Namen & Neues

Sorge um den Kranoldplatz: Harald Huth kaufte auf

Veröffentlicht am 16.05.2019 von Boris Buchholz

„Wir sind neuer Besitzer des Kranoldplatzes“, teilte die HGHI Holding GmbH des Investors und Shopping-Mall-Entwicklers Harald Huth im Februar 2018 mit breiter Brust mit. Das stimmt zwar nicht in Gänze, doch gehören Huth aktuell vier Großobjekte rund um den Platz in Lichterfelde-Ost:

  • Kranoldplatz 3-6 (das „Stellwerk“-Gebäude direkt an den S-Bahn-Gleisen),
  • Lankwitzer Straße 25-26 (die Ladenzeile mit Wohnungen und Gewerbe daneben),
  • der Ferdinandmarkt in der Ferdinandstraße 31-35 und
  • das Einkaufszentrum „LIO“ in der Lankwitzer Straße 19.

2019: Händler klagen über „massive Mieterhöhungen“. Die Ballung von Markt- und Vermietermacht sorgt – erstaunlicherweise die FDP. Sie sei am Europa-Wahlkampfstand am Kranoldplatz von Gewerbetreibenden über „massive Mieterhöhungen“ informiert worden, berichtete die liberale Bezirksverordnete Mathia Specht-Habbel in der BVV: „Viele Menschen haben Angst um ihre Läden.“ Sie spricht von einer bedrohlichen „Umsatzabschöpfung“ und einer „Monopolbildung“. Was gehe da vor?

Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) brach in ihrer Replik einerseits eine Lanze für die freie Marktwirtschaft – und gab der Wirtschaftspartei FDP großmütig Nachhilfe: Verhandlungen bei Gewerbemieten seien frei, der Wettbewerb gehöre zur Marktwirtschaft dazu. Umbrüche und neue Besitzer seien nicht per se schlecht, „es kann ja auch positive Veränderungen geben“. Auf der anderen Seite sind auch der Bezirksbürgermeisterin die Entwicklungen nicht ganz geheuer: „Mir ist die Unruhe in dem Bereich bekannt“, sagte sie. „Generell“ wünsche sie sich in den Zentren des Bezirks eine „Durchmischung“ von kleinen Läden, Ketten und großen Anbietern. Ob der „soziale Frieden“ durch das Gebaren von Harald Huths Firma gefährdet sei oder gar „das bewährte Zentrum Lichterfelde-Ost zerstört“ werde (das befürchteten zwei Rednerinnen der SPD), konnte sie nicht bestätigen. Allerdings wisse sie nicht, was der Investor plane, gab Cerstin Richter-Kotowski zu Protokoll. Deshalb habe sie Harald Huth (oder Teile seines Managements) zum Gespräch ins Rathaus geladen; das Treffen solle „in Kürze“ stattfinden. – Boris Buchholz
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Dem „Schloss“ verpasste er Stuck und Säulen, bei der Mall of Berlin mussten Jeansläden oben einziehen. Harald Huth über seine Shoppingcenter und schlaflose Nächte. Hier das Tagesspiegel-Interview.

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