Namen & Neues
Das Ein-Prozent-Desaster: 99 Prozent der Computer in der Südwest-Verwaltung laufen noch mit dem veralteten Windows 7
Veröffentlicht am 03.10.2019 von Boris Buchholz
Anfang 2020 stellt Microsoft den Support für sein Betriebssystem Windows 7 (es stammt aus dem Jahr 2009) ein – ab dem 14. Januar wird es keine Sicherheitsupdates für das veraltete Programm mehr geben. Während Sie ein Update für Ihren heimischen Computer vor kein allzu großes Problem stellen wird (wenn Sie überhaupt noch mit dem alten System arbeiten), hat die Verwaltung heftig zu knabbern: Von den 81.733 Computer-Arbeitsplätzen des Landes Berlin wurden bisher gerade einmal 24.999 auf Windows 10 umgestellt – 56.734 PCs laufen noch auf Windows 7. Besonders drastisch: In Steglitz-Zehlendorf wurden bis zum 15. September gerade einmal ein Prozent (!) aller Rechner vom alten Betriebssystem befreit.
Die Verwaltung wird es nicht schaffen: „Die aktuellen Umstellungszahlen lassen erwarten, dass einige Einrichtungen die Umstellung möglicherweise nicht bis zum 30. November abschließen werden“, antwortete IT-Staatssekretärin Sabine Smentek (SPD) auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Bernd Schlömer. Daran würden auch „zusätzliche Maßnahmen zur Beschleunigung“ nichts ändern, räumt Smentek ein. Sollte die Berliner Verwaltung auch in 2020 Windows-7-Computer betreiben müssen, müssten zukünftige Sicherheitsupdates bei Microsoft extra eingekauft werden – auf Kosten der Steuerzahler.
Während Steglitz-Zehlendorf ebenso wie Marzahn, Friedrichshain-Kreuzberg und Spandau mit der Ein-Prozent-Umsetzung dem Zeitplan mehr als hinterherhinken, zeigt Treptow-Köpenick wie es hätte gehen können: Im Südosten sind bereits neunzig Prozent aller Verwaltungsrechner mit Windowes 10 ausgestattet.
Die Piraten hatten rechtzeitig gewarnt. Überrumpelt wurden die Verantwortlichen im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von der Entwicklung definitiv nicht. Bereits im Dezember 2014 wiesen die damals noch in der Bezirksverordnetenversammlung vertretenen Piraten auf den endenden Windows-Support im Jahr 2020 hin. Im Februar 2015 forderte die BVV vom Bezirksamt per Piraten-Antrag, „dass die Vorbereitungen zur Ablösung von Windows 7 rechtzeitig begonnen werden“. Auch wenn die Bezirke aktuell ihre Soft- und Hardware über das berlinweite IT–Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ) beziehen sollen – die Umstellung von gerade einmal einem Prozent vier Jahre später ist eine peinliche Leistung. Die Bezirksverwaltung im Südwesten gibt in Sachen Digitalisierung leider ein schlechtes Bild ab. – Text: Boris Buchholz
+++
Diesen Text haben wir dem Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf entnommen. Den gibt’s komplett und kostenlos in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de
+++
Die Themen aus dem Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Südwesten +++ Kein neuer Publikumsmagnet am Museumsstandort Dahlem: „Ich hätte mir mehr gewünscht“, sagt die Bezirksbürgermeisterin +++ Grüne regen zum Umdenken an: Der Abriss des Betonbrückenmonsters am Breitenbachplatz könnte ein Modell für die Stadt sein +++ Das Ein-Prozent-Desaster: 99 Prozent der Computer in der Südwest-Verwaltung laufen noch mit Windows 7 +++ Radstreifen: Grüne Farbe für die Schloßstraße +++ Ein Bahnhof wird kommen: Wirtschaftssenatorin will S-Bahnhof Kamenzer Damm früher bauen +++ Klinikum Benjamin Franklin: Der neue Hubschrauberlandeplatz wird erst Anfang 2020 in Betrieb gehen +++ Die 778-Schritte-Sanierung: Der Weg am Teltowkanal wurde repariert – zumindest ein wenig +++ Arabisch? Oder ein liebestoller Graffiti-Künstler? +++ Gegen die Grizzlies: Rugby-Event in Zehlendorf +++ Kleinod, Schlösschen, Kuppelbau: Das Guthaus Steglitz ist eine Rarität +++ Kunst im Kiez in Lichterfelde-Ost +++ Tun Sie etwas Nachhaltiges: Tauschen Sie Ihre Kleider! +++ Galaktische Saison der Weltraumjogger +++ Den Newsletter aus dem Berliner Südwesten gibt es unter leute.tagesspiegel.de