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Planungsstopp für die Sanierung des Beethoven-Gymnasiums: Die Kosten stiegen von acht auf 34 Millionen Euro

Veröffentlicht am 14.11.2019 von Boris Buchholz

Die Sanierung des „Neubaus“ aus den 70er Jahren dauert länger – und beim Altbau zieht das Hochbauamt aus Kostengründen die Notbremse. Wann das einhundert Jahre alte und denkmalgeschützte Haupthaus des Beethoven-Gymnasiums repariert sein wird, steht in den Sternen. Dabei ist die marode Baussubstanz der Lankwitzer Schule seit Jahren bekannt. Schon im März 2015 wurde die Sanierung der Fenster und der Elektroanlagen beim Senat beantragt – beide Maßnahmen sollten drei Millionen Euro kosten, die Gesamtsanierung der Schule mit allem drum und dran acht Millionen Euro. Das Land stimmte dem Fenster-und-Elektro-Ansinnen zu und ein Planungsbüro wurde damit beauftragt, alles zu planen. Dabei stellte sich heraus, dass die Kellerdecken im Altbau feucht und stark geschädigt waren. Erst stiegen die projizierten Baukosten auf 15,7 Millionen Euro, dann auf 19,6 Millionen Euro.

Hier teilt sich die Geschichte, denn die Planer teilten auch die Bauabschnitte neu auf. Im ersten Bauabschnitt sollte der Neubau grundsaniert und zeitgleich das Problem mit den Kellerdecken im Altbau behoben werden. Danach wäre es nur noch um den Altbau gegangen. Im Sommer 2017 wurde mit den Bauarbeiten am Neubau begonnen, die betroffenen Klassen der Mittelstufe zogen in das neue „Gartenhaus“ auf dem Schulhof, es sind Ersatzcontainer mit zwölf Klasenräumen. Die gesamte Oberstufe fand im Gebäude der Bröndby-Schule an der Dessauerstraße Unterschlupf.

Eigentlich hätte der sanierte Neubau am 16. Dezember der Schule übergeben werden sollen, so hatte es das Hochbauamt geplant. In der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am Mittwoch teilte Baustadträtin Maren Schellenberg (Grüne) mit, dass sich die Fertigstellung verzögert. „Erst konnten die Bodenleger zwei Wochen zu spät beginnen, dann kamen die Elektriker vier Wochen zu spät rein“, erklärte die Stadträtin und räumte weiter ein: „Es ist nicht alles gut gegangen.“ Jetzt rechne das Amt mit einer Übergabe des Gebäudes im März, spätestens „vor Ostern“.

Damit seien die bisherigen Planungen für die Abiturprüfungen Anfang des Jahres geplatzt, sagte die Schulleiterin Gunilla Neukirchen nach der Sitzung des Bezirksparlaments. Die Schüler bräuchten eine ruhige Umgebung für das Abitur, ein Umzug sei zu diesem Zeitpunkt ungünstig. Das Bezirksamt zeigte sich einsichtig, es wurde umgeplant: Bis zum Sommer kann das Beethoven-Gymnasium sowohl die Ersatzräume in der Bröndby-Oberschule als auch das „Gartenhaus“ weiternutzen – und den Neubau ab Übergabe auch. Das Abitur ist gesichert, das Ende der Baumaßnahmen auch.

Denn – zurück zur Sanierung des Altbaus – obwohl sich eigentlich die Bauarbeiter nach den Arbeiten im Neubau dem Altbau widmen sollten, wird Ruhe in die Schule einkehren. Unfreiwillig. 19,6 Millionen Euro waren bewilligt als bei der Ausführungsplanung für den zweiten Bauabschnitt weitere Mängel bekannt wurden (ich erspare Ihnen die Details) – sechs Millionen Euro mehr, lautete das Urteil der Fachleute. Außerdem wurden Kosten für die nötigen Ausweichquartiere für Schüler und Lehrer ermittelt, weitere neun Millionen Euro. Neues Gesamtvolumen der Schulsanierung: 34 Millionen Euro. Mitte Oktober zogen das Hochbauamt und die verantwortliche Stadträtin die Konsequenz und verhängten einen Planungsstopp. „Wir werden die Planung neu aufrollen“, verkündete Stadträtin Schellenberg in der BVV, europaweite Ausschreibung inklusive. Man sei in die Bauarbeiten „hineingestolpert“, ohne einen Überblick über alle Mängel und Bedarfe zu haben. Jetzt habe sie einen „Cut“ gemacht, jetzt müsse eine ordentliche Gesamtplanung gemacht werden. Sie gehe davon aus, dass sich die Sanierung des Altbaus um „mindestens zwei Jahre“ verzögere.

