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Steglitzer Kreisel: Oben wohnen die Millionäre, unten sollen Obdachlose versorgt werden

Veröffentlicht am 12.12.2019 von Boris Buchholz

Steglitzer Kreisel: Oben wohnen die Millionäre, unten sollen Obdachlose versorgt werden. 34 Prozent der Wohnungen im Steglitzer Kreisel im Berliner Südwesten sind bereits vermietet, für etliche weitere lägen Reservierungen vor: „Wir sind im Plan“, sagte Bauherr Christoph Gröner, Vorstandsvorsitzender der CG Gruppe, am Donnerstagmorgen beim Pressegespräch im 13. Stock. Mitten im Skelett des 120 Meter hohen ehemaligen Sitzes des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf hat der Investor eine Musterwohnung erstellen lassen. Es ist eine Oase im rohen Baugeschehen, 60 Meter über der Schloßstraße: drei Zimmer, gerahmte Fotos an den Wänden, weiße Wände, Küchenzeile, bodentiefe Fenster und Parkett.

Insgesamt 330 Wohnungen werden im 120 Meter hohen Gebäude entstehen. Früher hatte es 27 Etagen, im 24. befand sich die gut besuchte Kantine der Bezirksverwaltung. Zukünftig wird der Aufzug bis in den 29. Stock hinauffahren: Ehemalige Technikräume auf dem Dach, sie beherbergten unter anderem die Aufzugmotoren, werden zu zwei Penthouse-Wohnungen umgebaut; eine wird 300, die andere 200 Quadratmeter groß sein. „Die teuersten Wohnungen werden gegen Gebot verkauft“, erklärte Gröner. Er rechnet mit einem Kaufpreis von einigen Millionen Euro; schon im 27. Stock kostet die Wohnfläche 14.000 Euro pro Quadratmeter. Interessenten für das Penthouse gebe es bereits.

Preisgünstiger wohnt es sich in den unteren Stockwerken. In der ersten und zweiten Etage habe der Verkauf 2018 mit einem Quadratmeterpreis von 4.500 Euro gestartet, jetzt läge man bei 5.000 Euro, erklärte Lars Kittelmann von der Vertriebsgesellschaft der CG Gruppe. Gerade kleinere Wohnungen ab dreißig Quadratmetern seien gut nachgefragt, berichtete er: „Zum Beispiel hat ein Vater eine kleine Wohnung für seine Tochter gekauft.“

Das Haus-Skelett, dass seit Monaten die Steglitzer Skyline wie eine aufrecht stehende Fischgräte dominiert, wird bis Ende Januar 2020 komplett eingerüstet. Etagenweise werden dann Stahlträger eingezogen, Balkone angebaut und die neue Fassade angebracht. Zeitgleich sollen Bautrupps am Dach, im Erdgeschoss und in der Mitte des Hochhauses mit der Arbeit beginnen. Ein Jahr Bauzeit ist für diese Phase vorgesehen, dann erfolgt der Innenausbau. Anfang 2022 soll der gesamte Wohnturm fertig sein, erste Bewohner könnten jedoch schon früher einziehen, ist sich Christoph Gröner sicher: „Wir haben sicher schon die ersten zehn Stockwerke Ende 2021 fertig.“

Auch in Bodennähe soll sich einiges tun. Das Kreisel-Parkhaus sei zu wenig belegt, dort sollen ab dem zweiten Stock Büroflächen entstehen. Gröner verspricht einen neuen Weg zwischen S-Bahn und Hermann-Ehlers-Platz, „in Zukunft soll man diagonal durch das Gebäude laufen können“. Er vergleicht die aktuelle schmuddlige Situation hinter dem Kreisel „mit der Bronx“. Er denke über ein Angebot für Obdachlose nach, die sich schon heute rund um das Hochhaus einen Schlafplatz suchen: „Wir sind uns nicht zu fein, oben für 14.000 Euro pro Quadratmeter zu bauen und unten eine Anlaufstelle für Obdachlose einzurichten.“ Im schwebe etwas ähnliches vor wie die Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo.

Bauherr Gröner begreift sein Engagement im und am Kreisel, im Firmenjargon ist es der „ÜBERLIN Tower“, als Stadtentwicklung. Folgerichtig werde die CG Gruppe auch den Umbau des Hermann-Ehlers-Platz „massiv mitgestalten“. Auf Nachfrage des Tagesspiegels erklärte er: „Das Geld kommt von uns.“ – Text: Boris Buchholz

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Zum Newsletter-Autor: Boris Buchholz ist freiberuflicher Journalist und Designer. Zwar wurde er in Wilmersdorf geboren, doch wuchs er in Lankwitz auf, besuchte in Steglitz das Gymnasium und wohnt in Zehlendorf. Mehr über Boris Buchholz erfahren Sie auf seiner Website. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an boris.buchholz@tagesspiegel.de