Namen & Neues

Eine Ausstellung zum Fünfzigsten: Das Klinikum Benjamin Franklin, das sind die Menschen

Veröffentlicht am 11.10.2018 von Boris Buchholz

Wenn Sie vom Hindenburgdamm das Gebäude des Charité Campus Benjamin Franklin betreten, müssen Sie in der Einganghalle hinter dem Klinikmodell rechts abbiegen. Sie kommen am Kursraum 1 vorbei, laufen am Schild „Chefsekretariat Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie“ vorbei, hinter der Studienzentrale müssen Sie links abbiegen. Erst kommt die Videoabteilung, dann das Filmstudio, dann der Hörsaal West. Jetzt nicht stehenbleiben – das ist die falsche Ausstellung! Wissenschaftliche Poster hängen an der Wand des Ganges: Die „Old Age Psychiatry“ (die „Dementia Prevention Study“ wird vorgestellt), Arbeiten zu „Affective Effects of Migration“ und die Klinik für Gynäkologie und Brustzentrum werden präsentiert. Jetzt noch unter dem Schild zum Schlaflabor durch. Acht Glastüren nachdem Sie das Gebäude betreten haben, sind Sie da: Die Ausstellung „50 Jahre ‚Klinikum Steglitz'“ wurde am Mittwoch eröffnet. Schon der Weg dorthin ist ein informatives und exploratives Abenteuer.

Und so geht es weiter: Mir war unbekannt, dass der Namensgeber des Uni-Klinikums, Benjamin Franklin, Zeitungsverleger war. Die „Pennsylvania Gazette“ war seine Zeitung, sie wurde „durch ihre lebendige und humorvolle Darstellungsweise rasch sehr beliebt“, stand unter der Überschrift „Apropos … Wer war eigentlich Benjamin Franklin?“ zu lesen. Wussten Sie, dass zur Eröffnung des Krankenhauses 1968 keine Assistentinnen und Assistenten sowie keine Studierenden eingeladen waren? Allerdings hatte die Uni- und Klinikumsleitung die Rechnung ohne Jürgen Treulieb gemacht, den zweiten Vorsitzenden des Allgemeinen Studierendenausschusses. Mit Schlips behangen (das war nicht seine übliche Uniform) drängte er Bundesgesundheitsministerin Käte Strobel vom Mikrofon. Er landete in der Zeitung, im Polizeigewahrsam und in der frisch eröffneten Ausstellung.

Unter Überschriften wie „Medizin in Steglitz“, „Kritik am Screen“, „Der Hubschrauber“ und „Große Pläne in der Kritik“ erzählt die von Andreas Jüttemann kuratierte Ausstellung die medizinhistorische Geschichte des Krankenhauses. In einem zweiten Teil, der sogenannten Bürgerausstellung, stehen die Menschen des Benjamin Franklin im Mittelpunkt: Ärzte, Krankenschwestern, Patienten, die Imkerin. „Man darf nie vergessen, dass jeder Mensch wertvoll ist und eine würdevolle Behandlung verdient,“ gibt Bok-Hyon Yum dem Klinikum für die Zukunft mit auf den Weg. Sie stammt aus Südkorea und arbeitete 44 Jahre lang im Steglitzer Krankenhaus. Der Radiomann und Unternehmensberater Stephan Hampe wurde 2011 überfallen und mit schwersten Schädel-Hirn-Verletzungen eingeliefert; er berichtet von einem surrealen Traum, den er im Koma hatte. Und Arzt Oliver Sieben erzählt von seinen Einsätzen als fliegender Notarzt: „Was kommt und und wo es einen hin verschlägt, weiß man nie.“

Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski mag die Geschichte vom beatmeten Pandabären am liebsten (ich habe vor knapp einem Jahr davon erzählt). In ihrem Grußwort stellte sie klar, dass das Benjamin Franklin „für die Menschen in Steglitz-Zehlendorf eine wichtige Rolle spielt“. Deshalb sei klar, dass sich der Bezirk einmische, „wenn jemand an dem Standort herumsägt“. Auf der anderen Seite sieht sie aber auch, dass „damit alles so bleibt, wie es ist, Entwicklungen möglich sein müssen“. Deshalb unterstütze das Bezirksamt auch den Umbau des Hubschrauberlandeplatzes am Teltowkanal. Zuvor hatte sich Karl Max Einhäupl, der Vorstandsvorsitzende der Charité klar zum Standort Steglitz-Zehlendorf bekannt; das Klinikum sei „ein ganz wichtiger Versorgungspunkt für die Menschen“. Er bedankte sich beim Bezirk, der aus Sondermitteln der Bezirksverordnetenversammlung die Ausstellung unterstützt hatte.

Das letzte Wort soll der Kurator der Ausstellung haben. „Vielleicht ist die Ausstellung eine Chance zu zeigen: Das Krankenhaus ist nicht nur das Gebäude.“ Und dann berichtete Andreas Jüttemann, dass sie bei den Recherchen für die Ausstellung die Hausordnung von 1968 entdeckt hätten. Danach sei ein maßvoller Genuss von Alkohol im Krankenhaus „unter ärztlicher Aufsicht“ erlaubt. Es wurde Sekt gereicht.

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