Kiezkamera
Veröffentlicht am 07.07.2022 von Boris Buchholz
Dialoge der Socken. „Hallo Kadisha!“ – „Hallo Ingrid!“ – „Kadisha, wo willst du leben?“ – „Ich will in Syrien, meiner Heimat, leben. Und wo willst du leben?“ – „Ich will in Berlin leben, meiner Wahlheimat.“ – „Was für ein gutes Leben für Dich!“ – „Ein gutes Leben ist, gute Freunde haben und keinen Streit mit ihnen. Und was ist ein gutes Leben für Dich?“ – „Ich will in Frieden und ohne Krieg leben. Was ist dein Traumleben?“ – „Mein Traumleben ist, viele Länder kennenzulernen. Und was ist Dein Traumleben?“ – „Ich will mit meiner gesamten Familie leben, ich will vielleicht Chirurgin werden, damit ich Leben anderer retten kann.“ – „Schön.“
Erwachsene begleiten geflüchtete Kinder. Nicht selten wurde bei den Socken-Dialogen, die am vergangenen Samstag im Theatersaal des Campus Albert Schweitzer am Teltowkanal aufgeführt wurden, laut gelacht. Der Abschluss des fünften Mentoring-Durchgangs wurde gefeiert: Neun Monate lang hatten ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren geflüchtete Kinder bei ihrer Ankunft in Berlin begleitet. Im Rahmen des Projekts des Vereins Lupine Menoring hatten sich die Erwachsenen-Kinder-Tandems auch mit der Frage „Wie wollen wir leben?“ beschäftigt.
Zum Abschlussfest, zu dem die Familien und Freunde der Kinder eingeladen waren, wurde diese Frage vielfältig beantwortet. Eine Gruppe hatte eine ganze Stadt ihrer Träume entworfen – es war das Bühnenbild. Die Tandems einer anderen Gruppe befragten sich gegenseitig. Aus den Interviews entstanden die Dialoge der sprechenden Socken.
„Moin, moin, wie geht es dir?“ – „Mir geht es gut, und dir?“ – „Auch super. Was willst du werden?“ – „Ich würde gerne Fußballstar werden, eine glückliche Familie bekommen und eine ganz große Villa.“ – „Ja, das hört sich super an. Aber was machst du, wenn das nicht so klappt mit dem Fußballprofi?“ – „Dann studiere ich als Arzt.“ – „Okay, und was brauchst du dazu?“ – „Ein Gymnasium.“ – „Super, dann wissen wir Bescheid.“
Die Kinder stärken, ihnen Zeit schenken und auf ihrer Entdeckungstour in die deutsche Gesellschaft und die Großstadt Berlin fest an ihrer Seite stehen; das sind die Aufgaben der Mentorinnen und Mentoren. Das sie das tun, wie es den Anschein hatte auch sehr gerne, zeigten sie bei dem Fest eindrucksvoll. Kinder und Erwachsene tanzten auf der Bühne, erst mit Tüchern dann mit Schildern. Es war erstaunlich, was die Choreografin Julieta Figueora die Gruppe mit den bemalten Pappen auf denen „Freiheit“, „Spaß“, „Freunde“, „Leidenschaft“, „Frieden“, „Freiheit“ oder „Natur“ und „Klima“ standen, alles anstellen ließ. So wollen sie leben. Anerkannt, ohne Angst, mit Spiel und Freude, mit Lust auf das Leben.
- Noch werden Mentorinnen und Mentoren für den neuen Projekt-Durchgang gesucht – und auch geflüchtete Kinder, die sich Begleitung wünschen, können sich noch melden. Die Telefonnummer von Lupine Mentoring lautet 0174 / 3 05 89 04.
- Foto: Anke Krey
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