Namen & Neues
Jugend statt Kultur im Alliierten-Kino? Das "Outpost" soll auch langfristig ein Ort für Kunst und Kultur sein
Veröffentlicht am 04.04.2019 von Boris Buchholz
Das ist eine Geschichte, wie sie nur die parlamentarische Demokratie schreiben kann. Die SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung setzte sich in einem Antrag dafür ein, dass im ehemaligen „Outpost“-Kino, zur Zeit wird es vom AlliiertenMuseum genutzt, nach dem Wegzug des Museums nach Tempelhof ein „Jugend-, Freizeit- und Kulturzentrum“ entstehen solle. Der Jugendhilfeausschuss stimmte zu; im Ausschuss für Schule, Bildung und Kultur wurde dreimal vertagt und im Januar einmal entschieden verändert: Die Jugend und die Freizeit flogen raus, CDU und Grüne setzten durch, dass fortan nur noch ein Kulturstandort gefordert wurde (die SPD enthielt sich). Durch den Haushaltsausschuss musste der veränderte Antrag auch noch, er wurde einstimmig verabschiedet (also auch die SPD stimmte zu). Doch im März besannen sich die Sozialdemokraten und zogen den Antrag komplett zurück, schließlich stehe dort nicht mehr das, was sie eigentlich möchten. Kurzerhand übernahmen CDU und Grüne den Antrag – aus dem roten Jugend-Freizeit-Kultur-Ansinnen wurde ein schwarz-grünes Kultur-Begehren. Am 10. April steht der Antrag zur Schlussabstimmung auf dem Programm der Bezirksverordnetenversammlung.
SPD-Kreischef Ruppert Stüwe nennt die Antrags-Kaperung „bedauerlich und kurzsichtig“. Auch Jugendstadträtin Carolina Böhm (SPD) ist enttäuscht. Im Bereich Zehlendorf-Nord herrsche eine „dramatische Unterversorgung bei Jugendangeboten“, es sei eine „grande catastrophe“ hatte sie dem Tagesspiegel schon im Januar gesagt: Steglitz-Zehlendorf liege vierzig Prozent unter dem durchschnittlichen Versorgungswert für Berlin. „Aus Sicht einer Jugendstadträtin wäre dieser spannende Ort ein gutes Signal in die Richtung der nächsten Generation gewesen“, schreibt sie in einer Pressemitteilung. So bleibe „die Verdrossenheit über Jugendliche, die sich wegen mangelnder Alternativen im öffentlichen Raum aufhalten“.
Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) argumentiert für die Kultur: Ein Jugend-Freizeit-Kulturzentrum „war mir zu weit“ gefasst, mit dem „Stichwort Kulturstandort“ sei mehr möglich. Die Jugend sei bei einem Kulturangebot ja nicht ausgeschlossen, aber: „Ich verstehe unter einem Kulturzentrum etwas anderes als unter einem Kulturstandort.“ Was die Zukunft des Outposts aussehen könnte? „Ich kann mir ohne weiteres vorstellen, dass das Outpost wieder ein richtiges Kino wird“, meinte die Bezirksamtschefin.
Wer über die Zukunft des Geländes und der Gebäude des heutigen AlliiertenMuseums nachdenkt, muss Lösungen für zwei Probleme finden: Zum einen steht das Outpost-Kino außen wie innen unter Denkmalschutz. Daher rechnet die Bezirksbürgermeisterin fest damit, dass „das Kino selber ganz sicher im weitesten Sinne ein Kulturstandort bleiben könnte“. Zum anderen sei das zweite Gebäude des Ensembles, die ursprüngliche Bibliothek der US-Amerikaner, heute werden dort die Sonderausstellungen gezeigt, baufällig, es müsste abgerissen und neu gebaut werden. Wenn sie Wünsch-dir-was spielen dürfte, würde sich Cerstin Richter-Kotowski anstelle der Bibliothek einen Neubau mit Galerie vorstellen. Aber: „Ich habe ganz sicher nicht die Möglichkeit, einen Galeriebau zu finanzieren.“
Vielleicht bahnt sich hier allerdings eine Lösung von außen an: Private Geldgeber würden Überlegungen anstellen, an Taylorstraße und Hüttenweg ein Kunsthaus aufzubauen, berichtet die Ratshauschefin. Mehr sagt sie nicht. Ein solches Mäzenentum würde gut zu den Plänen der CDU passen. Am Mangel an Angeboten für Jugendliche in der Region würde ein privates Kunsthaus allerdings kaum etwas ändern.
Es ist gut, dass im Bezirk Ideen für die Nachnutzung des AlliiertenMuseums entwickelt werden; damit zu warten, bis das Museum nach Tempelhof gezogen ist, wäre eine fahrlässige Zeitverschwendung. Denn bis an der Clayallee welche Idee auch immer realisiert werden würde, müssten Konzepte geschrieben, Finanzierungen gesichert und die Eigentumsverhältnisse neu geordnet werden: Gebäude und Grundstück in Dahlem gehören dem Bund, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ist die Ansprechpartnerin. Wann das Museum seine bisherigen Räume verlassen wird, ist weiterhin unklar: Die Pressesprecherin des Museums, Christiana Brennecke, bestätigte auf Nachfrage, dass der Mietvertrag für den neuen Museumsstandort am ehemaligen Flughafen Tempelhof noch immer nicht unterschrieben sei. Sie zeigt sich jedoch zuversichtlich: „Die großen Fragen sind geklärt, aber die ein oder andere Detailfrage muss noch verhandelt werden“. – Boris Buchholz
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