Namen & Neues

Jetzt hat auch Steglitz-Zehlendorf eine eigene fLotte: Das erste kommunale Lastenrad wurde getauft

Veröffentlicht am 14.11.2019 von Boris Buchholz

Es ist ein Albert! Der Junge war bei seiner „Geburt“ am 8. November, 10.01 Uhr, herrliche 2,53 Meter lang und schmale 63 Zentimeter breit. In seinen Bauch passen zwei Kinder oder mehrere Getränkekisten, Albert ist ein starker Kerl: Auf seinen Schultern kann er bis zu 130 Kilogramm tragen. Als Umweltstadträtin Maren Schellenberg (Grüne) auf ihn zutrat, drehten sich seine beiden Räder wie wild – Albert ist seit letzter Woche das erste Lastenfahrrad der Steglitz-Zehlendorfer „fLotte kommunal“. Und das bedeutet: Sie können ihn kostenfrei zum Einkaufen, zum Transport von Sperrmüll, für Ihren Umzug oder für den Ausflug mit Ihren Kindern (er hat acht Gänge, Sicherheitsgurte für den Nachwuchs und hydraulische Bremsen) ausleihen.

Später wird die kommunale Lastenrad-fLotte zehn Gefährte zählen. „Darunter drei mit E-Motor-Unterstützung“, berichtet Stadträtin Schellenberg stolz. Albert ist am Campus Albert-Schweitzer (Am Eichgarten 14) stationiert. Marion Reichardt, sie ist Klimaschutzmanagerin im Bezirksamt, geht davon aus, dass „Ende November oder Anfang Dezember“ die anderen neun Stationen mit den schwergewichtigen Fahrrädern bestückt werden, „wir warten auf die Händler“. Dann werden an den Jugendfreizeiteinrichtungen Wannsee und Marshallstraße ebenso je ein Lastenrad bereitstehen wie beim Lwerk am Kamenzer Damm, der Markus-Kirchengemeinde oder dem Kinder-Jugend-Projekthaus Holzkirche – quer über den Bezirk wurden die Verleihstationen verteilt.

Das Ziel sei es, die kommunalen Räder in Wohngebieten anzubieten, sagte Dagmar Birkelbach von der Koordinationsstelle Klimaschutz und Nachhaltigkeit des Bezirksamts, denn die Lastenträger seien „prädestiniert für die Nachbarschaft, fürs Teilen“. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) bietet über seine Website flotte-berlin.de neben den kommunalen auch eigene Zweiräder an. Die seien aber vor allem bei Supermärkten, zum Beispiel bei Alnatura in Lichterfelde-West (dort treffen Sie Bettina und Salomon), zu finden. Was oft unpraktisch sei, so die Klimaschutz-Expertin, denn dann müsste man, nachdem man den Einkauf nach Hause gefahren hat, das Rad wieder zum Geschäft zurückbringen.

Steglitz-Zehlendorf ist der vierte Projektbezirk. Achtzig Prozent der Kosten für den Kauf, die Versicherung und den Unterhalt der zehn kommunalen Lastenräder zahle das Land, erläutert Michael Färber, Referent des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms beim Senat. Die restlichen zwanzig Prozent müsse der Bezirk aufbringen. Für die gesamte Laufzeit des Projekts bis Ende 2021 zahle der Bezirk 15.446 Euro, sagte Klimaschutzmanagerin Reichardt auf Nachfrage. Die Gesamtkosten betragen 77.230 Euro – knapp 30.000 Euro kosteten alleine die Räder samt Zubehör. Gemanagt wird die fLotte vom ADFC.

„Wir wollen eine Initialzündung schaffen“, erklärte Projektinitiator Thomas Büermann vom ADFC. Der Fahrradclub wolle die Lastenrad-Nutzer auf den Geschmack bringen – und zeigen, dass man nicht für jede schwere Last ein Auto brauche. „Vielleicht frage ich mich ja dann, ob ich mir ein eigenes Lastenrad kaufe – und ob ich mein eigenes Auto noch brauche“, hofft Thomas Büermann.

Es kommt auf einen Versuch an. Steigen Sie aufs Lastenrad, lernen Sie Albert (und all die anderen) kennen. Alles, was Sie tun müssen: Melden Sie sich auf flotte-berlin.de an, suchen Sie sich über die Übersichtskarte mit allen Standorten eine Entleihstation in Ihrer Nähe – und buchen Sie Ihr Wunsch-Rad. Kostenlos. Sie können das Rad maximal drei Tage am Stück nutzen, es gibt also keinen Stress, lassen Sie sich Zeit. Na dann, grüßen Sie Albert von mir! – Boris Buchholz

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Dieser Text stammt aus dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Meinen Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Südwesten gibt es in voller Länge und kostenlos unter leute.tagesspiegel.de
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