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Keine akute Asbest-Gefahr im Rathaus Zehlendorf – doch die Bauteile B und E müssen gereinigt werden
Veröffentlicht am 12.12.2019 von Boris Buchholz

Keine akute Asbest-Gefahr im Rathaus Zehlendorf – doch die Bauteile B und E müssen gereinigt werden. Es sind verhältnismäßig gute Nachrichten, die Baustadträtin Maren Schellenberg (Grüne) am Mittwochabend in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) mitteilen konnte: Die stichprobenartigen Untersuchungen im Rathaus Zehlendorf hätten ergeben, dass in den Räumen der Bauteile C und D keine Asbestfasern festgestellt wurden – beide Rathaus-Anbauten können problemlos wieder genutzt werden.
Etwas anders sieht das in den Bauteilen B und E aus. Hier seien in acht von 13 untersuchten Räumen Asbestfasern festgestellt worden, allerdings in einer geringen Konzentration. Die Gutachter hätten jeweils fünf Kontaktproben genommen; nirgends seien alle fünf Proben positiv gewesen. In sieben Räumen sei ganz eindeutig nur der Bereich um die Fensternischen betroffen gewesen – das Amt vermutet, dass die Fasern von den außen verbauten Fensterbänken aus Asbestzement stammen und „hineingeweht“ wurden. Nur beim achten Raum, einer Abstellkammer, seien die Asbestfasern außerhalb des Fensterbereichs gefunden worden.
Wie letzte Woche berichtet, hatten Handwerker bei Renovierungsarbeiten im Bauteil B zufällig Asbestfasern gefunden (hier zum Nachlesen). Nach dem Fund wurden die betroffenen beiden Räume gesperrt und ein externer Gutachter mit Untersuchungen in allen Bauteilen bis auf den einhundert Jahre alten Altbau (Bauteil A) beauftragt. Die Proben seien „in allen Bauteilen, allen Stockwerken und allen Himmelsrichtungen“ genommen worden, erklärte die Stadträtin. Bis die Untersuchungsergebnisse vorlagen, hatte es Personaldezernentin und Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) allen betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern freigestellt, ob sie weiter in ihren Büros arbeiten wollen: Viele Beschäftigte hätten zuhause gearbeitet, Räume im Altbau wurden für Sprechstunden zur Verfügung gestellt, das Amt arbeitete weiter.
Jetzt liegen die Schlußfolgerungen und Empfehlungen des Gutachters vor. Die wichtigsten Ergebnisse lauten: „Eine akute Gefahr … ist nicht zu erwarten“ und „eine unverzügliche Schließung der Räume ist nicht erforderlich“. Allerdings empfiehlt der Asbest-Experte, „die Fenster in den Bauteilen B und E sollten geschlossen bleiben“. Fünf Schritte sollten eingeleitet werden, um den Asbestfunden in den Bauteilen B und E angemessen zu begegnen:
- Raumluft: Als erstes sollen Proben der Raumluft genommen werden. Bisher wurde über die Kontaktproben nur Staubablagerungen in den Amtsstuben untersucht.
- Reinigung: Im zweiten Schritt empfiehlt der Gutachter „eine kurzfristige Reinigung aller Fensternischen sowie eine grobe Reinigung des restlichen Raums durch eine Asbestsanierungsfachfirma“.
- Überprüfen: Neue Stichproben in den gereinigten Räumen, sind Schritt Nummer drei. Hat die Reinigung zum gewünschten Erfolg geführt?
- Quellensuche: Jetzt müsse nach der Quelle der Asbestemission gesucht werden. Stammen die Fasern wirklich aus den Fensterbänken? Oder ist vielleicht das verbaute Fugenkitt, der Anstrich oder die Ausgleichsmasse der Ursprung der Fasern? Die verdächtigen Fensterbänke müssen von außen begutachtet werden.
- Sanierung: Wenn klar ist, woher die Asbestfasern stammen, kann die Quelle entfernt oder so abgedeckt werden, dass keine weiteren Fasern entweichen.
Die Messungen der Raumluft hätten bereits begonnen, teilte Maren Schellenberg mit. Bei der Beauftragung der Reinigung gebe es allerdings Probleme: „Wir befürchten, dass wir vor Weihnachten keine Firma finden.“ Die Reinigung der Bauteile B und E sei ein „Großauftrag“. Auf Nachfrage des Tagesspiegels erklärte sie, dass insgesamt um die 200 Räume gereinigt werden müssten; sie gehe davon aus, dass die Asbestsanierungsfirma pro Raum „bis zu zwei Stunden“ brauchen werde. Es ist also wahrscheinlich, dass die Bauteile B und E auch im Januar nur eingeschränkt genutzt werden können.