Ob die bisherigen Planungskosten jetzt in den Sand gesetzt seien, wollte die SPD-Fraktion in einer Großen Anfrage wissen. Das Geld, mit dem die kommenden Bauabschnitte geplant worden seien, sei „teilweise verloren“, gab die Stadträtin zu. Dmitri Stratievski (SPD) fand die Ausführungen der Stadträtin „nicht zufriedenstellend“. Müsse wirklich neu ausgeschrieben werden, sei es wirklich nötig, das europaweit zu tun? Außerdem sei sein Vertrauen in das Hochbauamt erschüttert: „Es stellt sich die Frage, ob die Planungen auch an anderen Projekten nicht stimmen.“

CDU und Grüne sprangen der Baustadträtin bei. „Fehler können passieren“, erklärte Bernd Steinhoff, der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, „entscheidend ist, aus den Fehlern zu lernen.“ Und: „Ich finde die Entscheidung des Bezirksamts sehr richtig.“ Der Christdemokrat Jens Kronhagel pflichtete seinem Vorredner bei: „Es hat sich gezeigt, wie schwierig es ist, historische Gebäude zu sanieren“, „schneeballmäßig“ würden die Kosten steigen. Mathias Gruner (Linke) ärgerte sich zwar über die Verzögerungen beim „Neubau“, in Sachen Altbau bestärkte er aber das Amt, „das ganze Ding neu aufzusetzen“.

In der Debatte gab Stadträtin Schellenberg Mängel im eigenen Amt zu. Sie verwies auf fehlende Ingenieure im Arbeitsbereich Technische Gebäudeausrüstung: „Wenn wir die Kapazitäten gehabt hätten, die Planungsunterlagen besser zu prüfen“, wären Planungsfehler früher erkannt worden. „Hat das etwas mit den offenen Stellen bei den Elektroingenieuren zu tun“, fragte der AfD-Verordnete Johann Trülzsch etwas träge nach. Nicken der Stadträtin, Lachen im Saal. Auch der AfD-Fraktionsvorsitzende Peer Döhnert trug inhaltlich wenig zur Entwicklung der Debatte bei: Erst empfahl er „vor allem“ den SPD-Frauen ein Praktikum auf dem Bau, dann meinte er, sich über den verhängten Planungsstopp so aufzuregen, sei ein „albernes Ding“.

Obwohl sich die Sanierung ihrer Schule weiter verzögert, sprach Schulleiterin Gunilla Neukirchen nach der Debatte im Foyer des BVV-Saals von einem „Aufatmen“. „Die Belastungen durch die Planungen und den Bau sind enorm“, berichtete sie. Teilweise habe sie in den letzten Jahren die Hälfte ihrer Zeit mit Bau-Themen verbracht – nicht nur für sie, sondern auch für ihre Kolleginnen und Kollegen hätten viele Tage um 7 Uhr begonnen und um 22 Uhr geendet: „Meine Stellvertreterin hat so viel umgeplant.“ Das „tolle Kollegium und die tolle Schülerschaft“ hätten die Beeinträchtigungen durch die bisherigen Baumaßnahmen „hervorragend mitgetragen“. Die Schulgemeinschaft sei enger zusammengerückt. Auf der einen Seite freue sie sich über eine Phase der Ruhe; auf der anderen befürchtet sie, dass die Sanierungskosten in zwei bis drei Jahren weiter in die Höhe geschnellt sein könnten. – Boris Buchholz

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