Kiezkamera
Veröffentlicht am 02.06.2022 von Boris Buchholz
Der Andrang war so groß, dass der Gemeindesaal der Evangelischen Johannes-Kirchengemeinde nicht ausreichte: Über 100 Bürgerinnen und Bürger waren vergangene Woche zur Beteiligungswerkstatt zum Bahnhofsvorplatz Lichterfelde-West gekommen. Eingeladen hatten Straßen- und Grünflächenstadtrat Urban Aykal (Grüne) und der Runde Tisch Lichterfelde-West: Wie soll sich der Bahnhofsvorplatz verändern? Was wünschen sich die Anwohnenden und Gewerbetreibenden? Fehlen Parkplätze oder sollen Fußgängerinnen und Fußgänger künftig mehr Platz erhalten?
Arbeitsgruppe vor der Kirche. Weil der Diskussionsbedarf ebenso groß wie Menschenmenge war, wich die Arbeitsgruppe „Gewerbestandort“ ins Kirchen-Café aus, die AG „Nachbarschaft“ stellte kurzerhand Tische und Stühle vor das Kirchenhaus – zum Glück war das Wetter gut. Im Saal wurde konkret über den Bahnhofsvorplatz gesprochen. Nach drei Stunden war klar: Es gibt Verbesserungsbedarf am zentralen Platz des Kiezes.
Mehr Platz für Fußgängerinnen und Fußgänger, barrierefreie Wege, besser organisierte Fahrradabstellmöglichkeiten (aktuell stehen sie arg im Weg), mehr Bänke und eine öffentliche Toilette – an diesen Punkten waren sich viele Diskussionsteilnehmer einig. Auch ein Wochenmarkt am Samstag wurde gewünscht. Was mit den Autos und den Parkplätzen auf dem Vorplatz geschehen soll, war weniger klar. „Parken mit PKW am Platz“ und „Besucherparkplatz notwendig“, schrieben die einen auf die Karte an der Stellwand. Andere Karten sind mit „Teil der Pkw-Plätze für Radbügel“ und „Anzahl der Parkplätze reduzieren“ beschriftet. Zwei Behindertenparkplätze und eine Verkürzung der erlaubten Parkzeit auf eine Stunde waren weniger umstritten. Klar wurde auch: Der überwiegende Großteil der Menschen, die sich zu Wort meldeten, sprachen sich für den dauerhaften Erhalt des Zeitungskiosks aus – um den Kiosk war im vergangenen Herbst und Winter heftig in der Nachbarschaft gerungen worden (hier als T+-Text zu lesen).
„Ich bin begeistert, wie sehr sich die Menschen für ihr Wohnumfeld engagieren und dabei aktiv mitwirken möchten“, sagte Stadtrat Aykal nach der Veranstaltung. Das Zentrum rund um den Bahnhof Lichterfelde-West habe „das Flair einer kleinstädtischen Einkaufsmeile“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Arbeitsgruppe „Gewerbestandort“ hatten zuvor die Vielfalt der inhabergeführten Geschäfte und die Durchmischung von kleinen und großen Läden gelobt. Es gebe kaum Kettenfilialen (ein paar gibt es schon), aber dafür viel persönlichen Kontakt zu den Einzelhändlern. „Was die Menschen wollen, ist etwas mehr Struktur und Ordnung im Verkehrsbereich“, nimmt der Stadtrat mit. Alle Anregungen aus der Bürgerschaft würden dokumentiert und mit den zuständigen Fachämtern besprochen werden, verspricht er.
Im Oktober soll es eine Folgeveranstaltung geben, vor Ort, direkt am Platz. Dann will das Bezirksamt konkrete Vorschläge zur Diskussion stellen, wie der Bahnhofsvorplatz gestaltet werden könnte. „Ich bin zuversichtlich, dass wir selbst mit kleinen gemeinsamen Nennern viel Positives bewirken können“, meint Urban Aykal.
- Foto: Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf
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