Namen & Neues

Im dritten Anlauf eröffnet: Die Jugendkunstschule - ein Ort zur freien Entfaltung

Veröffentlicht am 30.08.2018 von Boris Buchholz

„Dieses Haus ist das Haus im Bezirk, das gefühlt am häufigsten eröffnet wurde“, sagte Jugend- und Gesundheitsstadträtin Carolina Böhm (SPD) in ihrer Begrüßung im Theatersaal des Campus Albert Schweitzer am Mittwochnachmittag. In dem Häuserensemble Am Eichgarten 14 haben nicht nur die Jugendkunstschule des Bezirks, sondern auch eine Jugendfreizeiteinrichtung und das Kinder- und Jugendbüro Steglitz-Zehlendorf ihren festen Sitz bezogen. Die Kooperation von freien Trägern der Jugendhilfe, Kunst und Politik für Kinder und Jugendliche sei etwas in Berlin einmaliges, betonte Stadträtin Böhm in ihrer Rede. Besonders sei auch, dass jetzt nach fast drei Jahren Sanierungs- und Bauarbeiten alle Räumlichkeiten endlich fertig und benutzbar seien.

Die Jugendkunstschule ist ein außerschulischer Lernort für kulturelles Lernen: Kinder und Jugendliche können ihre Leidenschaften ausleben, Interessen dürfen ausprobiert (und wieder verworfen) werden, Talente sollen gefördert und entdeckt werden. Möglich macht das das Team der freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund um die beiden Leiter (und dafür teilweise freigestellten Lehrer) Bettina Tscheslog und Henning Harms. Lena Schmidt zum Beispiel leitet als freie Mitarbeiterin die Nähwerkstatt (im Hauptberuf ist sie Studentin der Zahnmedizin). Mit den jüngeren Kindern erstellt sie Sorgenfresser-Puppen und Taschen. Jugendlichen bietet die Näh-Expertin ambitioniertere Projekte an: Warum nicht das Kleid zum Abi-Ball selber nähen? Oder ein eigenes Dirndl entwerfen? Holz, Fotografie, Malerei, Skulpturen, Drucken, Nähen, Arbeit mit Metall, digitale Kunst, Robotik, Theater – alles scheint möglich zu sein.

Das Konzept der Jugendkunstschule ist anspruchsvoll. „Sie habe schon Wunder durch kulturelle Bildung erlebt“, sagte Elvira Berndt, die Vorsitzende des Landesjugendhilfeausschusses, in ihrer Rede zur Eröffnung. Sie mahnte, dass es in der Kunst nicht nur um „schöne Produkte geht, sondern auch darum, den eigenen Platz in der Welt zu finden“. Das sei der Anspruch, an dem sich die Jugendkunstschule in der Praxis messen lassen müsse. Später ergänzte die ehemalige Jugendstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne) diesen Gedanken: Die Jugendkunstschule sei ein Ort, an dem sich Kinder und Jugendliche frei entfalten können sollen. Sie sei wichtig und eine Chance gerade für die jungen Menschen, „die nicht von ihren Eltern in jeden Gitarrenkurs geschubst werden“.

Zur Eröffnung des Campus waren neben Jugendstadträtin Böhm und ihrer Vorgängerin Markl-Vieto auch Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) gekommen. Alle drei waren sich einig: Der Weg, den die Jugendkunstschule bisher zurücklegen musste, war steinig. Christa Markl-Vieto hatte das Projekt in ihrer Amtszeit im Bezirk initiiert – als sie 2011 Stadträtin wurde, war Steglitz-Zehlendorf der einzige der zwölf Bezirke ohne Jugendkunstschule. Das wollte sie ändern; doch mussten zuerst die Verwaltungen überzeugt werden, im Bezirksamt stellte sich der damalige Bürgermeister Norbert Kopp (CDU) gegen das Konzept. Erst nach langem Ringen sei es 2015 gelungen, die Jugendkunstschule zu gründen – im Haus der Jugend Albert Schweitzer, Am Eichgarten 14. Das war die erste Eröffnung.

Wenig später stellte sich heraus, dass das Haus marode war. Im Obergeschoss durften nur Kleingruppen arbeiten, Räume waren nicht zu benutzen, dann diagnostizierte das Bauamt akute Einsturzgefahr. Die Gebäude mussten saniert werden. Die Jugendkunstschule wurde mobil und ging auf Tour: Mit Schulen wurden Projekte entwickelt, mit Kultureinrichtungen in ganz Berlin wurde kooperiert. Im Frühjahr 2018 hätte eigentlich der Startschuss für den Jugend-Kunst-Campus gegeben werden sollen; wegen Krankheit und Bauproblemen musste die zweite Eröffnung verschoben werden. Jetzt, ein halbes Jahr später, wurde der Campus an seine Nutzerinnen und Nutzer übergeben – im dritten Anlauf.

Mehr über die Jugendkunstschule können Sie online erfahren: Der Webauftritt unter youkunst.de ist klar und sehenswert (und sehr gut mit dem Smartphone zu bedienen). Noch ein kleiner Exkurs: Auf der Bühne fragte Carolina Böhm die beiden Schul-Leiter nach ihren künstlerischen Steckenpferden. „Ich schweiße, ich stelle Skulpturen aus Schrott her“, erklärte Bettina Tscheslog. Henning Harms liebt alles Digitale – und Rembrandt. Sie sehen, das kulturelle Feld auf dem Campus Albert Schweitzer ist weit.

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