Namen & Neues

Anwohner wollen um Kranoldplatz kämpfen

Veröffentlicht am 11.07.2019 von Felix Lorber

Mein Kollege Boris Buchholz hatte bereits mehrfach über die Aufregung rund um den Kranoldplatz in Lichterfelde-Ost berichtet, nun wird sie greifbar. In Form eines ersten Runden Tisches haben sich Anwohner und Gewerbetreibende zusammengefunden, um ihre Sorgen auszutauschen – und nach Lösungen zu suchen.

Die Immobilienholding HGHI des Investors Harald Huth besitzt mit dem „Stellwerk“-Gebäude an der S-Bahnstation (Kranoldplatz 3-6), dem Ferdinandmarkt in der Ferdinandstraße 31-35 und der Ladenzeile mit Wohnungen und Gewerbeflächen in der Lankwitzer Straße 25-26 mehrere Großobjekte am Kranoldplatz. Das verleitete die HGHI dazu, sich nach den Käufen Anfang vergangenen Jahres in einer Pressemitteilung als „neuer Besitzer des Kranoldplatzes“ auszurufen. Nicht zuletzt diese Äußerung machte viele Anwohner wütend, heute sehen manche Huth als „Monopolisten“ und seine Investitionen als ernste Gefahr für den Kiez.

Man wolle hier „kein Tribunal gegen Herrn Huth führen“, erklärt der Organisator des Runden Tisches, Rainer Frohloff, der sich als Geschäftsführender Gesellschafter des WebKiez Lichterfelde-Lankwitz für seinen Kiez und den Einzelhandel engagiert. Die Sorgen der anwesenden Anwohner sind dann aber doch gewaltig. Das Geschäftsgebaren Huths würde darauf abzielen, weitere Flächen zu erwerben, so der Tenor. Viele sehen darin eine Gefahr für die Lebendigkeit des Kiezes. Einzelhändler würden vertrieben und die Neuvermietung zu deutlich höheren Kosten erzielt. Darunter seien auch Neuansiedlungen wie Imbisse oder eine Nachtbar, die die Lärmbelastung erhöhten und die Klientel im Kiez veränderten. „Die Lebensqualität hat gelitten“, befindet ein lokaler Musikhändler.

Während es über die genauen Mieterhöhungen für Gewerbeflächen noch unterschiedliche Auskünfte gibt – manche sprechen von 100 Prozent, andere von weniger – stoßen bestimmte Praktiken auf. So berichten Anwohner, dass der Mietraum bei Neuverträgen erhöht worden sei. Auch würde eine Umsatzbeteiligung vonseiten des Vermieters gefordert. Präziser wollen viele zunächst aber nicht werden. Die meisten haben über die Verträge von anderen gehört.

Neben der Mietsorge beklagen die Anwohner vor allem die fehlende Informationspolitik. Die Nachbarschaft erfahre vieles aus der Presse. Man fühle sich nicht ernstgenommen: „Für Herrn Huth sind wir Peanuts“, glaubt eine Anwohnerin. Gerade das will man nun ändern und vertraut hier auch auf die Öffentlichkeit. Über die mediale Berichterstattung und lokale Aushänge in den Geschäften wolle man auf die Situation aufmerksam machen, lautet ein Fazit des Tisches: „Wir wollen zeigen, dass wir da sind.“ Auch müssten die Anliegen auf eine politische Ebene gehoben werden. Dazu sei möglicherweise eine überparteiliche Kooperation notwendig, wie Frohloff erklärt. Damit griff er die Bekundungen der anwesenden Bezirksverordneten Bernhard Lücke (CDU), Carolyn Macmillan (SPD) und Mathia Specht-Habbel (FDP) auf, die ähnliches gefordert hatten. Die Runden Tische sollen darüber hinaus fortgesetzt werden. Allein bei diesem ersten schien die Zeit zu knapp.

Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) reagierte nun auch und hat für den 18. September eine Infoveranstaltung angekündigt. In der letzten Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im Juni hatte sie noch verhalten auf die wahrgenommene Gefahr des Kranoldplatzes geantwortet. Neben dem schon gehörten Verweis auf die Marktwirtschaft, die den Eigentümern Freiheit in ihrem Erwerb erlaube, betonte sie abschließend, jede und jeder könne selbst einen Anteil am Einzelhandel leisten – dafür bestellten aber zu viele Menschen im Internet. Eine Argumentation, die auch Huth schon geteilt hatte. Dieser wollte trotz Einladung übrigens nicht am Runden Tisch teilnehmen, wünschte nach Aussagen von Frohloff aber im Vorhinein „viel Erfolg“.

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