Die Mitarbeiter können entscheiden. Bis die Räume gereinigt und Kontroll-Messungen durchgeführt worden sind, müssen die Mitarbeiter der Verwaltung nicht an ihre Schreibtische in den Bauteilen B und E zurückkehren. Rathauschefin Richter-Kotowski hatte den Beschäftigten auf zwei Personalversammlungen Anfang der Woche über die ersten Ergebnisse berichtet. Auch wenn das Gutachten keine Gesundheitsgefahr festgestellt habe, verstehe sie die Ängste der Mitarbeiter: „Deshalb sage ich: Wir reinigen eure Räume und bis dahin organisiert euch mit euren Vorgesetzten.“ Aus ihrer Sicht „haben wir als Bezirksamt alles richtig gemacht“.
Norbert Buchta, der Fraktionsvorsitzende der SPD, sieht es anders: Die SPD hatte in die BVV eine Große Anfrage eingebracht, die zwischen den Zeilen Versäumnisse des Bezirksamts vermuten ließ. „Bei uns haben sich Mitarbeiter der Verwaltung für die Anfrage bedankt“, berichtet er. Er vermisse bei den verantwortlichen Stadträtinnen die Fürsorgepflicht und Transparenz, er habe irgendwie das Gefühl, „hier soll etwas vertuscht werden“. Immerhin: „Sie haben gewusst, dass die Asbestquelle vor der Tür, also dem Fenster, liegt.“
Falsch, antwortet die Bezirksbürgermeisterin auf den letzten Vorwurf. Im Asbestkataster des Bezirks, in dem alle bezirkseigenen Gebäude erfasst sind, sei seit Ende der 1990-er Jahre aufgeführt, dass im Rathaus Zehlendorf in den Bauteilen B bis E Asbestzement in den Außenfensterbänken verbaut worden ist. „Jeder wusste das.“ Doch handelt es sich um festgebundenen Asbest, von dem – wenn der Asbestzement nicht angegriffen wird – keine Gefahren für die Gesundheit ausgehen. Ob die in den Räumen gefundenen Asbestfasern überhaupt aus den Fensterbänken stammen würden, sei bisher unklar. Erst ein Vergleich der Fasern im Labor könne Gewissheit bringen. Deshalb empfehle der Gutachter, auch alle anderen verbauten Stoffe in den Fensternischen zu untersuchen.
Auch den Vorwurf der mangelnden Information an und Fürsorge für die Mitarbeiter wies Cerstin Richter-Kotowski „in aller Schärfe zurück“. Als die ersten Asbestfasern gefunden worden seien, seien die betroffenen Räume sofort gesperrt worden. „Unverzüglich“ seien Proben angeordnet und ein Gutachten angefordert worden. Die Beschäftigten hätten sofort die Wahl gehabt, ihre Amtszimmer zu verlassen. Nachdem die Ergebnisse des Gutachters mündlich dem Amt mitgeteilt worden seien, seien alle Leitungskräfte informiert worden, dann die Mitarbeiter und schließlich per Pressemitteilung die Öffentlichkeit. Bei allen Entscheidungen seien der Personalrat und der leitende Amtsarzt hinzugezogen worden. „Was wollen Sie denn noch an Transparenz?“, fuhr die Bürgermeisterin den SPD-Fraktionsvorsitzenden an. „Sie rufen ‚Skandal, Skandal‘, aber es ist keiner da.“ Und – einmal in Fahrt – ergänzte sie: „Ich habe manchmal das Gefühl, Sie haben zu viel Tatort geguckt.“
Als Kronzeuge sei der Bezirksverordnete Hans-Walter Krause (Linke) genannt. Er sagte – außer ihm meldete sich nur noch Bernd Steinhoff, der Fraktionsvorsitzende der Grünen, mit einer ähnlichen Meinung zu Wort: „Ich kann kein Fehlverhalten feststellen.“ Und das darf etwas heißen, denn Hans-Walter Krause ist ein sehr kritischer Zeitgenosse – Gerechtigkeit ist ihm ein hohes Gut. – Text: Boris Buchholz
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Zum Newsletter-Autor: Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer. Zwar wurde er in Wilmersdorf geboren, doch wuchs er in Lankwitz auf, besuchte in Steglitz das Gymnasium und wohnt in Zehlendorf. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@tagesspiegel.de