Intro
von Boris Buchholz
Veröffentlicht am 20.02.2020
Herzlichen Glückwunsch, wir haben es auch 2019 wieder geschafft: Wir Steglitz-Zehlendorfer (Männer wie Frauen) bleiben die Stubenältesten Berlins! Mit einem sagenhaften Durchschnittsalter von wieder 46,3 Jahren haben wir im Vergleich zum Vorjahr unsere Linie gehalten, kein Zehnteljährchen weniger. Die Alterswaage des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg, am 31. Dezember 2019 hat sie uns vermessen, erklärt auch so manchen Zentrum-Peripherie- und Senats-Bezirks-Streit: Von den jungen Hüpfern aus Friedrichshain-Kreuzberg (Altersschnitt: 38,2 Jahre) und Mitte (39,0) lassen wir uns doch nichts sagen (zumindest nicht immer)!
Wobei wir Südwest-Kinder nicht nur definitiv älter und vermutlich weiser sind (leider gibt es dafür höchstens Indizien, keine Beweise) als die Rest-Berliner, sondern auch ein Hort der Stabilität – und des Glaubens. Ich habe mir extra eine eigene Rechentabelle gebastelt und die ergibt: Nirgendwo in Berlin ist die Anzahl der Ehen höher! 122.713 Menschen sind in Steglitz-Zehlendorf verheiratet, das ist ein berlinweit ungeschlagener Wert von 39,6 Prozent. Schauen Sie nach Friedrichshain-Kreuzberg, ein Lotterleben: Gerade einmal 25,8 Prozent der Menschen sind unter der einen oder anderen Haube. Die Reinickendorfer pflegen am ehesten unsere Vorstellung einer idealen Partnerschaftsform – 39 Prozent Ehen, immerhin.
Ein wesentlicher Grund für die vielen Heiratswilligen könnte die Religion sein. Ich ahne, dass jede Pfarrerin und Pfarrer, jeder Messdiener und Diakon in Berlin sich die Finger danach lecken, in den Südwesten versetzt zu werden. Steglitz-Zehlendorf ist die Hochburg des Christentums (in Berlin) – exakt 109.957 Menschen waren zu Silvester evangelisch (zwei Drittel davon) oder römisch-katholisch (ein Drittel). 35,5 Prozent Jesus-Rate – das macht uns keiner nach, noch nicht einmal Reinickendorf (30,8%) oder Spandau (29,6%). Für die Mission in Marzahn-Hellersdorf (10,7%) oder Lichtenberg (11,2%) muss wohl nächsten Sonntag wieder gesammelt werden.
Zwei Dinge allerdings bereiten mir Sorgen. Erstens: So schön es ist, dass wir die Berliner Stammesältesten sind – wenn es im Südwesten bereits jetzt so viele Alte und Ältere gibt (jeder Vierte ist 65 jahre alt oder älter, über 55 Jahren sind fast 40 Prozent), dann wird der demographische Wandel dem Bezirk in den nächsten Jahren noch weit mehr Best-, Bronze-, Silver- und Gold-Ager bescheren. Und auf deren Bedürfnisse und Belange müsste sich die Bezirkspolitik und -verwaltung langsam einstellen. Bisher geschieht hier viel zu wenig, für einen Altenplan 2020 (2010 erschien die erste und letzte Untersuchung ihrer Art) ist laut Sozialstadtrat Frank Mückisch (CDU) kein Geld vorhanden.
Zweitens: Nicht nur Berlin ist gewachsen (die Stadt zählt jetzt 3,769 Millionen Einwohner), sondern auch der Bezirk. Vom vorletzten zum letzten Silvester sind 1.994 Neu-Südwestler hinzugekommen (herzlich Willkommen!), 310.071 Menschen sind jetzt in Steglitz-Zehlendorf ansässig. Mein Problem ist nun, dass der Erfolg der Bezirksnewsletter Tagesspiegel-intern so gemessen wird, dass die Anzahl der Abonnenten mit der bezirklichen Bevölkerungszahl ins Verhältnis gesetzt wird. Am 18. Februar – so steht es in der Wochenstatistik, die uns Autorinnen und Autoren als Ansporn und Mahnung wöchentlich ins E-Mail-Postfach gelegt wird – lasen 21.469 Menschen die digitale Wochenzeitung aus dem Südwesten. Der Steglitz-Zehlendorf-Newsletter führt im bezirksweiten Vergleich mit einer Haushaltsabdeckung von 14,12 Prozent (dann folgt mit 13,67 Prozent der Wochenbrief meines geschätzten Kollegen Cay Dobberke für Charlottenburg-Wilmersdorf; absolut liegt er mit 24.954 Lesern weit vorne). Doch wissen Sie, mit welcher Einwohneranzahl die Tagesspiegel-Statistiker für unseren Bezirk rechnen? 302.535. Das war der Stand in etwa zu Mittsommer in 2015! Jetzt fürchte ich die Aktualisierung – und den prozentualen Abstieg. – Text: Boris Buchholz
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Dieser Text stammt aus dem aktuellen Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf. In unseren Bezirks-Newslettern berichten wir einmal in der Woche, was los ist in Ihrem Bezirk. 180.000 Haushalte haben die Newsletter schon abonniert. Sie haben auch Interesse? Den Newsletter für den Berliner Südwesten gibt es kostenlos, kompakt und in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de
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Meine weiteren Themen im Newsletter für Steglitz-Zehlendorf – hier eine Auswahl.
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- …und noch mehr Bezirksnachrichten, Termine und persönliche Tipps im Bezirksnewsletter für Steglitz-Zehlendorf unter leute.tagesspiegel.de