Intro
von Boris Buchholz
Veröffentlicht am 16.07.2026
ich wünsche mir (und Ihnen natürlich auch), stets eine gekühlte Brise Gelassenheit parat zu haben. Doch bei der Posse um einen Radweg in der Neuen Filanda- und Filandastraße muss ich wohl Nachschub beim Gelassenheitshändler meines Vertrauens bestellen.
Dass eine sechsspurige Hauptverkehrsstraße, auf der täglich 21.000 Autos rollen, seit Anbeginn der Zeit über keinen Radweg verfügt, ist das eine. Dass gesagt wird, lass uns doch erst die Straße reparieren, bevor wir eine neue Aufteilung des Straßenraums vornehmen, ist vernünftig.

Doch das neueste Argument der Senatsverkehrsverwaltung, absehbar keine Radspur installieren zu müssen, zieht einem in der Hitze die Flip-Flops von den Füßen, es lässt alle (Fahr-)Räder stillstehen. Denn, so Verkehrsstaatssekretär Arne Herz (CDU) in der Beantwortung einer schriftlichen Anfrage der Abgeordneten Oda Hasspaß (Grüne), „die Einrichtung einer Radverkehrsanlage in der Filandastraße steht in engem Zusammenhang zu einer Radverkehrsführung in der Schildhornstraße und deren Verbindung über die Joachim-Tiburtius-Brücke“. Solange dort das Radfahren nicht sicher sei, könne auch in der Filandastraße keine Radspur kommen. „Das Radverkehrsnetz muss ganzheitlich betrachtet werden, sodass dieser Straßenabschnitt bezüglich einer Teilumsetzung weiterhin zurückgestellt wird.“
Was für ein Berliner Denkansatz – er spart Millionen Euro. Weil das Fahrradfahren in Straße A nicht sicher ist, machen wir es auch nicht in Straße B sicherer. Weil der Wohnraum in Steglitz knapp ist, bauen wir auch in Lichterfelde nicht neu. Weil sich die Müllberge am Steglitzer Kreisel häufen, machen wir auch die Grünanlage hinter der Schwartzschen Villa nicht sauber. Wenn man erst einmal auf den Geschmack gekommen ist und die richtigen Rillen im Gehirn gefügig gemacht hat, macht dieses „politische“ Denken sogar Spaß – probieren Sie es aus.

Die Posse in der Filandastraße wird durch die aktuelle dortige Baustelle noch – hm, kann man das steigern? – „possiger“. Denn anscheinend besteht in Berlin für die Baustelleneinrichtung ein funktionierendes Regelwerk (im Gegensatz zum Mobilitätsgesetz, das einfach „nice to have“ zu sein scheint). Während die eine Hälfte der Fahrbahn saniert wird, werden die Autos in beiden Richtungen über die andere Fahrbahnseite geleitet, einspurig und ohne Probleme. Und am Straßenrand wurde in Richtung Lankwitz und in Gelb eine provisorische Radspur auf die Fahrbahn gemalt. Sie ist sogar benutzungspflichtig.
Warum die Radspur-Geschichte für den Steuerzahler und die Steuerzahlerin auch noch teuer werden wird, lesen Sie weiter unten in diesem Newsletter. Atmen Sie vor dem Lesen am besten tief durch, dann hat die Gelassenheit wieder eine Chance.