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Mehr Denkmalschutz: Für den Mäusebunker ist eine Voranfrage auf Denkmalschutz eingereicht

Veröffentlicht am 24.05.2018 von Boris Buchholz

Der Mäusebunker ist ein Beton-Koloss: Abweisend, schroff, furchteinflößend und konsequent funktional trutzt er am Ufer des Teltowkanals. Er erinnert an einen Sternenzerstörer aus „Star Wars“, die Luftröhren weisen wie Kanonenrohre in die Umgebung, Fenster gibt es kaum. 1971 wurde mit dem Bau begonnen, fertig wurde das Gebäude der Zentralen Tierlaboratorien der Freien Universität, das Gerd Hänska entworfen hat, 1980. Heute beherbergt es noch einige Mitarbeiter der Forschungseinrichtungen für Experimentelle Medizin der Charité; wohl im kommenden Jahr werden sie in Laboren anderswo weiterforschen (die Charité hat in Berlin-Buch einen Neubau errichtet). Was anstelle des Mäusebunkers entstehen könnte – vielleicht Forschungseinrichtungen, vielleicht eine Schwesternschule -, sei noch unklar. Das Ende des Mäusebunkers scheint gekommen zu sein – doch Andreas Jüttemann, Mitarbeiter des Instituts für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité, hat eine andere Idee: Er wünscht sich, dass der Mäusebunker unter Denkmalschutz gestellt wird.

Denn der Betonklotz gilt als „eines der wichtigsten brutalistischen Bauwerke in Berlin“, erklärt Jüttemann. In der Anfang April im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt/Main zu Ende gegangenen Ausstellung „SOS Brutalismus – Betonmonster retten“ wurde mit einiger Resonanz auf die Bauten dieses Architekturstils aufmerksam gemacht (unter anderem auch auf die tschechische Botschaft in Mitte und die Kirche St. Agnes in Kreuzberg). Im Katalog der Ausstellung schreiben die Fachautoren: „Denkmalschutz besteht nicht, er wäre jedoch leicht zu begründen: Erhaltenswert ist der Bau schon aufgrund seiner Einzigartigkeit.“ Die Website sosbrutalismus.org stuft den Mäusebunker als „gefährdet“ ein, er ist rot markiert. „Es gibt noch keinen Abrissantrag und nichts“, berichtet Jüttemann. Das Schicksal des Mäusebunkers werde in der nahen Zukunft entschieden. Deshalb hat er als Privatperson eine Voranfrage an das bezirkliche Amt für Denkmalschutz geschickt; das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf hat sie an das Landesdenkmalamt weitergeleitet.

Angenommen, der Bau würde unter Denkmalschutz gestellt werden (ich vermute, alle sind sich einig, dass er definitiv spektakulär ist – schön, na ja, eher nicht), was sollte dort hinein? Das Innere, es sind vier Etagen, ist für die Anforderungen eines Tierlabors geplant worden, es gibt kaum Fenster, die Zu- und Abluft wird durch ein komplexes Röhrensystem sichergestellt. In seiner Voranfrage formuliert Bürger Jüttemann: „In Berlin gibt es immer findige Ideen für Um- und Nachnutzungen. Ob aus dem Mäusebunker eine Bibliothek, ein Fotostudio, ein Kunstraum oder ein Kapselhotel wird, das sei der Phantasie der Nachnutzer überlassen.“ Mut mache ihm das Gebäude gegenüber. Das Institut für Hygiene und Umweltmedizin des Universitätsklinikums Benjamin Franklin ist auch brutalistisch und steht seit einigen Jahren unter Denkmalschutz. Für einen Krimi sei das Haus das Polizeikommissariat, berichtet Jüttemann, Mitarbeiter der Charité schätzten das Beton-Gebäude wegen seiner besonderen Raumschnitte und -formen.

Sollte seine Voranfrage erfolglos sein, hat Andreas Jüttemann schon einen Plan B parat: „Ich würde versuchen, einen Einwohnerantrag in die Bezirksverordnetenversammlung einzubringen.“ Das wäre ein mutiges Unterfangen, er wisse selber, dass der Mäusebunker bei den Anwohnern unbeliebt sei, er habe ein schlechtes Image, er sei eben „keine klassische Schönheit“. Dennoch würde er versuchen, „auf Unterschriftenjagd zu gehen“, und würde gucken, ob es in der Bevölkerung eine Akzeptanz für den Erhalt des Hauses gäbe: „Das stelle ich mir durchaus schwer vor.“

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