Kiezkamera

Veröffentlicht am 21.12.2023 von Boris Buchholz

Wie im Zeitungsmuseum: Kakteen unter dem Schutz der vierten Gewalt. Der Bezirksverordnete Dennis Klein (CDU) staunte bei seinem jüngsten Besuch im Botanischen Garten: Im Kakteenhaus lagen diverse Berliner Tageszeitungen auf den Pflanzen – besonders stark war der Tagesspiegel vertreten. Und zwar im alten, großen Format; ein Jahr sind diese Sammlerstücke also mindestens alt.

Warum die Zeitungen auf den Kakteen liegen, weiß Stephanie Henkel, die Leiterin der Stabsstelle Kommunikation des Botanischen Gartens: „Es tropft.“ Der Tagesspiegel sei aktuell im Kakteenhaus und bei den Afrikanischen Sukkulenten, das sind Wasser speichernde Pflanzen, dazu gehören auch Kakteen, im Einsatz. Gründe für das Getropfe gibt es gleich zwei: „Zum einen sind in den betroffenen Gewächshäusern einige Scheiben und Rinnen undicht – besonders bei viel Regen kann es dann mal tropfen.“ Zum anderen bildet sich bei den kälteren Außentemperaturen in der Winterzeit schneller Kondenswasser, das von den Glasdächern herabfällt.

„Das Wasser an sich ist nicht das Problem, wohl aber der Zeitpunkt.“ Denn zurzeit befänden sich die Kakteen im „Winterschlaf“: „Sie werden seit Mitte September bis Ende März nächsten Jahres so gut wie gar nicht gegossen und sollen trocken stehen, sonst faulen sie“, erläutert die Garten-Sprecherin. Und weil im Winter die Temperatur in den Häusern geringer sei, trockne alles auch noch schwerer. Um die Pflanzen vor der Feuchtigkeit zu schützen, deckt sie das Gewächshaus-Team in den betroffenen Bereichen mit alten Zeitungen ab.

Wann die Gewächshäuser saniert werden? „Grober Planungshorizont: Innerhalb der nächsten fünf Jahre.“ Derzeit würden die Schäden und die nötigen Reparaturen evaluiert. Stephanie Henkel: „Klar ist, dass in den betroffenen Häusern in jedem Fall einige Scheiben ersetzt und Abdichtungen ausgetauscht werden müssen.“ Wie viel eine Sanierung kosten würde, könne sie noch nicht sagen.

Bis dahin müssen die Zeitungen ran. „In der Tat ist der Tagesspiegel bei unseren Gärtnerinnen und Gärtnern im Arbeitsalltag heiß begehrt – nicht nur als ‚Supersauger‘: Die alten Ausgaben im großen Format eignen sich auch besonders gut zum Umwickeln beim Umtopfen der Kakteen.“ Auch woher die alten Zeitungsausgaben kommen, hat Sprecherin Henkel herausgefunden: „Bisher hatte der Vater der zuständigen Reviergärtnerin – wohl Tagesspiegel-Abonnent seit über 60 Jahren – hier für Nachschub gesorgt, nun ist diese Quelle leider erschöpft.“ Begehrt waren die großformatigen Ausgaben auch bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlerin, die im sogenannten Herbar Pflanzen pressten. Die Zeitungen seien teilweise direkt beim Verlag abgeholt worden.

Ob der Botanische Garten auch Verwendung für Ausgaben im neuen, kleineren Format hätte? Immerhin sind die Ausgaben mit ihren vielen Seiten seit einem Jahr besonders saugstark. „Unbedingt“, sagt Stephanie Henkel sofort. Wenn Sie sich also schweren Herzens von Ihren meterhohen Altbestands-Türmen trennen müssen, jetzt wissen Sie, wer sich über eine Spende freut.

Letzte Frage an die Garten-Expertin: Saugt der Tagesspiegel eigentlich besser als die Konkurrenz? „Das müssen Sie die Kakteen fragen.“ Vielleicht nach dem Winterschlaf, wir wollen ja höflich bleiben.