Namen & Neues

Abu Dhabi, Düppel, Dahlem: Schwierige Diskussion bei der ersten Ideenwerkstatt Museen

Veröffentlicht am 14.12.2017 von Boris Buchholz

Was ist für Sie ein zeitgemäßes Museum? Diese Frage stand ganz am Anfang der Diskussion im Untergeschoss des Museumstandorts Dahlem, die am Dienstagabend für Einsichten, aber auch Emotionen sorgte. Für Oliver Rump, er ist Professor für Mueseumsmanagement und -kommunikation an der Hochschule für Technik und Wirtschaft, hat der Louvre in Abu Dhabi ein zeitgemäßes Konzept: Es ist die Kunst der zweiten und dritten Reihe aus dem Pariser Louvre, die dort gezeigt wird. Und: Dort gibt es ein unbegrenztes Budget. „Das ist das, was ich mir wünsche“, sagte er, was mit Gelächter im Auditorium beantwortet wurde. Für Paul Spies, er ist Direktor des Stadtmuseum Berlins, ist Geld zweifelsohne wichtig, aber auch ohne viel Bares könne ein Museum gedeihen. Er nennt als eines seiner Lieblingsmuseen das Museumsdorf Düppel: „Was die dort machen, ist wunderbar“, die Besucher würden in Düppel einen Tag erleben, „den man nicht vergessen wird“. Es seien dort nicht die Meisterwerke, die die Menschen begeistern, sondern die Erzählung und die Chance, Geschichte zu erleben. Ein modernes Museum müsse partizipativ und „alles muss intelligent sein“.

Definitiv partizipativ ist das Museum, das Moritz Wullen, Beauftragter der Gründungsintendanz für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Humboldt-Forum, als Vorbild nennt: die National Gallery of Singapur. Auf riesigen Ausstellungsflächen würden sich Kinder tummeln, die spielend und tobend Kunst erleben. Dort würde man zeigen, „wie wichtig Kinder sind, um die Eltern zu motivieren, ins Museum zu gehen“. Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) nennt das Berliner Pendant: Das Naturkundemuseum ist auch ein Kinder-bringen-Eltern-ins-Museum-Beispiel.

Was haben Düppel, Singapur, Mitte und Abu Dhabi mit Dahlem zu tun? Ja, das war das Problem des Abends. Das hochkarätige Podium und Teile des Publikums waren gekommen, um zu diskutieren, wie ein attraktives Museum oder eine vergleichbare Kultureinrichtung heute und morgen konzipiert sein müsste. Es war ein strategischer Gedanke, den das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf und das Regionalmanagement Berlin Südwest bewogen haben, zu einer ganzen Reihe von Diskussionsveranstaltungen einzuladen, der Termin am Dienstag war nur der Auftakt. Der Gedanke nämlich, dass der Bezirk nach dem Wegzug der Dahlemer Museen (bis auf das Museum Europäischer Kulturen) eine Nachfolge-Attraktion benötige – ob am Standort Dahlem oder anderswo. Hier wollten die Einladenden das Diskussionsfeld erweitern, neue Optionen eruieren. Denn in der Dahlemer Lansstraße hat der Bezirk kaum Einfluss, den Hut haben andere auf; letztendlich entscheiden die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Landes- und Bundespolitik über die Weiterentwicklung des Ortes.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat sich schon festgelegt: Sie will einen Forschungscampus in Dahlem, Sammlungen, Archive, Restaurationswerkstätten. Im Frühjahr 2018 will die Stiftung eine Machbarkeitsstudie für den Campus vorstellen. Und genau hier kippte die Veranstaltung – denn allzuschnell ging es darum, was in Dahlem entstehen solle, wer bisher gebremst habe, was für Ideen vorstellbar seien. „Hier wird eine Verlagerung angenommen, die für den Südwesten katastrophal ist“, sagte zum Beispiel der Zukunftsforscher Rolf Kreibich. Eine Rednerin aus dem Publikum mahnte Zwischennutzungen für Künstler an, damit das „Licht im Leuchtturm“ nicht erlösche. Andere warfen bei der als Ideenwerkstatt deklarierten Veranstaltung wahrlich Ideen in die Diskussion: ein Zukunftsmuseum, ein europäisches Zentrum für Kunst und Kultur, ein Animations-Ort zu energieeffizientes Bauen. Richtig Neues brachte dieser Teil des Abends nicht; die Stimmung lud sich auf, Vorwürfe an das Podium zirkulierten.

Paul Spies tat der von Rüdiger Schaper, er ist der Leiter der Kulturredaktion des Tagesspiegels, moderierten Veranstaltung gut. Er sprach davon, dass der Südwesten eine Vielzahl von kleineren Kultureinrichtungen besäße, eine „Perlenkette“, die entwickelt und beworben werden könnte. Er sagte es klar: „Neben Visionen braucht man auch Geld.“ Er bot der Bezirksbürgermeisterin an, gemeinsam für Mittel zu werben. Als Cerstin Richter-Kotowski erwiderte, sie gebe gerne ihren Namen, warf Spies beharrlich ein: „Und etwas Geld.“ Der Bezirk müsse deutlich zeigen, dass es ihm wichtig sei, eine attraktive kulturelle Alternative zu schaffen.

Boris Buchholz

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