Intro

von Boris Buchholz

Veröffentlicht am 06.05.2021

die Dinge, die Sie im kommenden Sommer unbedingt in der Hand- oder Jackentasche haben sollten, werden immer mehr: Maske, Taschentücher, Hausschlüssel, Fotos von den Liebsten, echtes oder Plastik-Geld, Trillerpfeife oder Pfefferspray, Impfausweis oder Testbescheid – und Ihre persönliche Trinkflasche. Denn nicht nur wenn es heiß wird, ist Trinken lebenswichtig (erste familiäre und nicht repräsentative Studien ergeben: Wer viel Maske tragen muss, trinkt in der Tendenz zu wenig). Bisher hieß die Lösung außerhalb von eigener Wohnung, Schule oder Arbeitsplatz: Wenn ich Durst habe, kaufe ich mir in der nächsten Tankstelle, im Supermarkt oder am Kiosk eine Flasche Mineralwasser, Saft oder ein Sprudelgetränk. Plastikflasche (und späterer Müll) inklusive.

Ab diesem Frühjahr und Sommer soll das Trink-Szenario in der Stadt aber so aussehen: Ich habe meine eigene wiederverwertbare Flasche dabei; und wenn sich der Flascheninhalt geleert hat und sich in meinem Magen befindet, dann gehe ich in das nächste Café oder den nächsten Laden und fülle meine Flasche wieder auf – kostenlos mit Trinkwasser.

Bisher gibt es in Berlin bereits um die 500 Orte, die Sie mit freiem Leitungswasser versorgen. Einige davon sind Trinkbrunnen, die allermeisten Refill-Stationen befinden sich in Bio-Supermärkten, Einzelhandelsgeschäften und Cafés. In Steglitz-Zehlendorf können Sie Ihre Flasche bereits jetzt in den Filialen des Reformhauses Demski, in Lichterfelde im Coffeeshop „Torrefazione“ und im Kinderladen „Löwenzahn“, in der Helgoland-Apotheke in der Hildburghauser Straße, bei Blumen Weyer in der Schloßstraße oder bei Sta Travel in Dahlem nachfüllen lassen. Und in jeder Filiale von Bio Company, denn’s Biomarkt und basic Supermarkt. Prüfen Sie Ihre Nachbarschaft auf Trinkbarkeit: Auf der Website refill-deutschland.de sind in einer Karte alle Trinkbrunnen und Nachfüllstationen eingetragen.

„Refill Stationen sind kostengünstige Trink-Orte, um unterwegs kein Einweg-Plastik zu verbrauchen“, sagt Samuel Höller, Geschäftsführer des Vereins „a tip: tap“. Die gemeinnützige Organisation aus Berlin, die Berliner Wasserbetriebe und die Ortsgruppe der Wasser-Bürgerbewegung Refill rufen zwischen dem 10. und 16. Mai zur Aktionswoche auf. Das Ziel: 100 neue Refill-Stationen sollen in der Stadt hinzugewonnen werden. Gegen Durst und Plastikwahn. Wer einen neuen Ort für kostenloses Trinkwasser wirbt oder einrichtet (mit einem Aufkleber muss die neue Station kenntlich gemacht werden; hier zum Download und Ausdrucken), kann in der Aktionswoche auch etwas gewinnen – natürlich „wiederbefüllbare Trinkflaschen und ‚Leitungswassertrinker*in‘-Beutel“. Senden Sie dazu bis zum 16. Mai ein Foto von der neuen Wasserstelle und deren Anschrift an die E-Mail-Adresse wasserwende@atiptap.org.

Ich wünsche stets einen Wasserhahn zum Auffüllen Ihrer Taschenflasche in der Nähe – und den Stationsbetreibern Freude beim Nachschenken. Und jetzt, nachdem Ihr Durst gestillt ist, hoffe ich auf kräftigen Newsletter-Lesehunger.

  • Boris Buchholz ist in Wilmersdorf und Lankwitz aufgewachsen. Der Tagesspiegel-Redakteur lebt in Zehlendorf – die lokale und globale Politik interessiert ihn, seitdem er in der Fichtenberg-Oberschule die Schulbank drückte. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@tagesspiegel.de.