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Das Ende des Ferdinandmarkts: Investor Huth setzt am Kranoldplatz auf Büroflächen

Veröffentlicht am 19.09.2019 von Boris Buchholz

Die Tage des Ferdinandmarkts, dem mit einem Glasdach überdachten Einkaufskarrée am Kranoldplatz in Lichterfelde-Ost, könnten gezählt sein. Bei einer Informationsveranstaltung des Bezirksamts am Mittwochabend berichtete Harald Huth, Immobilien-Investor und Besitzer des Ferdinandmarktes, dass er das Glasdach über dem überdachten Vorhof abreißen und die Fläche mit Gewerbe-, Praxis- und Büroräumen bebauen wolle – etwa 500 Quadratmeter sollen gewonnen werden. Schon vor einiger Zeit habe er eine Bauvoranfrage beim Bezirksamt eingereicht; sie sei positiv beschieden worden.

Er habe erfahren wollen, ob „es möglich ist, die Glasüberdachung zu schließen und zu bebauen“, sagte Huth in der überfüllten Aula der Grundschule unter den Kastanien. Das sei noch keine Baugenehmigung, stellte er klar. Doch plane er, den „Ferdinandmarkt aufzugeben“: Die Gewerbetreibenden würden zu wenig Umsatz machen, die Besucherfrequenz sei zu niedrig, argumentierte er. „Sie müssen mir zubilligen, dass ich auf meinem Grundstück prüfe, wie ich meine Immobilie verbessern kann.“

Seit Anfang 2018 gehören Huths Holding High Gain Houses Investments GmbH, kurz HGHI, sowohl das Gebäude des Ferdinandmarkts (Ferdinandstraße 31–35) als auch das Stellwerk-Gebäude und die Wohn- und Ladenzeile auf der Bahnhofsseite des Kranoldplatzes (einen ausführlichen Bericht meines Kollegen Christoph Stollowskys zu den steigenden Ladenmieten und zur aktuellen Lage am Platz können Sie online auf tagesspiegel.de lesen).

Die Ankündigung des Investors sorgte für Unverständnis im Publikum. „Herr Huth hat kein Interesse am Ferdinandmarkt“, krisitierte Jutta Goedicke, die Vorsitzende des Vereins „Mein LiLa“, sie betreibt in der Ferdinandstraße einen Spielzeugladen. Es werde „etwas Wertvolles“ zerstört. Denn der überdachte Ferdinandmarkt sei nicht nur Heimat für Markthändler, sondern biete auch Platz für Trödelmärkte, den etablierten Babybasar und die erfolgreich durchgeführte Open-Air-Kinderbuchmesse. Auch der Gewerbetreibender Rainer Frohloff machte seinem Unmut Luft: „Der Ferdinandmarkt gehört zum Ensemble dazu!“ Wozu müssten noch mehr Gewerbeflächen geschaffen werden, „es stehen doch schon Läden leer“.

Tatsächlich gähnen dort, wo einst Vodafone Telefone sowie Verträge und Kräuter-Kühne Gewürze verkauften, Lücken in der Ladenzeile. Auch das einstige Restaurant „Stellwerk“ steht leer – allerdings bereits seit 2017, schon bevor Harald Huth das denkmalgeschützte Gebäude erwarb. Aktuell baue er das „Stellwerk“ zu Büroflächen um, erklärte er am Mittwochabend.

Büroflächen – hier sieht Huth das größte Entwicklungspotenzial. Während Ladenflächen schwierig zu bewirtschaften seien, seien Büroräume gefragt, viele Firmen würden aus der Innenstadt wegziehen und suchten einen neuen Standort. Der Kranoldplatz sei gut angebunden, der große Wochenmarkt auf dem Platz belebe den Kiez, Lichterfelde-Ost sei attraktiv. „Die Wahrheit ist: Es gibt steigende Büromieten“, sagte der Immobilien-Besitzer, „Büroflächen sind rar“. Berlin sei jetzt „en vogue, wir sollten alle happy sein“. Er wolle nicht mehr Läden schaffen, die leer stehen, sondern im Gebäude des Ferdinandmarkts eine „andere Flächenkonfiguration“ ermöglichen. Im Klartext: Die großen Mieter wie die Textilkette KiK und die Bio Company sollen mehr Platz erhalten, aus der Tiefe des Gebäudes an die Straße rücken und sichtbarer werden.

Für Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU), die zu dem Informationsabend geladen hatte, ist klar: „Die Lebendigkeit und Kleinteiligkeit um den Kranoldmarkt herum muss erhalten bleiben.“ Aber: Der Ferdinandmarkt sei eine private Fläche. Sie könne nur helfen, den dortigen Händlern eine Perspektive auf dem vom Rathaus betriebenen Wochenmarkt auf dem Kranoldplatz anzubieten. „Ich kann Herrn Huth nicht zwingen, den Ferdinandmarkt zu erhalten“, erklärte sie. Die Bauvoranfrage habe ihr Amt zwar positiv entschieden, doch befinde sich der Prozess noch ganz am Anfang. Ihr liegen bis heute keine konkreten Umbaupläne des Investors vor, eine Baugenehmigung sei bisher nicht beantragt worden. Ihr Vorschlag: Sobald dem Stadtplanungsamt konkrete Pläne für den Umbau des Ferdinandmarktes vorlägen, werde sie sie in einer öffentlichen Versammlung vorstellen.

Die von Bürgerinnen und Bürgern sowie von Lokalpolitikern mehrfach und vehement vorgetragene Kritik, er würde die Öffentlichkeit nicht ausreichend über seine Pläne informieren, wies Harald Huth von sich. Als Vermieter kommuniziere er mit seinen Mietern; zu verlangen, auch noch die breite Öffentlichkeit an Entscheidungsprozessen teilhaben zu lassen, sei „zu viel“. Stattdessen verwies er auf die Rolle der Verwaltung: „Vertrauen Sie dem Bezirksamt, das der Baugenehmigung zustimmt – oder eben auch nicht.“