Namen & Neues

Es liegt was auf der Straße: Hundekot beschäftigt die Bürger, aber nur wenig die Ämter

Veröffentlicht am 15.02.2018 von Boris Buchholz

„Mein eigener Hund ist mittlerweile am Verzweifeln, weil er kaum ein Plätzchen an einem Baum findet, was nicht völlig zugekackt ist“, schrieb Biggi Schulz in der Facebook-Gruppe Steglitz-Zehlendorf. „Offenbar räumt außer meiner Wenigkeit kaum noch jemand die Hinterlassenschaften seines Hundes weg“, fuhr sie fort. Nicole Schabacker kommentierte: „Ich selbst trete in ein Haufen rein, während ich das meines Hundes gerade weg machen möchte.“ – „Die Leute laufen im Pelzmantel und Hund rum und sind sich zu fein, die Hinterlassenschaften einzusammeln“, berichtete Nutzerin Martina Ritscher aus Zehlendorf. Und Facebookerin Monika Raschke meint, einen Zusammenhang zwischen Hundegröße und nicht weggeräumten Hundehaufen erkannt zu haben: „Hundebesitzer mit großen Hunden ignorieren generell die Hinterlassenschaften ihrer Hunde.“ Es haben sich viele Diskutanten beteiligt, die Bürgerdebatte geht weiter.

Auch der Senat will demnächst wieder über Hundekot diskutieren – mit den Bezirken. Die bezirklichen Ordnungsämter haben nämlich die Aufgabe, das Hundegesetz, in dem das Kot-Prozedere festgelegt ist, umzusetzen – nur tun sich die Ordnungshüter in den Bezirken schwer, dem Gesetz Geltung zu verschaffen. Denn zwar müssen Hundehalter sich um die haufenweise Entsorgung kümmern und dafür „geeignete Hilfsmittel“ mitführen. Doch soll man ohne Anlass Bürger auf Tüten kontrollieren? Und was sind überhaupt „geeignete Hilfsmittel“?

Der SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck hatte den Senat gefragt, wie die Tütenpflicht umgesetzt werde. Erkenntnis 1 aus der Antwort von Innenstaatssekretär Christian Gaebler (SPD): Ein „geeignetes Hilfsmittel“ könne „ein Papiertaschentuch, eine Zeitung, ein Plastikbecher oder ein anderer Gegenstand des täglichen Gebrauchs sein“ – also schwer zu kontrollieren. Erkenntnis 2: Im Jahr 2017 wurden insgesamt gerade einmal 78 statistisch erfasste Kontrollen durchgeführt. Erkenntnis 3: Es wurden Null (also keine einzige Mark) Euro an Bußgeldern verhängt – die Straßen zu verkoten, scheint ein Hunde-Kavaliers-Delikt zu sein. Und Erkenntnis 4: Aus Steglitz-Zehlendorf liegen keine Erkenntnisse vor, der Bezirk habe nicht zugeliefert.

Ich habe den Ordnungsstadtrat Michael Karnetzki (warum sind alle politisch Beteiligten in dieser Geschichte in der SPD?) gebeten, mich auf den neuesten Erkenntnisstand zu bringen. Wenn ich mehr über die amtlichen Bezirkserfahrungen weiß, sage ich es Ihnen weiter.