Namen & Neues

Solaranlagen auf fünf Schuldächer: Der Südwesten hat Nachholbedarf

Veröffentlicht am 08.08.2019 von Boris Buchholz

Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg, Tempelhof-Schöneberg – und in diesem Jahr auch Steglitz-Zehlendorf: Aktuell verhandelt das Bezirksamt mit den Berliner Stadtwerken; auf fünf Schuldächern könnten die stadteigene Stromfirma Photovoltaikanlagen errichten. Die Dächer befänden sich „in der näheren Prüfung“, teilte Bau- und Umweltstadträtin Maren Schellenberg (Grüne) dem Tagesspiegel mit. Um welche Schulgebäude es sich handelt, wollte die Stadträtin nicht verraten. „Ich hoffe, dass Verträge noch in diesem Jahr abgeschlossen werden können.“

Der Deal mit den Stadtwerken könnte folgender sein: Das Bezirksamt verpachtet für einen symbolischen Preis Dächer an die Energieexperten. Die Stadtwerke errichten dann auf eigene Rechnung je eine Solaranlage und sind auch für deren Wartung zuständig. „Der Bezirk pachtet die Anlagen zurück und kann somit auf eigene Rechnung Strom erzeugen“, erklärt Stadträtin Schellenberg. Der Bezirk würde CO2 einsparen, die Klimabilanz der Gebäude würde verbessert und der selbst erzeugte Sonnenstrom würde längerfristig für eine Entlastung des Bezirkshaushalts sorgen. Stephan Natz, der Sprecher der Stadtwerke, erläutert, dass die Anlagen so bemessen würden, „dass zwischen 83 und 97 Prozent des erzeugten Stroms auch in dem Gebäude verbraucht wird“. Maren Schellenberg geht von einer Laufzeit der Verträge von 18 Jahren aus.

Wie groß die Leistungen der Südwest-Anlagen sein werden, ist noch nicht klar. Insgesamt haben die Stadtwerke bisher mit drei Bezirken Verträge für Sonnenkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1,05 Megawatt peak (so viel Strom könnte unter Standardbedingungen maximal erzeugt werden) auf 19 Dächern abgeschlossen. Würde man die PV-Module aller 19 Anlagen nebeneinander legen, käme man bisher auf eine Modulfläche von 8.500 Quadratmetern.

Bisher seien schon auf zwei Schulen (Erich-Kästner-Grundschule, 43 Kilowatt peak; Mühlenau-Grundschule, 30 Kilowatt peak), einer Turnhalle (Lippstädter Straße, 40 Kilowatt peak) und dem Kita Reha-Zentrum (30 Kilowatt peak) Solaranlagen installiert, teilt das Amt mit. In der Regel werden diese Anlagen jedoch von privaten Firmen betrieben. Lediglich auf dem Dach des Rathauses Zehlendorfs erzeugt das Bezirksamt in eigener Regie Energie: 2018 wurde die alte und zwischenzeitlich stillgelegte Photovoltaik-Anlage wieder in Betrieb genommen, sie hat eine Nennleistung von 15 Kilowatt. Warmwasser wird übrigens auf fünf weiteren Bezirks-Dächern durch Sonnenstrahlen erzeugt (Solarthermie). Auch andere moderne Energiequellen werden im Bezirk genutzt: Auf dem Friedhof Bergstraße und in der Wilma-Rudolph-Schule kommen Luft-Wärmepumpen zum Einsatz, auf dem Waldfriedhof Zehlendorf sorgt in einer Personalunterkunft eine Brennstoffzelle für Strom und Warmwasser.

Umweltstadträtin Schellenberg sieht für Solarstrom „durchaus noch weiteres Potienzial auf öffentlichen Dächern in Steglitz-Zehlendorf“. Allerdings würden der Denkmalschutz, zu kleine Flächen, mangelnde Statik und geplante Dachsanierungen die Auswahl geeigneter Flächen einschränken. Doch wenn neu gebaut werde, dann sei Photovoltaik ein Muss: „Bei einem Neubau des Rathauses wird die Frage des Einsatzes erneuerbarer Energien eine große Rolle spielen“, sagt Schellenberg. Man wolle eine Vorbildfunktion wahrnehmen. Auch beim Neubau der Sporthalle des Arndt-Gymnasiums, „welcher ansteht, wird eine Solaranlage berücksichtigt“.

Vielleicht werden die 2020er Jahre zur Solar-Hochzeit im Südwesten. Denn in den vergangenen Jahren war in der Verwaltung Steglitz-Zehlendorfs von einer Solar-Euphorie wenig zu spüren. Das ergeben Antworten auf Anfragen der Abgeordneten Michael Efler und Harald Wolf (beide Linke) aus den Jahren 2018 und 2019. So stammt die jüngste Anlage auf einem Bezirksdach in Steglitz-Zehlendorf aus dem Jahr 2009 – und dann ist zehn Jahre lang nichts mehr passiert. Lediglich die Reparatur der alten Anlage auf dem Zehlendorfer Rathausdach wurde 2018 vorgenommen. Doch hätte mehr möglich sein können. Zum Beispiel 2017: In diesem Jahr wurde ein Gebäude in Bezirksregie neu gebaut, fünf Dachsanierungen wurden abgeschlossen. „Eine Installation von Anlagen zur Nutzung solarer Strahlungsenergie erfolgte nicht“, teilte der Senat den Abgeordneten im September 2018 jedoch mit. Neben „Wirtschaftlichkeitserwägungen“ hatte das Bezirksamt folgende Begründung angeführt: „Darüber hinaus gibt es einen Beschluss des Bezirksamtes, keine Bestandsdächer oder sanierten Dachflächen für solche Anlagen zu nutzen.“

2019 hat das Bezirksamt diesen Beschluss anscheinend aufgehoben. Im Juli hakte der Abgeordnete Michael Efler nach und wollte wissen, ob das Bezirksamt seinen Beschluss „angesichts der Klimakrise für zeitgemäß sowie für kompatibel mit dem Energiewendegesetz“ hält. Das Bezirksamt antwortete mit einem klaren „Nein“. Und es verspricht: „Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf wird bei allen Gebäuden prüfen, inwieweit diese für die Installation von Solaranlagen geeignet sind.“ Es wird Zeit. Übrigens wurde die Anlage auf dem Dach des Rathauses Zehlendorf bereits im Jahr 1996 errichtet – es waren wohl wahre Vordenker, die damals aktiv waren.

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