Namen & Neues
Weniger Autos und mehr Solarenergie: Wie die Waldsiedlung klimafreundlich werden kann
Veröffentlicht am 07.03.2019 von Boris Buchholz
Ende Februar fand die Auftaktveranstaltung statt, die Resonanz zeigte: Am Projekt „Klimafreundliche Papageiensiedlung – CO2-neutral 2030“ besteht im Kiez rund um den U-Bahnhof Onkel Toms Hütte reges Interesse. Darüber, wie das Projekt jetzt weiter geht, sprach ich mit der Ko-Vorsitzenden des Vereins Papageiensiedlung, der Autorin und Journalistin Ute Scheub.
Frau Scheub, was war der Anlass für das Projekt? Die Waldsiedlung ist ein Kleinod. Wir haben uns gefragt, wie würden Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Salvisberg die Siedlung heute für die nächsten einhundert Jahre umgestalten und enkeltauglich machen. Zusätzlich motiviert hat uns Greta Thunberg. Die ist so klar im Kopf wie kein Politiker.
Sie wollen die Siedlung klimafreundlich machen … Damit meinen wir nicht nur das Weltklima, sondern auch das soziale Klima unter Nachbarinnen und Nachbarn. Alles ist freiwillig, niemand soll sich unter Zwang fühlen. Das ist der oberste Grundsatz.
Der Verein hat eine Umfrage in der Nachbarschaft durchgeführt. Was sind die wichtigsten Ergebnisse? 79 Prozent der Befragten gefällt die gute Nachbarschaft am meisten in der Siedlung. Das ist ein toller Wert. Ich denke, das ist auch ein Produkt dieser Architektur, weil dir die Raumaufteilung den Kontakt mit den Nachbarn auferlegt – ohne dass es zu eng ist. Es hat uns sehr erstaunt, dass die Autos auf der Straße viele Menschen stören. Offenbar gibt es eine Sehnsucht danach, das zu ändern. Natürlich ist das ein selbst erzeugtes Problem.
Verkehr ist also ein Handlungsbereich, was sind die anderen? Beim Thema Solarenergie können wir relativ schnell Erfolge erzielen. Wir könnten auf unseren fast flachen Dächern noch sehr viel mehr Strom und Wärme erzeugen. Wir haben einen Riesenvorteil, weil die Häuser alle baugleich sind. Nachbarn können sich zusammenschließen und gemeinsam Angebote einholen, vielleicht gibt es dann sogar kleine Rabatte. Auch bei den Gärten ist es möglich, dass wir relativ schnell einiges erreichen. Zum einen gilt es, Bäume nachzupflanzen, denn viele Kiefern sind bei den letzten Stürmen umgefallen. Zum anderen können wir große Mengen Kohlenstoffdioxid einsparen, wenn wir selber Terra preta produzieren, also diese fruchtbare schwarze Erde. Das kann jeder mit seinem Komposthaufen im eigenen Garten machen.
Wie geht das Projekt jetzt konkret weiter? Bei der Auftaktveranstaltung haben wir vier Arbeitsgruppen gebildet; mal sehen, wie sie weiter arbeiten. Am 22. und 23. März führen wir eine Zukunftswerkstatt durch, um unsere gemeinsame Vision und konkrete Vereinbarungen zur Umsetzung zu formulieren. Im Sommer planen wir ein Sommerfest; und im Herbst wollen wir darüber nachdenken, ob wir einen Förderantrag für bestimmte Teilprojekte stellen wollen. Wichtig ist: Es gibt keinen, der sagt, so und so muss es laufen. Es gibt in diesem Sinne keine Leitung. Das ist sehr reizvoll.
Mehr über das Projekt finden Sie auf der Website des Vereins: papageiensiedlung.de