Intro

von Boris Buchholz

Veröffentlicht am 10.01.2019

Es gibt Ärger auf dem Wannsee im Südwesten Berlins – um feste Hausboote am Ufer. Beginnen wir aber erst einmal mit Kurt Tucholsky:

Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße.
mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn –
aber abends zum Kino hast dus nicht weit.

Tucholsky wird diesen Traum wohl nicht erlebt haben. Am Wasser zu wohnen, ist vermutlich für viele Menschen in Berlin eine angenehme und anstrebenswerte Vorstellung. Zugegeben, es gibt einige Möglichkeiten: Hausboote liegen am Landwehrkanal, am Treptower Park wohnen Menschen auf dem Wasser, in der Rummelsburger Bucht sind weitere Projekte für schwimmende Häuser immer wieder im Gespräch.

Im grünen und blauen Südwesten jedoch hat das Wohnen auf dem Wasser wohl (noch) keine Zukunft: Auf Höhe des Flensburger Löwens haben auf dem Wannsee drei Hausboote (vermeintlich) dauerhaft festgemacht – sie seien allerdings mit ihrem „Ferienwohnungsvermietungscharakter“ wohl „nicht zulässig“, erklärte Sabine Lappe, die Leiterin des Stadtplanungsamts, in der Januarsitzung des Stadtplanungsausschusses. Wenn sie als Boote vermietet und bewegt werden würden, dann wäre dagegen nichts zu sagen. Doch da vor Anker liegend gewohnt werden würde, habe der Bezirk Einspruch erhoben, es gebe bereits gerichtliche Auseinandersetzungen, teilte das Amt mit.

Der Bezirksverordnete Hans-Walter Krause (Linke) plädierte im Ausschuss für Entspannung und Gelassenheit: „Man sollte sich das erst einmal in Ruhe angucken“ und sich über das Wohnen auf dem Wasser „schlau machen“. Immerhin wohnten seines Wissens in Amsterdam etwa dreißig Prozent der Einwohner auf Grachten, Seen und Kanälen. In der Februarsitzung will der Ausschuss das Hausboot-Thema noch einmal aufgreifen. Es darf weiter geträumt werden. Allerdings: Ein viertes Hausboot ist vom Amts-Ausguck auf dem Wannsee gesichtet worden – erwünscht ist auch dieses nicht.

Die Rechtslage ist klar. „Ein ortsfestes, dauerhaft liegendes Hausboot benötigt als schwimmende Anlage auf  Bundeswasserstraßen eine strom- und schifffahrtspolizeiliche Genehmigung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsstraßenamtes Berlin sowie eine wasserrechtliche Genehmigung von der Wasserbehörde bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz“, hat Staatssekretär Stefan Tidow (Grüne) auf eine Anfrage von Andreas Statzkowski (CDU) im Sommer 2017 geantwortet. „Für Landeswasserstraßen ist eine Zustimmung von der Schifffahrtsaufsichtsbehörde bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz zu beantragen.“ (Mehr Details lesen Sie in diesem PDF-Formular aus dem Abgeordnetenhaus).

Ärger auch in Spandau. Das Thema schwappt aber zunehmend vom Ufer ins Rathaus. Auch auf der anderen Seite der Havel sind feste Hausboote längst ein Thema. Der Fischer Klaus Hidde hatte sich an den Spandau-Newsletter des Tagesspiegel gewandt. Seine Forderung an die Spandauer Politik: „Stoppt die Hausboote auf der Havel, die das Landschaftsbild zerstören“, schrieb Hidde. Er ist einer der bekanntesten Berlin-Typen des 2018 – denn Klaus Hidde ist Krebsfischer. Er hat im Sommer  Berlin im Kampf gegen die Krebsinvasion verteidigt. 40.000 Tiere hat er aus dem Tiergarten und dem Britzer Garten gefischt. Hidde („Früher saß ich tagsüber im Anzug in der Commerzbank in der Moritzstraße, abends im Boot auf der Havel“) ist schon sehr lange als Fischer im Einsatz. Nicht nur Hausboote ärgern ihn. Seine Forderung an die Politik im Spandau-Newsletter: „Renaturiert konsequent die Land- und Wasserflächen in Tiefwerder durch Entfernung der illegalen Bebauungen.“ Und der Waschbär soll sich nicht noch wohler fühlen – aber das ist noch mal ein anderes Berliner Thema. – Autoren: Boris Buchholz, André Görke

  • Lesen Sie mehr im Tagesspiegel: Anders als in London oder Amsterdam halten die Behörden in Berlin nicht viel von Hausbooten. Warum eigentlich nicht?
  • Lesen Sie mehr im Spandau-Newsletter: Waschbären fressen Kormorane auf der Insel Imchen vor Berlin-Kladow. Hier finden Sie den Text dazu.

Die Infos haben wir unseren Bezirksnewslettern vom Tagesspiegel entnommen und hier zusammengeführt. Zwölf Newsletter, zwölf Bezirke: Unsere Leute-Newsletter aus allen Berliner Bezirken können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de

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