Intro

von Boris Buchholz

Veröffentlicht am 06.07.2023

die gute Nachricht zuerst: Die einjährige Leonie hat einen Stammzellenspender gefunden. Das Mädchen leidet an einer besonders schweren Erbkrankheit, der Fanconi-Anämie, eine Form der Leukämie. Julia, ihre Mutter, sprudelte auf Instagram Mitte Juni vor Glück: „Wir haben es alle geschafft, Leonie hat ihr ‚passendes Match‘ gefunden.“ Und: „Wir sind sprachlos.“

Die dreiköpfige Familie war bis vor kurzem noch zu viert – und das ist die schlechte Nachricht. „In unserer Kita ist im Februar ein zweijähriger Junge an einer schweren Krankheit verstorben“, schrieb Sabine Koß, die Leiterin der evangelischen Markus-Kita in Steglitz dem Tagesspiegel. „Jetzt ist auch seine einjährige Schwester Leonie an Leukämie erkrankt, die gerade bei uns in der Eingewöhnung war.“

Louis wäre im Mai drei Jahre alt geworden. Doch am 30. März fand seine Beerdigung statt. „Mit vielen Luftballons und Wunderkerzen, so wie er es sich gewünscht hat“, wird seine Mutter in einer Presseinformation der Deutsche Knochenmarkspenderdatei, kurz DKMS, zitiert. Viel Zeit zum Trauern hatte Louis‘ Familie nicht: Zwei Wochen nach der Beerdigung ihres ältesten Kindes erfuhren die Eltern, dass auch Leonie Leukämie hat. Eine Woche später war klar: Sie braucht eine Stammzellentherapie.

Auch wenn Leonie durch die Spende eines Dritten gute Chancen auf Hilfe hat, hat die Kita das Schicksal der beiden Geschwister erschüttert. Eltern und Erzieher-Team wissen bereits von einem dritten schwer erkrankten Berliner Kind: Auch Leandra, sie ist drei und wohnt im Prenzlauer Berg, benötigt dringend eine Stammzellenspende.

„Aus diesem Grund veranstalten wir als Kita am Samstag eine Registrierungsaktion für die DKMS“ – Sabine Koß und die Kita-Gemeinschaft laden am Samstag, 8. Juli, von 14 bis 18 Uhr in den Garten der Markus-Kita (Liliencronstraße 15 in 12167 Berlin) ein. Das Prozedere ist einfach: Um zu sehen, ob jemand für einen kranken Menschen als Stammzellenspender infrage kommt, wird mit einem Wattestäbchen ein schneller Wangenabstrich gemacht. Menschen im Alter von 17 bis 55 Jahren können sich registrieren lassen.

Mund auf, Stäbchen rein, das war’s. Im Labor wird dann überprüft, ob jemand in der Datei zu den Spendereigenschaften passt. Wenn ja, wird der potenzielle Spender über das Verfahren informiert – und die lebenswichtigen Stammzellen können entnommen und dem Erkrankten transfundiert werden. Für den Spender oder die Spenderin ist das keine große Sache – in 90 Prozent der Fälle läuft die Stammzellenspende wie eine Blutspende ab. Aber für den Empfänger oder die Empfängerin kann eine Spende die Zukunft bedeuten – eben die Chance, dem Tod von der Schippe zu springen.

Wenn Sie am Samstag keine Zeit haben sollten, unter www.dkms.de/leonie können Sie sich ein Testset auch direkt nach Hause schicken lassen. Wie gesagt: Mund auf, Stäbchen rein, absenden – damit Kinder wie Louis, Leonie und Leandra (und auch alle älteren an Blutkrebs Erkrankten) eine neue Chance bekommen. Bevor es zu spät ist.

  • Fotos: privat