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341 Argumente gegen die Bebauung? Bürger untersuchten nördlichen Teil des Dahlemer Wegs 247

Veröffentlicht am 06.09.2018 von Boris Buchholz

Die Aktiven von der „Bürgerinitiative Lebenswertes Lichterfelde“ kennen ihre politischen Pappenheimer – und wollen ihnen schnell den Wind aus den Segeln pusten. Der Hintergrund: Auf dem Grundstück Dahlemer Weg 247 plant der Senat eine Flüchtlingsunterkunft. Ende Juli lag das erste amtliche Umweltgutachten zum Bestand und zur Wertigkeit des Areals vor. Auch wenn die Gutachter keine geschützten Pflanzenarten (bei Brutvögeln, Zauneidechsen und Fledermäusen müsste man weitere Untersuchungen in Angriff nehmen) gefunden haben, empfehlen sie, die Fläche nicht zu bebauen. In ihrer Untersuchung wiesen die Experten allerdings darauf hin, dass die nördliche Hälfte des Geländes weniger wertvoll sei als die südliche (hier mein Bericht vom 26. Juli).

Nachtigall, ick hör dir trapsen, dachten sich die engagierten Bürger und ahnten, das sei „ein Grund für die Politiker in Erwägung zu ziehen, diesen nördlichen Bereich zu bebauen“ (so steht es in einer Stellungnahme der Bürgerinitiative). Also machten sich die Bürgerinnen und Bürger auf und zählten und bestimmten die Bäume im vermeintlich minderwertigen nördlichen Gründstücksteil. Insgesamt 341 Bäume, darunter 137 Robinien, 76 Spitzahorne, 61 Bergahorne, 14 Eichen, 8 Erlen und einige Bäume mehr (alle hatten einen Umfang von mehr als achtzig Zentimetern), wurden gezählt. Eine Esche und ein Spitzahorn waren besonders dick: 3,60 Meter maßen die Anwohner als Baumumfang.

„Nach unserer Einschätzung müsste demnach der nördliche Teil sogar höherwertig eingeschätzt werden“, fasst Rainer Marohl von der Bürgerinitiative zusammen. Denn neben den vielen geschützten Bäumen habe er bei seinen Begehungen auch „eine große Population von Weinbergschnecken im nördlichen Teil“ gefunden und „Brutröhren der Wildbienen“ entdeckt. Kurz: Das Grundstück sei zu wertvoll, hier dürfe auch im Norden nichts gebaut werden.

Ortswechsel, Rathaus Zehlendorf, Büro der Bezirksbürgermeisterin: Das Umweltgutachten sei zur Kenntnis genommen und an die planende Senatsverwaltung weitergegeben worden, berichtet Cerstin Richter-Kotowski. „Das Grundstück ist etwa 12.000 Quadratmeter groß, gebraucht werden für die Unterkunft so etwa 6.000“, erklärte sie und bestätigte dann die strategische Einschätzung der Bürger: Sie erwarte vom Senat, „dass die MUFs so platziert werden, dass sie auf den weniger wertvollen Flächen stehen“. Gegen einen freien Süden und einen bebauten Norden würde sich das Bezirksamt wohl nicht wehren.

Um diesen sich anbahnenden Streit zu bestehen, hat die Bürgerinitiative nicht nur Bäume gezählt und nach Tieren gesucht. Sie hat auch mögliche Ersatzstandorte zusammengetragen und veröffentlicht. Das alte Baseballfeld (eine häßliche Brache Am Waldfriedhof Ecke Stewardstraße) könnte doch bebaut werden oder die Ecke von Beeren- und Potsdamer Straße. Auf dem Alten Friedhof Teltower Damm könnten MUFs ebenso gut entstehen wie an der Clayallee zwischen dem Alliiertenmuseum und McDonalds oder südlich unter dem Ernst-Reuter-Sportfeld (an der Ecke von Onkel-Tom- und Sven-Hedin-Straße). Elf konkrete Vorschläge weisen die Bürger aus Zehlendorf-Süd aus. Wert, die Liste zu prüfen (und einzelne Ideen mit guten Argumenten zu streichen), ist sie allemal.

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