Namen & Neues

Behördenposse: Mieter sollen ausziehen, ohne noch wohnhaft zu sein

Veröffentlicht am 25.04.2019 von Felix Lorber

Eine seltsam anmutenden Vorgang beschrieben in der vergangenen Woche meine Kollegen Birgit Bürkner und Floran Kistler auf bild.de. Das ehemalige Schwesternwohnheim in der Waltraudstraße 45 in Dahlem ist bereits seit langer Zeit marode. Ein Brand vor zweieinhalb Jahren hat den Großteil der Wohnungen unbewohnbar gemacht. Nebenan baut der Investor Stephan Allner bereits neue Wohnsiedlungen, auch auf dem Gelände des ehemaligen Wohnheims sollen Neubauten folgen.

So vermuteten die noch verbliebenen Anwohnerinnen und Anwohner neue „Mietschikanen“, als sie in der vergangenen Woche mittels eins Briefes des Bezirksamtes zur Ummeldung aufgefordert wurden. Noch elf Mieter wohnen bis heute in dem 1968 erbauten ehemaligen Wohnheim für Krankenschwestern. Dem Wortlaut des Schreibens war zu entnehmen, dass die angeschriebenen Personen, nicht mehr wohnhaft seien, ohne sich jedoch umgemeldet zu haben. Die noch wohnhaften Mieterinnen und Mieter weigern sich zu größeren Teilen, ihre Wohnungen zu verlassen, auch wenn Allner ankündigte, sie beim Umzug finanziell zu unterstützen. Dies war auch den bereits ausgezogenen Mietparteien zugute gekommen.

Tatsächlich klärte sich der vorliegende Irrtum jedoch schnell auf: Nicht der Investor hatte die Briefe verschickt, sondern der Stadtrat für Bürgerdienste und stellvertretende Bezirksbürgermeister Michael Karnetzki (SPD). Dieser wollte prüfen, welche Personen tatsächlich noch in der Waltraudstraße 45 wohnhaft seien, da noch 45 Personen polizeilich gemeldet sind. „Die Mieter sind also gar nicht die eigentlichen Adressaten, sondern diejenigen, die nicht mehr dort wohnen, bei denen das Schreiben als unzustellbar zurückkommt“, erklärte Karnetzki gegenüber bild.de.

Für die verbleibenden Mietparteien dürfte die Entspannung jedoch nur kurzzeitig währen: der Antrag Stephan Allners für eine Bau-Ausnahmegenehmigung liegt beim Berliner Senat vor und wird geprüft.

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