Namen & Neues

Umgestaltung des Kranoldplatzes in Lichterfelde-Ost

Veröffentlicht am 25.10.2018 von Anett Kirchner

Wie stehen die Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Steglitz-Zehlendorf dazu? „Wir sind weiter an dem Thema dran“, versichert Bernd Steinhoff (Grüne). Für eine Umgestaltung schlägt er beispielsweise vor, den Platz auf eine durchgängige Höhe zu bringen und neu mit Gehwegplatten zu belegen. „Die Straße am südlichen Platzrand soll entfallen und für die Läden dort mehr Platz entstehen“, erklärt er. Der Kranoldplatz werde somit größer, Raum für Bänke und mehr Marktstände entstünden. Er betont, dass der Wochenmarkt auf dem Platz verankert bleibe und während der Umbauphase ohne Einschränkungen stattfinde; jeweils auf einer Platzhälfte und den anliegenden Straßen. „Es wird also jeder Händler immer einen Platz finden“, so Steinhoff.

Er macht auf die „unförmige Gestaltung“ der Kreuzung am Kranoldplatz aufmerksam. Das Leben und die Gesundheit insbesondere der Radler seien hier gefährdet. Die Kreuzung müsse baulich den Fahrspuren entsprechend eng gefasst, entlang des Platzes sollen Radwege geführt werden. „Wir bemühen uns auf Landesebene um Mittel für die Umgestaltung“, erzählt er weiter. Ferner sei aufgrund der Schilderungen der Grünen die Planung für die Sanierung der Königsberger Straße um einen Umbau der Kreuzung Kranoldplatz erweitert worden. Laut Bezirksamt soll die Sanierung der Königsberger Straße voraussichtlich im nächsten Jahr beginnen. Dass in dem Zusammenhang eine konkrete Umgestaltung des Kranoldplatzes angedacht ist, konnte die zuständige Bezirksstadträtin Maren Schellenberg (Grüne) nicht bestätigen.

Die CDU-Fraktion der BVV erklärt: für sie sei das Wichtigste, dass der Kranoldplatz seine Funktion als Marktplatz uneingeschränkt erfülle. Dabei müsse alles zusammenpassen, sagt der Bezirksverordnete Bernhard Lücke (CDU): „Der Markt braucht alle Segmente, auch Kühlware und somit Kühlfahrzeuge. Bewohner, die mangels ÖPNV-Anbindung mit dem Auto ihren Arzt oder die anliegenden Geschäfte aufsuchen, brauchen Parkplätze und die Ferdinandstraße muss für Ver- und Entsorger durchfahrbar sein.“ Seine Fraktion hatte 2015 den Antrag „Kranoldplatz stärken“ in die BVV eingebracht. Darin ging es um die Fortsetzung der Baumreihe der Ferdinandstraße bis zur Lankwitzer Straße. Eine Prüfung des Bezirksamtes ergab seinerzeit, dass dort viele unterirdische Leitungen verlegt sind und oberirdische Schaltkästen stehen.

„Eigentlich spricht alles gegen einen Umbau“, sagt indessen Volker Semler, Fraktionsvorsitzender der SPD. Dieser Meinung seien laut einer Befragung der SPD auch die Geschäftsleute. Deren Kunden parkten gern auf dem Platz, wenn kein Markt sei. Ansonsten schauten die Marktbesucher auch bei Gelegenheit in den Geschäften vorbei. „Am Ende ist es so, dass die Markthändler einen Umbau nicht wollen, weil sie die Umbauphase nicht überstehen würden, denn das kennen sie aus Erfahrung“, erklärt Semler. Als Alternative schlägt er den Platz hinter dem Bahnhof am Jungfernstieg vor. Dort gebe es eine große Aufenthaltsqualität mit Geschäften und Gastronomie. „Wir kennen niemanden, der angesichts der Verkehrskulisse auf dem Kranoldplatz sitzen möchte, auch dann nicht, wenn er umgebaut wäre“, so seine Einschätzung.

Die AfD-Fraktion hält dagegen und sagt, dass der Platz in jedem Fall eine Aufwertung vertragen könnte. Auch wenn der große Wurf zurzeit nicht möglich sei, könne mit wenigen Maßnahmen einiges erreicht werden; Japanische Blütenkirschen wirkten zum Beispiel Wunder. „Dass die Vorschläge der Bürgerinitiative in der Versenkung verschwunden sind, ist genauso verwunderlich, wie das Desinteresse des Bezirksamtes“, erklärt der Fraktionsvorsitzende Peer Döhnert.

Auch die FDP-Fraktion sieht durchaus die Notwendigkeit, sich Gedanken zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität auf dem Platz zu machen; auch zu Nicht-Marktzeiten, erklärt der Fraktionsvorsitzende Kay Heinz Ehrhardt. „Aber der Markt ist ein Alleinstellungsmerkmal, das man nicht gefährden sollte.“ Er könne sich gut vorstellen, Studierende der TU Berlin einzuladen, die im Rahmen ihrer Ausbildung Ideen entwickeln, was machbar ist, um sich davon inspirieren zu lassen. Der Verkehr am Kranoldplatz und dessen Unübersichtlichkeit seien ein Ärgernis. Hier müsse das Bezirksamt zeitnah zusammen mit dem Senat etwas erarbeiten und umsetzen. „Leider hat sich das Bezirksamt mit den bisherigen Anträgen eher überfordert gesehen“, schildert er.

Eine deutliche Aufwertung des Platzes wünscht sich ebenso die Linksfraktion, etwa durch eine Teilentsiegelung der Fläche oder durch Pflanzen von Bäumen. Dabei müsse auch die Verkehrsführung einbezogen werden. „Beispielsweise ist die Radverkehrsführung derzeit gemeingefährlich“, findet Fraktionsvorsitzender Gerald Bader. Er spricht sich für ein Gesamtkonzept aus. Wenn beispielsweise Parkplätze zugunsten von mehr Grün abgebaut würden, dürfe das nicht zur zusätzlichen Belastung der Nebenstraßen führen. „Und es muss ausgeschlossen werden, dass hier einzelne Interessen gegeneinander ausgespielt werden“, ergänzt Bader. Er bedauere, wenn der Erhalt des Wochenmarktes als alleiniges Argument herhalten müsse, während Fragen des fehlenden Grüns, des Verkehrslärms oder der Sicherheit keine Rolle spielten. Nichtsdestotrotz: „Auch wir wünschen den Wochenmarkt an exakt diesem Ort, da er von ganz vielen Menschen sehr gut angenommen wird und den Stadtteil belebt.“