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Seid gesperrt: Chaostage an sechs Grundschulen, weil marode Ersatzbauten nicht mehr benutzt werden können

Veröffentlicht am 18.10.2018 von Boris Buchholz

Die Eltern, Kinder und Lehrer der Käthe-Kruse-Grundschule wollen wissen, wie es weitergeht: Ende September erfuhr die Schulleitung, dass das Hortgebäude, eine Mobile Unterrichtseinheit (MUR) aus den 1970er Jahren, nach den Herbstferien vom Bezirksamt gesperrt werden wird. Der kommende Winter könnte das Dach des behelfsmäßigen Schulbaus zum Einsturz bringen. Untersuchungen an einem baugleichen Gebäude haben gravierende statische Mängel ergeben: Das Dach könnte selbst einer geringen Schneelast nicht gewachsen sein. Am 1. Oktober informierte Bildungsstadtrat Frank Mückisch (CDU) per Brief die Eltern. Da der Platz in der Schule arg knapp ist, können die als Ersatz geplanten Container erst aufgestellt werden, wenn das MUR-Gebäude abgerissen ist, heißt es darin. Bis dahin solle der Schulbetrieb in den „vorhandenen Räumen der Schule“ organisiert werden – oder „andere bezirkliche Einrichtungen“ gewähren dem Schulhort Asyl.

In der Bezirksverordnetenversammlung am Mittwochabend gab der Stadtrat weitere Details preis. Der Hort könnte in die Kronach-Grundschule oder ins Kinder- und Jugendhaus Albrecht Dürer in der Memlingstraße ausgelagert werden, „derzeit laufen Gespräche“. Die Eltern der Grundschule favorisieren die Kooperation mit dem Kinder- und Jugendhaus, aus ihrer Sicht könnten die mehr als 200 Hortkinder dort gut aufgenommen werden. „In der Vergangenheit wurden bereits die grundsätzliche Bereitschaft und der Wunsch einer engeren Kooperation zwischen dem Kinder- und Jugendhaus Albrecht Dürer und der Käthe-Kruse-Grundschule kommuniziert“, schrieb die Elternsprecherin Christine Vondenhoff dem Bildungsstadtrat am 5. Oktober: „Im Namen der Gesamtelternvertretung bitte ich Sie daher, entsprechende Abstimmungen zwischen dem Schulamt und dem Jugendamt des Bezirks Steglitz-Zehlendorf herbeizuführen.“ Um die Situation so bald wie möglich zu entspannen, bat die Elternvertreterin den Stadtrat, „dass der Abriss des EFöB-Gebäudes [das ist der Hort] unverzüglich im November 2018 realisiert wird, damit auf der freiwerdenden Fläche so schnell wie möglich Container aufgestellt werden können.“ Eine Antwort von Stadtrat Mückisch auf das Schreiben der Eltern steht bis heute aus.

In der Sitzung der Bezirksverordneten fragte Jan Kellermann (SPD) nach: Wie schnell würden denn die Container aufgestellt werden? „So schnell wie möglich“, lautete die Antwort des Stadtrats, seine Verwaltung sei „längst in Gesprächen“. Und was heiße das konkret, ließ der Sozialdemokrat nicht locker. Allein die „Erstellung und der Bau der Container dauert drei Monate“, sagte Frank Mückisch nebulös.

Auch an vier weiteren Grundschulen schließt das Bezirksamt Anfang November vorsorglich die seit Jahrzehnten benutzten Provisorien. Betroffen sind die Grundschule an der Bäke, die Mercator-Grundschule, die Giesensdorfer Grundschule und die Alt-Lankwitzer Grundschule. Das MUR der Ludwig-Bechstein-Grundschule ist bereits geschlossen und wird nicht wieder in Betrieb genommen. Das hat deutliche Folgen für die Schulen: Pro MUR gehen vier Klassenräume und Sanitäreinrichtungen verloren. „Es wird voller in den übrigen Räumen der Schulen“, teilweise würden Fachräume zu Klassenzimmern, sagte Bildungsstadtrat Mückisch in der BVV. An allen betroffenen Grundschulen ist unklar, wann sich die Situation wieder entspannen wird. Auf die Fragen, wann die Bauten aus den 70er Jahren abgerissen werden, wann die Ersatz-Container nutzbar sind und wann dann wiederum für diese Provisorien Ersatz geschaffen wird, gibt es seitens des Amts noch keine Antworten.