Namen & Neues

Staub und Leere: Kein Plan für leerstehendes ehemaliges Hotel Unter den Eichen

Veröffentlicht am 01.08.2019 von Boris Buchholz

Staub und Leere. Warum steht dieses Berliner Hotel so lange schon leer? „Das 3-Sterne Residenz 2000 Hotel Berlin ist ein elegantes Hotel, das eine Sonnenterrasse und einen Patio bietet.“ Und weiter kann man auf der Website hotel-in-berlin.org lesen: „Jeden Morgen wird ein reichhaltiges Buffet-Frühstück geboten.“ Schwer zu glauben, wenn man durch die Fenster im Erdgeschoss in das Innere des Gebäudes Unter den Eichen 96 an der Ecke zur Drakestraße blickt: Leere und Staub starren zurück. Seit 2016 steht das Hotel „Residenz 2000“ leer. Damals verkaufte die Immobilienfirma Wert Estate das Gebäude an einen Investor aus Luxemburg; das Hotel wurde geschlossen. Gekauft worden sei es von einer Firma, die extra für den Deal gegründet worden sei, erfahre ich aus Insiderkreisen. Wer wirklich der oder die Besitzer der Immobilie sei, bleibe unklar.

Ebenso unsicher ist, was der „neue“ Besitzer mit dem Haus in prominenter Lage vorhat. „Es existieren Pläne für den Umbau zu studentischem Wohnen, die aber bis heute nicht umgesetzt wurden“, antwortete letztes Jahr Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) auf eine Anfrage des Linken-Bezirksverordneten Hans-Walter Krause. Das letzte Mal Kontakt mit dem Eigentümer habe das Amt „zuletzt vor ein bis zwei Jahren“ gehabt, hieß es damals.

Auf Nachfrage erklärte Marcel Mattick, einer der Sprecher des Bezirksamts, dass die Verwaltung auch aktuell von keinen Planungen des Besitzers wisse: „Es liegt dem Bezirksamt nichts vor.“ Weder sei ein Abriss, eine Umnutzung oder ein Umbau beantragt worden. Da es sich bei dem Gebäude um ein ehemaliges Hotel und kein Wohnhaus handele, „liegt hier keine Zweckentfremdung von Wohnraum vor“, das Amt könne nicht eingreifen. Sprecher Mattick stellt jedoch klar: „Das Bezirksamt bewertet den Leerstand und die aktuelle Situation als höchst unbefriedigend.“

Mehrere Newsletter-Leser hatten mich in den vergangenen Wochen wegen des ehemaligen Hotels angeschrieben. Für Leser F. ist das leere Haus ein „Ärgernis“, das „angesichts der Wohnungsknappheit in der Stadt“ immer größer werde. Ein anderer Leser hatte folgenden Vorschlag: „Vielleicht kann man ja auf die Flüchtlingsunterkunft am Dahlemer Weg verzichten und dieses Haus nutzen.“

Sind Ihnen noch weitere seit Jahren leerstehende Häuser aufgefallen? Das im Bezirk prominenteste Beispiel dürfte das alte Anatomie-Institut in Dahlem in der Königin-Luise-Straße sein. Es gehört Aldi – und verfällt. Schreiben Sie mir an boris.buchholz@tagesspiegel.de. – Boris Buchholz

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Diesen Text haben wir als Leseprobe dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf entnommen. Den Newsletter, den Ihnen Boris Buchholz einmal pro Woche schickt, können Sie ganz unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de.

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