Kultur
Die zweite kommunale Galerie: Unter der Regie des Kulturamts kommen Rosa Loy, Rebecca Raue und Maki Na Kamura ins Gutshaus Steglitz
Veröffentlicht am 11.10.2018 von Boris Buchholz
Ab dem 1. Januar 2019 wird das Kulturamt Steglitz-Zehlendorf neben der Schwartzschen Villa eine zweite kommunale Galerie bespielen: Die inhaltliche Verantwortung für das Gutshaus Steglitz wandert vom Büro der Bezirksbürgermeisterin in den Fachbereich Kultur. „Durch unseren Wissensstand, unsere Kompetenzen und unsere Kontakte können wir das Gutshaus mit einer anderen Expertise bespielen“, erklärt Brigitte Hausmann, die Leiterin des Kulturamts. Hätten sich zuvor Künstler, die im Gutshaus ausstellen wollten, bei der Bezirksbürgermeisterin beworben, gehe das Kulturamt gezielt auf ausgewählte Künstler zu. So wird als erste Künstlerin im Gutshaus Steglitz unter neuer Leitung Rosa Loy ab Mitte Januar ihre Malereien unter dem Titel „Tag“ zeigen.
Zur Zeit stellt Mathias Döpfner in seinem Privatmuseum, der Villa Schöningen gleich hinter der Glienicker Brücke, Bühnenbilder und Kostüme aus, die Rosa Loy und ihr Mann Neo Rauch für die Bayreuther Aufführung von „Lohengrin“ geschaffen haben. Das sei „ein geschickter Schachzug“, schrieb mein Kulturkollege nach seinem Ausstellungsbesuch in Potsdam: „Das lockt neue Kundschaft an.“
Ähnlich denkt Brigitte Hausmann: „Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie wir mit unserer kleinen Galerie eine größere Wahrnehmung erreichen. Wie können wir mehr Leute neugierig machen?“ Ihre Aufgabe sei es, Ausstellungen mit einem hohen professionellen Niveau in den Südwesten zu holen. „Wir müssen die Gelder so einsetzen, dass der Kulturstandort Steglitz-Zehlendorf gestärkt wird“, erklärt sie. Dabei helfe der neue Standort im Guthaus Steglitz. Immerhin müsse man bedenken, dass „wir das kleinste Kulturamt in Berlin sind“. Während Spandau eine Ausstellungsfläche von über 1.000 Qudratmetern zur Verfügung habe, seien es bisher in der Schwartzschen Villa gerade einmal 100 Quadratmeter.
Im Gutshaus Steglitz soll so gut wie ausschließlich Malerei gezeigt werden, die Schwartzsche Villa wird weiterhin der Ort für Experimente und Raumerlebnisse sein. „Die Künstler zeigen in der Schwartzschen Villa ausschließlich Werke, die es vorher nicht gegeben hat“, erläutert die Kulturamtsleiterin das Konzept. Es entstünden Unikate, die oftmals nach dem Ende der Ausstellung auseinandergenommen werden müssten. Welcher Sammler und welches Museum habe ausreichend Platz um eine raumgreifende Installation aus Seide, Bambus und Stacheldraht wie die der Künsterin Qin Yufen, sie stellte im Sommer in der Schwartzschen Villa aus, zu präsentieren?
Auch die nächsten Ausstellungen sind für das Gutshaus schon geplant: Nach Rosa Loy wird im April die Malerin Rebecca Raue gegenüber vom Kreisel zu Gast sein. Die Künstlerin denke darüber nach, „wie sich Malerei weiterentwickelt“, eine Art Malerei im Raum könnte entstehen, erzählt Brigitte Hausmann mit blitzenden Augen. Im Sommer 2019 wird dann Maki Na Kamura abstrakte Landschaftsmalerei präsentieren.
Auch wenn sie darüber glücklich ist, ab Januar eine zweite kommunale Galerie in Steglitz-Zehlendorf zu haben, ist die Leiterin des Kulturamts noch nicht zufrieden. Ihr fehle ein bezirklicher Kunstort in Zehlendorf, sagt sie. Und sie hat mutige Ideen: Wie wäre es mit einer Sommer-Triennale am, auf und um den Wannsee? Kunst, Design, Musik. Das Kunstfestival sei allerdings „Zukunftsmusik“. Frühestens könne sie sich im Jahr 2020 einem solchen Projekt widmen: Im kommenden Jahr muss nicht nur bei gleichbleibenden finanziellen Mitteln das Gutshaus bespielt werden. Das Kulturamt arbeitet für das Jahr 2020 an einer großen Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum von Groß-Berlin – es wird die erste Ausstellung sein, die sowohl in der Schwartzschen Villa als auch im Guthaus Steglitz gezeigt werden wird.