Namen & Neues

Viele gute Gedanken: Doch Zweifel an Format und Ziel der Reihe "Ideenwerkstatt Museen in Dahlem"

Veröffentlicht am 08.03.2018 von Boris Buchholz

Am Montag, 5. März, hatten sich rund sechzig Zuhörer im Untergeschoss des Museumskomplexes Dahlem zur zweiten Ideenwerkstatt Museen zum Thema „Kulturen und Europa – Welche Impulse gibt Europa den Museen?“ eingefunden. Ein Zuhörer merkte am Ende der Veranstaltung an, dass sich das Humboldt-Forum nicht um Europa kümmere, „das ist eine Chance für diesen Standort“. Elisabeth Tietmeyer, die Direktorin des Dahlemer Museums Europäischer Kulturen (MEK), nickte und sagte, „dieser Standort ist nicht tot“, ihr Museum sei hochaktiv und erlebe mit der Ausstellung „100 Prozent Wolle“ gerade einen großen Erfolg. Die ehemalige stellvertretende Direktorin des Martin-Gropius-Baus, Susanne Rockweiler, machte sich die Worte eines französischen Lyrikers zu eigen: „Bereichert Euch an Eurer Unterschiedlichkeit“. Und Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) zitierte die Webseite des MEKs: „Europa liegt in Dahlem.“

Ex-Kultursenator Volker Hassemer (CDU) sagte den Museen eine „große, aber anstrengende Zukunft“ voraus. Für die gesellschaftlichen Diskussionen brauchen die Menschen „Begleiter im Alltag“, das könnten die Museen leisten. Susanne Rockweiler merkte dazu an, dass „die Leute, die Orientierung suchen, sie nicht im Museum suchen“. Man erreiche nicht alle Menschen. Das würde sie gerne ändern: „Wir alle würden uns kostenfreien Eintritt wünschen.“ Oder wenigstens einen Tag in der Woche, an dem Familien kostenlos in die Museen gehen könnten. Und auch dafür bräuchte man „eine Kulturlobby in Brüssel“. Marion Ackermann, die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, brachte ein 24-Stunden-Museum ins Spiel, Museen müssten zugänglich sein.

Die Veranstaltungs-Kritik: 1) Bei der zweiten Ideenwerkstatt waren im Vergleich zur ersten nur noch halb so viele Bürgerinnen und Bürger anwesend. 2) Der Bezirk hat eingeladen, wichtige Persönlichkeiten aus der Museumszene folgten dem Ruf, beeindruckend. Doch wirkt die Bezirksbürgermeisterin auf dem Experten-Podium fremd. Auch an diesem Abend berichtete sie von der Dahlem-Radfahr-Route, erzählte von den vielen Städtepartnerschaften, betonte, dass der Bezirk touristen-freundliche Bürger, aber kein Geld habe. 3) Warum veranstaltet der Bezirk eine Reihe zur Museumsentwicklung, wenn keine Museums-Ideen für den Bezirk entwickelt werden? 4) Wenn Werkstatt drauf steht, muss auch Werkstatt drin sein. Die Veranstaltungen waren in der Öffentlichkeit als „Workshops“ angekündigt worden, es seien Möglichkeiten des Dialogs und des gemeinsamen Arbeitens, war die Suggestion. Wenn die dritte „Ideenwerkstatt“ wie die erste und zweite wird, dann könnte die Reihe eher zum Ersticken des Bürgerengagements führen als zum Erblühen kreativer Schaffenskraft. Und ich bin sicher: Die Bürgerinnen und Bürger werden sich in die Diskussion einschalten – wenn es nicht im vom Bezirksamt moderierten Format möglich ist, wird sich früher oder später ein alternatives Debatten-Projekt ergeben.

Machen Sie sich Ihr eigenes Hör-Bild: Die Veranstaltung wurde vom Inforadio des rbb aufgezeichnet; am Sonntag, 11. März, können Sie die Diskussion bequem zuhause hören – einmal um 11.05 Uhr, einmal um 20.05 Uhr.

Übrigens werden die Südseeschiffe, die Häuser und Pfähle Dahlem jetzt nach und nach verlassen. Die Objekte sind in Kisten verpackt, werden mit Stickstoff bedampft und rollen dann auf Tiefladern nach Mitte. Meine Kultur-Kollegin Nicola Kuhn hat sich in Dahlem umgeschaut: mehr auf tagesspiegel.de.

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