Namen & Neues

Leistet Widerstand: Schülerinnen und Schüler gedenken des Widerstandskämpfers Willi Graf

Veröffentlicht am 18.10.2018 von Boris Buchholz

Im April 1940 sagte Sophie Scholl: „Manchmal graut mir vor dem Krieg, und alle Hoffnung auf eine bessere Zukunft will mir vergehen. […] so lange [die Politik] so verworren ist und böse, ist es feige, sich von ihr abzuwenden.“ Eine Schülerin sagte diese Zeilen am Freitag, 12. Oktober, sie stand auf der Bühne der Schulaula. Ein anderer Schüler stellte Willi Graf dar: „Und heute? Gibt es nicht genügend Anlässe und Situationen, in denen Widerstand geboten wäre, nicht nur von Einzelnen, sondern Vielen?“ Vor einhundert Jahren wurde Willi Graf geboren, vor 75 Jahren, am 12. Oktober 1943, wurde er, das Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, von den Nazis hingerichtet. Vergangene Woche gedachten die Schülerinnen und Schüler, Lehrende und Eltern des Lichterfelder Willi-Graf-Gymnasiums des Namensgebers ihrer Schule.

Die Frage, was alles Widerstand ist, stand im Mittelpunkt der Festveranstaltung, es war ein bewegendes Theater-Musik-Reden-Tanz-Ausstellungs-Ereignis. Unter den Nationalsozialisten konnte es auch ein Akt des Widerstands sein, Swing zu tanzen: Als die „Swingkids“ auf und vor der Aulabühne einige Minuten sehr beeindruckend ihr Können gezeigt hatten, stürmten Ordner mit Hakenkreuzbinde auf die Bühne und nahmen die Tänzer fest. „Der Aufenthalt im Konzentrationslager für diese Jugend muss ein längerer, 2-3 Jahre sein“, wird ein Schreiben Heinrich Himmlers verlesen. Am Ende der Feier verteilten die Schülerinnen und Schüler selbstgebastelte weiße Papierrosen. Die Kunst- und Deutschlehrerin Christina Leuschner sagte, „vielleicht kann die Rose ja daran erinnern, mutig zu sein“.

„Es war uns klar, dass 2018 das Willi-Graf-Jahr würde“, erklärte der Schulleiter Erwin Baumann. Anfang des Jahres begannen 18 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse damit, im Rahmen ihres Profilkurses Politische Weltkunde eine Ausstellung über Willi Graf zu erarbeiten. Neun Monate feilten die Schüler unter der Anleitung von Expertinnen und Experten der Gedenkstätte Deutscher Widerstand an Konzeption, Texten, Bildauswahl und Grafik. An Willi Grafs Todestag wurde die Ausstellung im Foyer eröffnet: Aus welchem Umfeld kam er? Was hat ihn bewogen, Widerstand zu leisten? Was war die Weiße Rose? Wie kam es zur Festnahme und zum Todesurteil? „Die Schülerinnen und Schüler haben das ausgezeichnet gemacht“, loben Katharina Klasen und Sabine Sieg von der Gedenkstätte die Zusammenarbeit. Die Ausstellung sei „schön, modern, anrührend“ geworden.

Gerne können Sie sich die Ausstellung der Schüler anschauen. Schon im Treppenaufgang am Haupteingang begrüßt Sie ein Satz von Willi Graf: „Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung.“ Schulleiter Baumann hat an Besucher nur eine Bitte – melden Sie sich kurz im Sekretariat an. Sie finden das Willi-Graf-Gymnasium, das seit 1990 zum Glück nicht mehr Tannenberg-Schule heißt, im Ostpreußendamm 166.

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