Namen & Neues

Das nächste große Ding? Noch dürfen keine Besucher auf den Fernmeldeturm Schäferberg

Veröffentlicht am 05.12.2019 von Boris Buchholz

Das nächste große Ding? Noch dürfen keine Besucher auf den Fernmeldeturm Schäferberg. Es klang sehr schön: Der Fernmeldeturm auf dem Schäferberg in Berlin-Wannsee soll eine Touristenattraktion werden. So hat es die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im Januar beschlossen. „Touristinnen und Touristen könnten beispielsweise von einer eigens dafür hergerichteten Plattform den wunderschönen Blick über Steglitz-Zehlendorf und das angrenzende Umland bis hin nach Potsdam und Berlin-Mitte genießen“, so hieß es in der Begründung des von der CDU eingebrachten Antrags.

Wir haben vom Bezirk noch nichts gehört, erklärte mir fast zwölf Monate später auf Nachfrage Benedikt Albers, der Pressesprecher der Turm-Betreiberfirma „Deutsche Funkturm“, es ist ein Tochterunternehmen der Telekom. Aber: „Wir freuen uns über das Interesse, unseren Fernmeldeturm der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Immerhin habe der Turm eine große geschichtliche Bedeutung; er sei nach wie vor einer von drei Standorten, von dem aus die Berlinerinnen und Berliner mit Radio und Fernsehen versorgt werden. 212 Meter ist der Turm hoch – samt des Schäferbergs ragt die Turmspitze exakt 1000 Fuß über dem Meeresspiegel auf; das war beim Bau Anfang der 1960er Jahre eine Vorgabe der US-Amerikaner, in deren Sektor sich der Turm befand. Damit ist er übrigens älter als sein „großer Bruder“, der Fernsehturm am Alexanderplatz.

Während der DDR-Zeit diente der Turm auf dem Schäferberg als Funkbrücke in den Westen. Eine Etage in dem mehrgeschossigen Turm-Aufbau hatten sich zudem die Alliierten reserviert: Die CIA lauschte in den Osten. Heute ist das Innere weniger spektakulär, die Funktechnik nimmt immer weniger Platz ein, ganze Räume stehen leer – sowohl oben an der Spitze als auch unter dem Sockel. Die Idee, eine Aussichtsplattform sowie ein Café und Besucherzentrum einziehen zu lassen, ist nicht abwegig.

Allerdings: Der „Berliner Abendschau“ verriet Deutsche-Funkturm-Vertreter Torsten Brinkmann im Oktober, dass das größte Problem der Brandschutz sei. „Es gibt nur einen Weg rauf und wieder runter – es gibt auch einen zweiten, aber der ist tödlich“, sagt der Turmkenner und zeigt mit seinem Arm über das Geländer in die Tiefe hinab (den Besuch der rbb-Regionalnachrichten in luftigen Höhen können Sie hier online nacherleben).

Mir hat der Turm-Betreiber übrigens auch einen Ausflug auf das vielleicht zukünftige Besucher-Highlight versprochen – aber das sei erst im Frühjahr möglich, hieß es. Vielleicht wird der Fernmeldeturm Schäferberg das nächste „große Ding“ im Südwesten. Ich meine, was könnte nach dem Wegzug zweier Museen aus Dahlem besser ein touristenmagnetischer Leuchtturm werden als der Koloss in Wannsee?

Apopos: Spitzname gesucht! Die Berliner sind ja bekannt dafür, dass sie Liebgewonnenem kreative Namen geben. Ein Eisbär wird zu „Hertha“, das Haus der Kulturen der Welt ist die „Schwangere Auster“, der Fernsehturm ist der „Telespargel“ und der Kreisel ist der „Kreisel“. Was meinen Sie, wie sollte der Fernmeldeturm Schäferberg zukünftig in unserem Südwest-Volksmund heißen? E-Mail genügt an boris.buchholz@tagesspiegel.de. – Text: Boris Buchholz

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