Namen & Neues
Ein großes Problem ist, wie Ältere an Geld kommen: Nachbarn helfen Nachbarn – ein Überblick
Veröffentlicht am 19.03.2020 von Boris Buchholz
„Wir suchen gerade händeringend nach einer guten Idee, wie ältere und hochbetagte Menschen die Einkäufe über einen längeren Zeitraum finanzieren können“, berichtet Projektkoordinatorin Nina Karbe von der Nachbarschaftshilfe Steglitz-Zehlendorf. Die Betroffenen könnten nicht zur Bank gehen, hätten aber auch nicht die Möglichkeiten von Online-Banking und Co. „Die Banken haben dazu bisher keine Lösung und auch noch kein Bewusstsein, dass es von ihrer Seite eine Lösung geben muss“, berichtet sie.
Im Nachbarschaftsladen in der Berlinickestraße gingen vor allem Wünsche nach Einkaufshilfen von Menschen ein, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen können. Das sei der „absolute Schwerpunkt“, berichtet die Nachbarschaftskoordinatorin. „Es gibt aber auch Menschen, die sich weiterhin einen persönlichen Kontakt wünschen würden.“ Für viele ältere Menschen sei die Einschränkung der sozialen Kontakte und der Wegfall aller Veranstaltungen ein großer Einschnitt, der sie einsam werden lasse. „Davor haben viele Angst.“
Jeden Tag würden sich drei bis fünf Menschen melden, die Hilfe anbieten möchten. Die Anzahl der Hilfesuchenden sei bisher noch überschaubar. „Wir sehen noch immer viel zu viele ältere Menschen, die selbst einkaufen gehen“, so Nina Karbe: „Es ist zu hoffen, dass sich das zu ihrem eigenen Wohl noch verändert.“ Sie seien darauf vorbereitet, weit mehr Menschen als bisher zu helfen; sie führten Listen mit Freiwilligen. Und im Notfall würden auch Ehrenamtliche und Mitarbeitende des Trägervereins Mittelhof einspringen können. Die Vermittlung der Helfenden erfolge schnell: Ein Pärchen hatte sich Montag zum Einkaufen bereit erklärt, schon am Dienstag waren sie das erste Mal für einen Nachbarn unterwegs – der sich sogleich dafür bedankt habe, „dass das so schnell funktioniert hat“. Kontakt und Informationen: mittelhof.org/nachbarschaftshilfe
Beim Stadtteilzentrum Steglitz gingen kaum Hilfsgesuche ein, berichtet Sprecherin Elena Baumann. Das würde sich ändern, „wenn tatsächlich eine Ausgangssperre verhängt werden würde“. Aktuell würde das Stadtteilzentrum daran arbeiten, neue digitale Angebote speziell für die Kinder- und Jugendarbeit zu schaffen. Das Ziel: „Wir treffen uns da, wo sich keiner ansteckt – digital.“ Das gesammelte Wissen geben die Expertinnen und Experten des Stadtteilzentrums auch an andere Jugend- und Nachbarschaftseinrichtungen weiter, die bisher teilweise jedoch „technisch hierfür nicht ausreichend ausgestattet“ seien. Deshalb bittet das Stadtteilzentrum um Tablet-Spenden für die Jugendarbeit in der Corona-Krise. Sollten Sie einen Tablet-Computer nicht mehr benötigen, auf stadtteilzentrum-steglitz.de finden Sie die Details zu der Spendenaktion. Das Motto: „Helft uns, mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu bleiben!“
Auch das Rote Kreuz Berlin Südwest organisiert Hilfe in der Nachbarschaft. Da alle Einrichtungen geschlossen worden seien, die offene Angebote für Kinder, Jugendliche, Familien und Lebensältere anboten, sei man gerade in der Umstrukturierung, berichtet DRK-Sprecher Thomas Luthmann. In der geschlossenen Freizeitstätte „Kiezoase“ in der Steglitzer Schützenstraße werde eine Nachbarschaftshilfe aufgebaut (Informationen und Kontakt: drk-sz.de). Außerdem seien telefonische Beratungen ein wichtiger Hilfe-Baustein. „Es ist natürlich so, dass sich viele Anliegen unserer Nutzer und Besucher auch in Corona-Zeiten kaum ändern“, so der Sprecher. Die Erziehungs- und Familienberatung sei zwar geschlossen, „doch die Probleme, die in Familien bestehen, sind nicht vom Tisch“.
Als ein weiteres Arbeitsfeld hat sich für das DRK die Bekämpfung von Falschinformationen, Fake News, herausgestellt. „Auf Arabisch oder Farsi werden in den sozialen Netzwerken viele Beiträge gestreut, die den baldigen Zusammenbruch des Versorgungssystems vorhersagen“, erklärt Thomas Luthmann. Die Redaktion des mehrsprachigen Magazins „kulturTÜR“, die Schreiberinnen und Schreiber sind ehemalige Flüchtlinge (auf kulturtuer.net können Sie die Zeitschrift kennenlernen), beobachte das und plane, „wie sie solchen Behauptungen auf Facebook mit eigenen Beiträgen entgegentreten kann“.