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Sorge um die Kinderrrettungsstelle am Klinikum Benjamin Franklin: Charité prüft Schließung

Veröffentlicht am 31.01.2019 von Boris Buchholz

Es könnte sein, dass schwerkranke Kinder aus dem Südwesten in Zukunft hauptsächlich in den Notaufnahmen des Helios Klinikums Emil von Behring in Zehlendorf und des St. Joseph Krankenhauses behandelt werden. Die Charité prüft derzeit, ob und wie die Kinderrettungsstelle am Benjamin Franklin erhalten werden kann. Gegenüber dem „Berliner Kurier“ sagte Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité: Die Charité sei mit dem Senat „im Gespräch, ob die Fortführung der kinderärztlichen Notfallversorgung an einem Krankenhaus ohne Kinderklinik einerseits erforderlich und andererseits qualitativ noch vertretbar ist. Eine Entscheidung dazu steht aber noch aus.“

Aufgekommen waren die Schließungsgedanken bei einer Veranstaltung, die der CDU-Abgeordnete Adrian Grasse vergangenen Freitag im Klinkum Benjamin Franklin durchgeführt hatte. Dem Tagesspiegel sagte Adrian Grasse, der ärztliche Direktor habe dort die Schließung bereits angekündigt und hätte vor allem wirtschaftliche Gründe geltend gemacht. Einen konkreten Termin habe Ulrich Frei allerdings nicht genannt. Für CDU-Politiker Grasse wären die aus einer Schließung resultierenden längeren Transportzeiten für die Kinder unzumutbar. Auch würde die „Entwicklung in Steglitz-Zehlendorf nicht berücksichtigt“, erklärte der Abgeordnete, „allein in Lichterfelde-Süd entsteht ein neues Wohngebiet für viele tausend Menschen, insbesondere für Familien mit Kindern“.

Die Steglitz-Zehlendorfer Jugend- und Gesundheitsstadträtin Carolina Böhm (SPD) sagte dem Tagesspiegel: „Die Sorgen und Befürchtungen der Eltern im Bezirk nehme ich sehr ernst.“ Es müsse eine „zuverlässige und gut ausgestattete Notfallversorgung für Kinder“ im Bezirk gewährleistet sein. Sie werde sich in den weiteren Gesprächen mit der Charité dafür einsetzen, „den Standort zu qualifizieren, anstatt ihn auszutrocknen“. Sie habe sich auch vor Ort über die Situation informiert.

Die Kinderrettungsstelle zwischen Hindenburgdamm und Teltowkanal hat handfeste Probleme: Die aktuellen Fallzahlen fallen relativ gering aus, gleichzeitig muss aber pädiatrisches Fachpersonal vorgehalten werden. In einem Brief haben sich vor Weihnachten einhundert Kinderärzte der Charité – von Assistenzärzten über Oberärztinnen bis zu Sektionsleitern – an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller gewandt und „Missstände in der Kindernotfallversorgung an der Charité“ aufgezeigt.

Das Schreiben liegt dem Tagesspiegel vor. Zum Standort Campus Benjamin Franklin (CBF) heißt es: „Aufgrund des ausgeprägten Fachkräftemangels in der Medizin ist eine durchgehende Besetzung des Standorts mit pädiatrischen FachärztInnen schon seit Jahren nicht mehr möglich, so dass am CBF oft AssistenzärztInnen ohne neonatologische und intensivmedizinische Erfahrung eingesetzt werden müssen. Für sie gibt es vor Ort weder eine oberärztliche oder fachärztliche pädiatrische Unterstützung noch eine Kinderstation, auf die kritisch kranke Kinder aufgenommen werden könnten, es mangelt sogar an Kinderkrankenschwestern.“

Zugleich führe die Besetzung der Kindernotaufnahme in Steglitz-Zehlendorf zu einer Unterbesetzung und zu massiven Überstunden am Campus Virchow Klinikum (hier gibt es die diversen Kinderkliniken). Im Schnitt kämen fünf bis zehn Patienten ins Benjamin Franklin. Das ärztliche Fazit: Der Regierende Bürgermeister wird aufgefordert, „dem Charité-Vorstand grünes Licht zu geben, die Notfallversorgung für Kinder am Standort CBF auszusetzen“.

In einem Anhang zu dem Schreiben wird argumentiert, dass sich sowohl das Klinikum Emil von Behring als auch das St. Joseph Krankenhaus in einem Radius von sechs Kilometern um das Benjamin Franklin befinden würden, beide Kliniken besser ausgestattet seien und es zudem in Steglitz-Zehlendorf sowohl eine hohe Kinderarztdichte als auch eine Akut-Praxis gäbe, die auch am Wochenende geöffnet hätte. Die Versorgung der Kinder im Südwesten sei sichergestellt.

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