Namen & Neues

Übergeben: 493 Unterschriften gegen einen Radweg durch den Lankwitzer Gemeindepark

Veröffentlicht am 06.09.2018 von Boris Buchholz

Der Fernradweg Berlin-Leipzig ist eine schöne Sache, in Lankwitz soll er nach den Planungen von Senat und Bezirk durch den Gemeindepark Lankwitz führen. Sie erinnern sich: Anfang Juni rückte der Bagger an und kratzte Oberboden von einer Wiese des Parks, um Platz für die Radwegtrasse zu machen. 3,20 Meter soll der Radweg breit und 100 Meter lang sein. Dabei wurden Wurzeln einer 80 Jahre alten Linde verletzt. Der Fahrer stoppte das Baugerät; seitdem ruhten die Arbeiten (meinen Bericht können Sie hier nachlesen). Durchatmen bei der Initiative „Your Little Planet“, die sich für den Erhalt der Wiese einsetzt. Nicolas und Kathrin Bramke von der Initiative unternahmen einen weiteren Versuch, die Verantwortlichen von einer alternativen Trassenführung zu überzeugen. Sie begannen, Unterschriften zu sammeln.

Am Mittwochmorgen übergab das Ehepaar Bramke eine Liste mit exakt 493 Unterschriften an Bau- und Umweltstadträtin Maren Schellenberg (Grüne). Die Unterzeichner fordern das Bezirksamt auf, Abstand von weiteren Baumaßnahmen im Park zu nehmen und die Radfahrer über die Mühlenstraße auf die Gallwitzallee zu leiten. „Dann müssten höchstwahrscheinlich Bäume gefällt werden“, „eine Führung über die Kreuzung Mühlenstraße würde Umbaumaßnahmen erfordern“, erklärte Stadträtin Schellenberg ihre Position. Die Fachleute in ihrem Amt hätten die Argumente und Probleme abgewogen, „der Weg durch den Park ist der sicherere“. Denn jetzt würde der Fußweg im Park sowieso schon von Radfahrern unerlaubt mitbenutzt werden, diese gefährliche Situation müsse entspannt werden. Nicolas Bramke konterte, dass der geplante Verlauf des Radwegs vier Mal die Wege von Fußgängern kreuzen würde, unter anderem müssten Besucher einer Senioreneinrichtung den Fernradweg queren. Sie schätze das Engagement der Initiative „Your Little Planet“ sehr, sagte Schellenberg, aber beim Radweg sei man sich schlicht nicht einig.

Das öffentliche Interesse hat allerdings schon etwas gebracht: Das Bezirksamt hat das Verfahren geändert, wie der Radweg gebaut werden soll. „Wir bauen auf der Oberfläche und gehen nicht in den Boden“, teilte Maren Schellenberg mit. Bäume und Untergrund würden dadurch geschont werden. Nicolas Bramke macht sich dennoch um die Bäume sorgen: Wenn die Wiese mit der Asphaltstrecke versiegelt werde, fehle Niederschlag, die „Kronenvitalität“ könnte gefährdet sein. Schon am Montag hatte das Bezirksamt angekündigt, dass der Radweg in den kommenden Tagen weitergebaut werde.

Das wiederum erstaunt – und erzürnt – die Fraktion der Linken in der Bezirksverordnetenversammlung. „Es gibt noch Redebedarf und das Bezirksamt schafft Fakten“, twitterte die Fraktion. Tatsächlich hatten in der letzten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Tiefbau, Landschaftsplanung und Bürgerbeteiligung (was für ein Name) am 21. Juni Bezirksverordnete von Linken und Grünen noch Klärungsbedarf angemeldet. In der ersten Sitzung nach den Sommerferien sollte das Radweg-Thema wieder aufgegriffen werden. Der Linke-Fraktions-Tweet endet mit der Frage: „Das nächste Radwegdesaster in SZ?“

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