Kiezkamera

Veröffentlicht am 02.01.2020 von Boris Buchholz

Im letzten Jahr hat die BSR die hauseigenen Glas-Mülltonnen abgeschafft. Seitdem müssen die Hausbewohner und Müll-runter-Träger den Weg zum nächsten öffentlichen Glas-Container finden – was hier und da funktionieren mag, in Südende aber Flaschen-Blüten treibt. Einen Tag vor Silvester versorgte mich Leserin Felicitas J. mit einem Beweisfoto der Konsequenzen am Steglitzer Damm.

„Meine Nachbarin und ich standen entgeistert vor dieser Ansammlung: Was bildet die in der Werbung und auch persönlich oft humorvolle BSR sich eigentlich ein, uns mit einer solchen Menge von Altglas allein zu lassen?“, schrieb mir die Leserin. „Seit Wochen strampeln wir mit dem Rad oder schwer behangen und wankend zu Fuß von Container zu Container, bis ein halbwegs leerer zu finden ist.“

Während ihre Nachbarin kurzerhand ihre Flaschentasche wieder an den Henkeln packte und sich auf die Suche nach einem noch nicht überfüllten Recycling-Behälter machte, dachte sich Frau J.: „Denkste!“ Sie habe sich an alte Protest-Methoden aus den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erinnert: „Wir haben fröhlich eigene Regeln entworfen und umgesetzt, wenn auf andere Art Kommunikation nicht möglich war.“ Also schloss sie sich der Flaschen-Kommune an – und stellte ihre Glasbehältnisse zu den schon auf dem Trottoir stehenden dazu, „ordentlich und ästhetisch inspiriert von hell nach dunkel, sogar von groß nach klein“.

Sie beendete ihren Bericht mit den Worten: „Das einzig Gute an der Sache ist, dass ich mich jetzt mal direkt an Sie wende und auf diesem Weg auch danken möchte für ihren wunderbaren Steglitz-Zehlendorfer Newsletter, den ich mit viel Genuss lese, wenn ich Zeit finde.“ Meinen herzlichen Dank!

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Boris Buchholz berichtet diese Woche außerdem über diese Themen: +++ Die kritische Südwest-Agenda für 2020: Bitte deutlich mehr gestalten! Egal ob generationenfreundlicher Bezirk, Klimapolitik, Fairtrade oder der Rathausneubau – die Politik muss mehr wagen und aktiver werden +++ Bürgerinnen und Bürger haben die Gestaltungslücke der Bezirkspolitik längst erkannt: Die Menschen nehmen ihre Interessen selber in die Hand +++ Was man für die Zukunft lernt, wenn man auf dem Oberdeck einen Dreijährigen belauscht +++ Vor fünf Jahren flüchtete ihre Familie nach Berlin: Maria, 14, fühlt sich wohl in Lankwitz – sie liebt ihr eigenes Zimmer +++ Kunst aus Pferdehaaren und Politiker-Worthülsen +++ Überfüllte öffentliche Glascontainer: Über den Widerstand gegen die BSR und farbenfrohe Flaschen-Ästhetik in Südende +++ Wannseebahn und Stammbahntrasse erkunden und erwandern +++ Rapper-Hochburg Steglitz-Zehlendorf? +++ Für Jugendliche und Kinder: In den Winterferien neue Talente entdecken +++ Tegel-Chaos: Wie zwei Portugal-Reisende vor Weihnachten fast in Lichterfelde geblieben wären +++ Der große Straßencheck: Sagen Sie uns, wie Berlin künftig aussehen sollte +++

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