Intro

von Boris Buchholz

Veröffentlicht am 11.10.2018

diese Woche hat sich die Vergangenheit in den Newsletter geschlichen: Die Judenverfolgung vor achtzig Jahren, das Ende des Bauhauses in Steglitz 1933, die Gründung des Klinikums Benjamin Franklin vor fünfzig Jahren, die Geschehnisse der letzten Woche, ein stinkender einhundert Jahre alter See, sogar veraltete (und gefälschte) Fahrzeugtechnik – alles das ist heute Thema. Und interessanterweise geht es, wenn man sich mit der Vergangenheit beschäftigt und gar aus ihr lernen möchte, dann schnell um die Zukunft.

Wollen wir heute Ängste schüren und Menschen ausgrenzen? Wollen wir zur Idee einer weltoffenen europäischen Gesellschaft stehen? Wie soll das Krankenhaus der Zukunft aussehen (das Klinikum Benjamin Franklin war bei seiner Gründung das modernste Krankenhaus Europas)? Wo sollen – in der Zukunft – Schulen gebaut werden? Und wie wollen wir als heutige Dieselfahrer im nächsten Jahr durch die Leonorenstraße kommen? Die Zukunft entscheidet sich – heute.

Am Samstag, 13. Oktober, werden sich ab 12 Uhr auf dem Alexanderplatz tausende Menschen treffen, um für eine Zukunft des Miteinanders auf die Straße zu gehen. Das Nachbarschaftszentrum Mittelhof ruft ebenso dazu auf, an der Demonstration teilzunehmen, wie das Stadtteilzentrum Steglitz, das Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf und die SPD Steglitz-Zehlendorf. An Oberschulen kursiert der Demoaufruf, Reha-Steglitz und das Berliner Arbeitslosenzentrum werben für die Demonstration. „Es findet eine dramatische politische Verschiebung statt: Rassismus und Menschenverachtung werden gesellschaftsfähig“, heißt es im Demo-Aufruf auf unteilbar.org. Und weiter: „Was gestern noch undenkbar war und als unsagbar galt, ist kurz darauf Realität.“

Die Zukunft gestaltet sich – heute. Jeden Tag. Egal wie die Zukunft aussieht, ob sie langes offenes Haar hat oder eine Glatze, ob sie Sandalen trägt oder Stiefel, ob sie Auto fährt oder Fahrrad (oder Bus oder alles), aktiv werden muss man für seine Zukunft in der Gegenwart. Und auch davon handelt dieser Newsletter: Von Menschen, die sich einsetzen.

Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer – von Kindesbeinen an lief er in Steglitz und Zehlendorf umher. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@extern.tagesspiegel.de.

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