“. Von der „Berliner Morgenpost“ ist Katrin Lange da, für die „Berliner Woche“ berichtet Karla Rabe, Elena Baumann schreibt für die „StadtrandNachrichten“ und Jaqueline Lorenz für die „Gazette“. Manchmal nehmen noch Nils Michaelis vom „Abendblatt“ und Patrick Meyer vom „Kiez.Report“ auf der Pressebank Platz (von der „Berliner Zeitung“ ist übrigens so gut wie nie jemand dabei – obwohl meine Frau und ich lebendige „Beweise“ dafür sind, dass diese Zeitung auch in Steglitz-Zehlendorf Abonnenten hat). Deutschlandweit leben wir im Südwesten und in Berlin allgemein auf einer Insel der Presse-Seligen: Es gibt fast so viele Tageszeitungen wie Bezirke. Doch die Pressekonzentration schreitet voran, 61,6 Prozent der bundesweit ingesamt verkauften Zeitungen werden von gerade einmal zehn Verlagsgruppen produziert (und der Tagesspiegel-Verlag mit seiner „Mutter“ DvH Medien GmbH gehört nicht dazu; hier lesen Sie mehr). Die Ein-Zeitungs-Gemeinde aber ist vielerorts schon bittere Realität.

Dabei belegt eine aktuelle US-Studie die Bedeutung der Lokalpresse: Dort, wo wenig Lokaljournalismus vorhanden sei, erklären die Forscher, wirtschafte die öffentliche Verwaltung umso teurer. Tages- und Wochenzeitungen, Online-Blogs und Video-Channels sind lokal das vierte „Gewältchen“ – und wenn ich in meine E-Mail-Inbox schaue, dann weiß ich, dass Sie diese journalistische Kontroll- und Begleitfunktion schätzen (auch wenn ich es nach wie vor nicht schaffe, jede Nachricht an mich zu beantworten). In einer ZDF-Reportage wurde übrigens Anfang Juli hervorgehoben, dass der „Tagesspiegel“ als einzige deutsche Tageszeitung eine steigende Auflage habe. In dem Fernsehbericht betonte Tagesspiegel-Herausgeber Sebastian Turner auch die Bedeutung der Bezirks-Newsletter: Mit ihnen würden „wir neues Werbegeschäft machen und neue Leser gewinnen“. Jetzt wissen Sie es.

Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer – von Kindesbeinen an lief er in Steglitz und Zehlendorf umher. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@extern.tagesspiegel.de.

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