Namen & Neues
Ehrenschülerschaft für den Schoko-Piloten: Gail S. Halvorsen wurde an "seiner" Schule bejubelt
Veröffentlicht am 16.05.2019 von Boris Buchholz
Er betrat die Turnhalle wie ein Filmstar, bejubelt von über 400 Schülerinnen und Schülern. Man wollte ihn sehen, ihn berühren, ihn feiern. Der 98-jährige Gail S. Halvorsen, ehemaliger Luftbrücken-Pilot und Erfinder der Schokoladen-Fallschirme, genoss den Auftritt in „seiner“ Schule am Montagmorgen sichtlich.“I’m glad to be back“, sagte er. Er habe sich in seinem Leben immer gefragt, „what can I do to help you“, berichtete er der jungen Zuhörerschaft. Um Erfüllung im Leben zu erreichen, müsse man anderen helfen, man müsse danach streben, „die Welt besser zu machen“. Die Schüler der Dahlemer Gail S. Halvorsen Sekundarschule klatschten begeistert.
Nicht nur die Schulgemeinschaft war erschienen, um den Schoko-Piloten („I dropped many, many pounds“) zu feiern. Jürgen Lillteicher, der Direktor des AlliiertenMuseums, rief die Jugendlichen dazu auf, „die Luftbrücke auch heute mit Leben zu füllen“: „Fahrt nach England, nach Frankreich, in die USA.“ Winfried Polte von CARE Deutschland erinnerte an die „unglaubliche Solidarität“ während der Luftbrücke. Schulstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD) stellte fest, dass „in Berlin Geschichte immer sichtbar ist“. Gail Halvorsen sei ein „Mann, der an einem kritischen Zeitpunkt der Geschichte Großartiges geleistet und viel riskiert hat“, sagte sie.
Er habe sogar die Regeln gebrochen, erinnerte David Mees, der Kulturattaché der US-Botschaft. Denn seine Vorgesetzten hätten Gail Halvorsen zunächst verboten, seine Schokoladen-Fallschirme beim Landeanflug aus dem Cockpitfenster zu werfen. Er tat es trotzdem. „Sometimes we have to break the rules“, sagte Mees, manchmal müsse man die Regeln brechen „und an die Kinder denken“. Und: „We have to believe in change.“ Es wäre so einfach gewesen, in den Deutschen einfach nur Feinde zu sehen.
„Frieden und Freiheit sollten wir niemals in dieser Stadt als selbstverständlich annehmen“, erklärte Schulleiterin Kathrin Röschel. Man müsse für beides immer wieder streiten. Auch Ungehorsam sei dafür manchmal angemessen, sagte sie, und sprach die „Fridays for Future“-Bewegung an: „Ihr habt uns etwas zu sagen.“
Auch Gail S. Halvorsen hatte noch ein Anliegen an die Schülerinnen und Schüler: „Lernt was Ihr könnt, Ihr seid die Zukunft.“ Dann grinste er: „And what’s next on the programme?“ Großer Applaus brandete auf, stehende Ovationen. Die Schüler der elften Klasse verliehen dem Luftbrückenpiloten die Ehrenschülerwürde – samt blauer Robe, Hut und gelbem Schal. Als der Chor der Schüler die Freiheits-Hymne von Marius Müller-Westernhagen sangen, stimmte die ganze Turnhalle in den Refrain ein, Arme erhoben: „Freiheit, Freiheit, ist das einzige, was zählt.“ – Boris Buchholz
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