Namen & Neues

Kriegsgefangenenlager in Lichterfelde-Süd: Bürgerbündnis sammelt Unterschriften für einen Lern- und Gedenkort

Veröffentlicht am 19.07.2018 von Boris Buchholz

Das Landesdenkmalamt ist auf dem Gebiet in Lichterfelde-Süd, auf dem die Groth-Gruppe um die 2500 Wohnungen (und Reihenhäuser) bauen möchte, fündig geworden: Einige frühere Wohn- und Krankenbaracken sowie Fundamente von Wachtürmen des Kriegsgefangenenlagers Stalag III D und eines Lagers der Reichsbahn aus dem Zweiten Weltkrieg sind noch vorhanden. „Das sind einzigartige geschichtliche Zeugnisse“, sagte der zuständige Experte im Landesdenkmalamt Bernhard Kohlenbach dem Tagespiegel. Die baulichen Reste seien schutzwürdig, derzeit verhandele sein Amt „intensiv“ mit der Groth-Gruppe. Denn bisher habe die städtebauliche Planung für das Gebiet Denkmalschutzaspekte nicht berücksichtigt; auf dem Gelände, auf dem früher die Baracken standen, sollen Neubauten entstehen. Die Position der Groth-Gruppe: „Bleiben historische Bauten stehen, so bedeutet das eben weniger Wohnraum.“

Die „Initiative für einen historische Lernort in Lichterfelde Süd“, dahinter stehen das Aktionsbündnis Lichterfelde Süd, die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten, sammelt jetzt Unterschriften für einen Einwohnerantrag. Im Antrag wird das Bezirksamt aufgefordert, „in den Bebauungsplan für das Entwicklungsgebiet Lichterfelde-Süd einen historischen Gedenk- und Lernort in zu erhaltenden authentischen Gebäuden“ aufzunehmen. Unterstützen mindestens 1.000 Steglitz-Zehlendorfer den Antrag, muss sich die Bezirksverordnetenversammlung dem Thema annehmen – und darüber befinden.

Zur Zeit verhandeln das Bezirksamt und der Bauherr über den Abschluss eines Städtebaulichen Vertrags – beide Seiten wünschen sich, dass der Vertrag bis zum 31. Juli unterzeichnet ist. „Wir haben keine Kenntnis über Details dieses vorgesehenen Vertrages“, betonte Thomas Schleissing-Niggemann, er ist erster Vorsitzender der Initiative KZ Außenlager Lichterfelde, gegenüber dem Tagesspiegel. Der Vertragsentwurf war zwar mehrfach im Stadtplanungsausschuss der BVV vorgestellt und diskutiert worden, doch war die Öffentlichkeit von den Beratungen ausgeschlossen. Ende Juni sagte mir Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU), dass die Themen Denkmalschutz und Gedenkort im Städtebaulichen Vertrag nicht behandelt werden würden. Sie verwies auf den Bebauungsplan, der im kommenden Jahr ausgelegt und nach einer erneuten Bürgerbeteiligung beschlossen werden würde.

Auf der Aktionswebsite stalagiiid.ikz-lichterfelde.de stellt die Initiative für einen historischen Lernort den Einwohnerantrag vor und wirbt um Unterstützer. Der Antrag samt Unterschriftenliste steht dort als pdf-Dokument zum Download bereit. Wer es weniger digital bevorzugt: Im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf (Ostpreußendamm 64) liegt der Einwohnerantrag aus – und kann unterzeichnet werden.

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