Namen & Neues

Wegen antisemitischen Namensgebers: AStA fordert Umbenennung des Henry-Ford-Baus

Veröffentlicht am 06.02.2020 von Felix Lorber

Es ist ein prachtvolles Gebäude und gewissermaßen das Vorzeigeexemplar der FU Berlin: Der Henry-Ford-Bau beherbergt mit dem Audimax den größten Hörsaal der Universität, berühmte Reden fanden und finden hier statt, wenn internationale Gäste geladen sind, erscheinen sie meist hier. Und auch der Akademische Senat der FU hat seinen Sitzungssaal im Gebäude, das nach Henry Ford, dem Automobilmagnaten und Gründer der Ford Motor Company benannt ist. Zum wiederholten Mal fordert nun der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der FU eine Umbenennung.

Der Namensgeber des repräsentativsten Gebäudes der FU war nachweislich ein bekennender Antisemit und Unterstützer des NS-Regimes“, so die Studierendenvertreter. Sie verweisen auf die von Ford 1920 veröffentlichte und später ins Deutsche übersetzte Textsammlung „The International Jew“ – ein vierbändiges Werk antisemitischer Schmähschriften. Auch die Wiederauflage der „Protokolle der Weisen von Zion“ – dem Hauptwerk antisemitischer Verschwörungsideologien – in einem Journal fällt in Fords Verantwortungsbereich. Aufgrund dieses Wirkens genoss Ford ein hohes Ansehen in der Hitler-Administration des Dritten Reiches, was ihm 1938 die Verleihung des „Großkreuz des deutschen Adlerordens“ einbrachte. Dabei handelte es sich um die höchste Ehrung, die Ausländern im Dritten Reich zuteilwerden konnte und Ford als erstem US-Amerikaner verliehen wurde. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges stellte die Ford Motor Company zwischen 87.000 und 92.000 zum Großteil für die Wehrmacht gedachte Fahrzeuge her. Dies geht aus dem Untersuchungsbericht der Ford Motor Company Archives hervor.

Die Nähe zum Nationalsozialismus und die kriegsunterstützenden Tätigkeiten in Deutschland, für die auch KZ-Zwangsarbeiter rekrutiert wurden, disqualifizierten Ford nach Ansicht des AStA als Namensgeber: „Dass Ford ein Antisemit war und sein Vermögen, welches den Henry-Ford-Bau finanziert hat, auch auf der Ausbeutung von Opfern des Nationalsozialismus beruht, steht außer Frage.“ Folglich fordere man von der FU nun ein transparentes Verfahren zur Umbenennung und „ein Zeichen gegen Antisemitismus“, so Fabian Bennewitz.

1952 bis 1954 wurde die Errichtung des Gebäudes durch Spenden der Ford-Stiftung finanziert, was die Namensgebung erklärt. Bereits 2007 versuchte der damalige AStA eine Umbenennung zu erreichen, was jedoch scheiterte. Die FU vertritt seither die Position, der Bau sei nach Henry Ford II benannt, dem Enkel Fords und zum Zeitpunkt des Baus amtierenden Präsidenten der Stiftung.

Die neuerliche Diskussion hängt auch mit dem kürzlichen Beschluss zur Umbenennung der Beuth-Hochschule zusammen. Auch deren Namenspatron Christian Peter Beuth war ein Antisemit. Der Akademische Senat der Hochschule hatte mehrheitlich für die Umbenennung gestimmt, was der AStA FU auch für die eigene Universität als Vorbild bezeichnet und andere „emanzipatorische Persönlichkeiten der FU“ als Alternativen sieht.