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Gutzmannstraße / Leo-Baeck-Straße: Hier setzt sich der Stärkere durch - immer noch

Veröffentlicht am 05.09.2019 von Boris Buchholz

Autos auf dem Bürgersteig, Lkw auf Gehweg. Hier setzt sich der Stärkere durch – immer noch. Seit fast zwei Jahren hat sich hier im Berliner Südwesten anscheinend nichts verbessert: Kurz vor dem Weihnachtsfest 2017 froren Anwohner der Straßenzugs Gutzmannstraße / Leo-Baeck-Straße, Lokalpolitiker, Pressevertreter und ein Polizist am Straßenrand und beobachteten, wie sich der Auto- und LKW-Verkehr durch die kleine Straße zwängte. Immer wieder würden Autos auf den Gehweg ausweichen, sich zwischen den installierten Pollern durchzwängen und Schulkinder, ältere Passanten und Radfahrer in Gefahr bringen, berichteten damals die Anwohner – meinen Bericht finden Sie hier.

Hier fährt ein Auto einfach mal schnell über den Bürgersteig, weil der Fahrer hinter der BSR nicht warten will.

September 2019: Am Dienstag wandte sich die „Interessengemeinschaft Wohnen und Sicherheit, Gutzmann-und Leo-Baeck-Straße“ an Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) und Baustadträtin Maren Schellenberg (Grüne) – und brachten die gleichen Probleme wieder vor. Der 37-seitige Brief besteht hauptsächlich aus Fotos: Aufnahmen von Autos und Lastwagen, die über die Gehwege fahren. Freie Fahrt für PS-bewehrte Bürger, in dieser Zehlendorfer Straße setzt sich der Stärkere durch.

In ihrem Schreiben erheben die Bürgerinnen und Bürger vier konkrete Forderungen: Zum einen müsste die Fahrbahn mit Tempo-30-Zeichen versehen werden – das Tempolimit müsse so auffällig wie möglich propagiert werden. Zum zweiten müsse „unverzüglich“ eine „gegenläufigen Einbahnstraßenregelung“ eingerichtet werden. Im Klartext: Weder vom Teltower Damm noch von der Machnower Straße soll fortan die Einfahrt in den Straßenzug erlaubt sein, zumindest in der Zeit zwischen 6 und 20 Uhr. Dadurch solle „Durchgangs- beziehungsweise Schleichverkehr unterbunden“ werden, so die Bürger. Zum dritten soll ein Durchfahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen Gewicht ausgesprochen werden. Und viertens soll rund um das Helios Klinikum Emil von Behring eine Bewohnerparkzone eingerichtet werden.

Die Argumentation der Anwohner ist eingängig: Kinder sowohl der Schweizerhof- und der Süd-Grundschule sowie der Emil-Molt-Schule nutzen die Gutzmann- und Leo-Baeck-Straße als Schulweg. Am Straßenzug gibt es eine Kita, Kirchengemeinden und ein Seniorenheim. Weder Halteverbotszonen noch Poller haben das Wildwest-Verhalten der Auto- und Lastwagenfahrer in den letzten zwei Jahren verändert.

Verwaltung, Polizei und Politik müssen stärkere Maßnahmen ergreifen. Es ist Zeit, resolut zu sein und die schwächeren Verkehrsteilnehmer zu schützen. Entschlossen wirken auf jeden Fall die Aktiven der Bürger-Initiative: „Unverzüglich erwarten wir die Umsetzung der Verkehrssicherungs- und Schulwegsicherungsmaßnahmen sowie die Überwachung der Einhaltung der StVO.“ Dass die Bürger darauf hinweisen müssen, ist ein Armutszeugnis für die Stadt. Sollte weiter nichts passieren, drohen die Anwohner mit rechtlichen Schritten: „Sollten sich auch künftig Gefahren realisieren, dürfen die zuständigen Sachbearbeiter und deren Vorgesetzte des BA Steglitz-Zehlendorf Amtshaftungsansprüche der Geschädigten erwarten.“ – Text: Boris Buchholz
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Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf entnommen. Den kompletten Newsletter für den Südwesten Berlins (mit Kiez-Debatten, Tipps und Terminen) gibt es unkompliziert und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de.

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