Kiezkamera

Veröffentlicht am 25.06.2020 von Boris Buchholz

Es ist ein sommerlicher und abstoßender Dauerbrenner: An den Ufern von Wannsee und Havel sonnen sich die Menschen, im Wasser wird gespielt, geplanscht und geschwommen, auf den Picknickdecken häufen sich leckere Mitbringsel – und rund um die wenigen und oft überfüllten Abfalleimer wachsen die Müllberge.

Schon vor einem Jahr hatte sich Leser Andreas F. nicht nur an den Tagesspiegel, sondern auch an das Bezirksamt gewandt und um eine Lösung gebeten – ein Jahr später ist die Situation unverändert, der Müll-Horror-Thriller geht in den nächsten Sommer. Mein Kollege Felix Lorber hatte vor zwölf Monaten nachgeforscht: Zwar habe sich laut Umweltstadträtin Maren Schellenberg (Grüne) die Abfall-Situation an Schlachtensee, Krumme Lanke und Grunewaldsee entspannt, doch an Wannsee und Havel sei der Bezirk nicht zuständig. Letztes Jahr versprach der Senat auf Nachfrage zwar Abhilfe und eine Ausweitung eines Pilotprojekts mit der Berliner Stadtreinigung – doch passiert ist augenscheinlich wenig.

„Es ist eine Katastrophe für die Umwelt und für alle Bürgerinnen und Bürger, die ein Recht auf saubere Orte für ihre Erholung haben“, schrieb Leser Andreas F. letzte Woche an die Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung, den Senat, die Berliner Forsten und die BSR. „Sie tragen dafür die Verantwortung!“, formulierte er deutlich.

Das stimmt – zum großen Teil. Der andere Verantwortliche sind jedoch – Sie! Gehen Sie schwimmen, genießen Sie die Natur, kühlen Sie sich ab und machen Sie Südwest-Urlaub am Wasser. Ihren gehorteten Abfall jedoch neben einer sowieso schon überquellenden Mülltonne (so Sie eine finden) abzustellen, ist allerdings keine Lösung. Nehmen Sie ihre gelesene Tageszeitung (gerade wenn es der Tagesspiegel ist), ihre Bananenschalen, Kirschkerne, Butterbrotpapiere, Kartoffelsalatreste, Plastikflaschen und Apfelgriebse bitte wieder mit und entsorgen Sie sich in einem freien Behälter auf dem Nachhauseweg (Zigrattenkippen sowieso). Schließlich haben Sie das Zeug auch an den Sandstrand und auf die Liegewiese getragen.

Natürlich ist die Stadt dennoch und gerade in der Pflicht, bessere Möglichkeiten der Abfallentsorgung zu schaffen und eine Reinigung der Badestellen vorzunehmen. Doch es gilt auch beim Schwimmen und Sonnenbaden das abgewandelte Motto aus den 1968-er Jahren: „Auch Du machst das Ufer sauber, Genosse!“

Der Beleg für diese steile These? Auf dem Foto von Leserin Petra Baumann liegt der Abfall unsauber verstreut neben dem Mülleimer – in dem in diesem Fall sogar noch Platz gewesen wäre.

Was meinen Sie? Schreiben Sie meiner Kollegin Lotte Buschenhagen, Sie erreichen Sie per E-Mail an Lotte.Buschenhagen@extern.tagesspiegel.de – Sie können Ihr auch für die nächsten beiden Wochen Bilder aus dem Südwesten für die Kiezkamera senden.

Text: Boris Buchholz

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