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AusgeMUFt? Erstes Umwelt-Gutachten zum Dahlemer Weg 247 liegt vor

Veröffentlicht am 26.07.2018 von Boris Buchholz

Die wichtigsten Ergebnisse vorab: Geschützte Pflanzenarten haben die vom Bezirksamt beauftragten Experten auf dem verwilderten Grundstück, auf dem der Senat eine Flüchtlingsunterkunft errichten möchte, nicht nachweisen konnten. Auch „stark gefährdete oder streng geschützte Insektenarten sind … nicht zu erwarten“, heißt es in der „Ad-hoc-Potentialeinschätzung Dahlemer Weg 247“, die die Planungsgruppe Cassens und Siewert erstellt hat. „Es kommen keine geschützten Biotope auf dem Grundstück Dahlemer Weg 247 vor.“ Bei den Tieren sind sich die Gutachter nicht so sicher: Sie empfehlen, weitere Untersuchungen durchführen zu lassen, um mehr über die Bedeutung des Geländes für Brutvögel, Fledermäuse und Zauneidechsen zu erfahren.

Der nördliche Teil des Gründstücks (hier wachsen vor allem Ahorn und Robinie) weise zwar eine deutlich geringere Artenvielfalt und Wertigkeit als der südliche auf. Dennoch vergeben die Experten dem geplanten MUF-Standort insgesamt einen „mittel bis hohen“ Biotopwert. Glücklich wären sie mit einer Bebauung nicht. Die Gutachter schreiben: „Prinzipiell ist die Inanspruchnahme einer gewidmeten Grünanlage für eine Bebauung, besonders in einer wachsenden Stadt wie Berlin kritisch zu hinterfragen. Vielmehr sollten öffentliche Grünflächen gesichert und Baupotentiale auf baulich vorgeprägten Flächen entwickelt werden.“ Bei der Fläche handele es sich immerhin um eine geschützte Grünfläche, die für Stadtklima und Biodiversität „grundlegend eine Bedeutung hat“.

Der Landesbeauftragte für Naturschutz und Landschaftspflege, Bernd Machatzi, wies in einem Schreiben an Umweltstadträtin Maren Schellenberg (Grüne) vom 11. Juli darauf hin, dass Mitarbeiter seines Büros im östlichen Grenzbereich zum Bahngelände „auf einer Länge von circa 100 Metern“ eine Wildbienenkolonie gefunden hätten. Außerdem komme die geschützte Weinbergschnecke „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ auch auf dem Grundstück Dahlemer Weg 247 vor.

Die Frage, bauen oder nicht bauen, spitzt sich zu. Noch steht ein Umwelt-Gutachten aus, das der Senat in Auftrag geben wollte. Wichtig wäre es jetzt, dass sich das Bezirksamt positioniert: Wie geht es mit der neuen Studie um? Wehrt sich der Bezirk gegen die Bebauung an dieser Stelle? Die Bürgerinnen und Bürger, die sich in der BI „Lebenswertes Lichterfelde“ zusammengeschlossen haben, sammeln seit Wochen Geld für ein eventuelles Gerichtsverfahren. Sollte am Dahlemer Weg keine Gemeinschaftsunterkunft entstehen, stünde die nächste Frage im Raum: Welche alternativen Standorte gäbe es, wo sollen die Menschen, die aus Kriegselend und Not nach Deutschland geflohen sind, leben?

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