Namen & Neues

Wie soll an das Kriegsgefangenenlager in Lichterfelde-Süd erinnert werden? Informationen zum Stalag III D gesucht

Veröffentlicht am 01.03.2018 von Boris Buchholz

Lichterfelde-Süd – bestimmt denken Sie jetzt an das neue Wohnquartier, das hier entstehen soll, oder an die einmalige Lichterfelder Weidelandschaft, die sich auf dem ehemaligen US-Militärübungsplatz entwickelt hat. Doch bevor die amerikanischen Soldaten in der „Parks Range“ und der „Dough Boy City“ den Straßenkampf übten, befand sich auf dem Gelände eines der vier Kriegsgefangenenlager (Stammlager, oder kurz Stalag) der Wehrmacht im Wehrkreis III rund um Berlin. Bis zu 58.000 Menschen waren zeitgleich im Stalag III D gefangen gehalten; die Soldaten aus Belgien, Frankreich, Großbritannien, Jugoslawien, aus der Sowjetunion, Polen, den USA, Italien und der Tschechoslowakei wurden als Zwangsarbeiter eingesetzt. Besonders übel wurden die italienischen Militärangehörigen behandelt: Als „Verräter“ wurde ihnen der Status als Kriegsgefangene verweigert. Am 14. August 1940 wurde das Lager eingerichtet, es bestand bis Kriegsende. „Es war das einzige Mannschaftslager in der Großstadt“, sagte Hans Porep vom Aktionsbündnis Lichterfelde-Süd am Montagabend im Rathaus Zehlendorf. „Das Kriegsgefangenenlager ist ein Kapitel, das noch überhaupt nicht aufgearbeitet ist“, ergänzte Annette Pohlke von der Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde.

Wie soll über Stalag III D informiert, wie soll an das Zwangsarbeitersystem erinnert werden? Das waren die Fragen, die die Aktiven der Initiative für einen historischen Lernort in Lichterfelde-Süd – ein Bündnis verschiedener Organisationen und interessierter Bürger – am Montag berieten. Nach den Recherchen des Bündnisses könnten zwei historische Gebäude auf dem Gelände noch existieren: Eines wird zur Zeit von der Reitgemeinschaft Holderhof genutzt, in einem anderen war vermutlich die Kantine eines neben dem Stalag III D angesiedelten Zwangsarbeiterlagers der Reichsbahn untergebracht. Am Montagabend hieß es, dass das Landesdenkmalamt seit letztem Dezember die Gebäude untersuche und inventarisiere. Ob eines oder beide Häuser unter Denkmalschutz gestellt werden könnten, werde erst nach den Untersuchungen, die bis April andauern würden, klar sein. Bisher liegt mir noch keine Stellungnahme des Landesdenkmalamts vor, ich wurde auf kommende Woche vertröstet. Sollte eines der Gebäude zum Lagerkomplex gehört haben, böte es sich als Erinnerungs- und Lernort an. Fest scheint bisher allerdings nur zu stehen, dass Bezirk und Groth-Gruppe planen, eine „Stele, Gedenktafel o.ä.“ zum Gedenken an die Gefangenen des Stalag III D aufzustellen. Das hatte die Bezirksverordnetenversammlung auf Antrag der Piraten-Fraktion im März 2016 beschlossen.

Die Geschichte des Stalag III D ist weit über die Bezirksgrenzen interessant: Auch zwei Vertreterinnen des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit der Stiftung Topographie des Terrors, das unter anderem die Geschichte der italienienschen Militärinternierten erforscht, waren nach Zehlendorf gekommen. Wichtigster Teil des Abends war es dann auch, sich zu vernetzen und gewonnene Erkenntnisse zu teilen. In diesem Sinne bittet Sie die Initiative für einen historischen Lernort in Lichterfelde-Süd um Ihre Hilfe: Wenn Sie Hinweise zum oder gar alte Unterlagen über das Lager in Lichterfelde-Süd haben (vielleicht entdecken Sie eine Sammlung alter Fotos auf dem Dachboden), melden Sie sich bitte unter der E-Mail-Adresse stalag-IIID@ikz-lichterfelde.de. Sollten Sie Dokumente per Post senden wollen, dann bitte an folgende Adresse: Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde c/o Thomas Schleissing-Niggemann, Soester Straße 7, 12207 Berlin.

Anzeige